Figurenentwicklung – im echten Leben

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Ich habe seit einigen Jahren ein Abo für den NEW YORKER. Oft komme ich gar nicht dazu, mehr zu tun als den Inhalt zu überfliegen, aber wenn ich mir dann ein paar Stunden Zeit nehme und einen der langen Artikel lese macht es alles wett. Nicht nur weil die „Dramaturgie“ der Essays großartig ist, und der Stil noch dazu, sondern weil man den Menschen um die es geht unglaublich nahe zu kommen scheint (eigentlich wie in einem wirklich guten Dokumentarfilm).

Einer dieser Artikel ist das Portrait von Frédéric Bourdin. Der Autor David Grann nähert sich dabei einem Mann an, der notorisch lügt und dabei immer wieder den Namen und die Persönlichkeit verschwundener Kinder angenommen hat. Anders als bei den meisten Hochstaplern war sein Ziel aber offenbar nicht seine Opfer um ihr Geld zu bringen, sondern… ja was eigentlich? Offenbar gibt es bei diesem Mann eine große Sehnsucht nach Anerkennung, Liebe und Familie. Welche Grenzen er dabei überschreitet und wie sich sein Weg plötzlich mit der Familie eines verschwundenen Jungen kreuzt (und was da womöglich für ein Kriminalfall dahinter steckt) lest ihr am besten selbst.

Und wieso schreibe ich hier auf Scriptalicious darüber? Weil Frédéric Bourdin mitten im Artikel beschreibt wie er seine „Figuren“ kreiert. Und das liest sich für mich wie ein „How To“ der Figurenentwicklung in Drehbüchern.

One day when I was visiting Bourdin, he described how he transformed himself into a child. Like the impostors he had seen in films such as “Catch Me If You Can,” he tried to elevate his criminality into an “art.” First, he said, he conceived of a child whom he wanted to play. Then he gradually mapped out the character’s biography, from his heritage to his family to his tics. “The key is actually not lying about everything,” Bourdin said. “Otherwise, you’ll just mix things up.” He said that he adhered to maxims such as “Keep it simple” and “A good liar uses the truth.”

Abgesehen von den guten Drehbuchratschlägen „Keep it simple“ (und im Grunde auch das oft gehörte „Write what you know“) liest sich der Artikel wie ein Psychothriller, der im B-Plot noch dazu einen echten Krimi aufweisen kann. große Leseempfehlung.

Ich habe mich übrigens beim Lesen gefragt wieso das noch nicht längst verfilmt wurde. Ist natürlich schon passiert, und zwar 2010 als Spielfilm und dieses Jahr als Dokumentarfilm.

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