Be Creative 365 – Eine Rückschau

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(You can find the English version here.)

365 Tage sind vorbei, und an jedem war ich kreativ. Unglaublich eigentlich.

Be Creative #365 - The Final Project, © Ines Häufler, 2011

Be Creative #365 - The Final Project, © Ines Häufler, 2011

Bevor ich hier aufschreibe was ich dabei gelernt habe, was mir gefallen hat (und was weniger) bedanke ich mich mal bei allen die mitgelesen und kommentiert haben, bei den Verlinkungen auf Facebook den „like“ Knopf gedrückt haben, die mich auf das Projekt angesprochen haben, die mir das Gefühl gegeben haben dass ich da nicht nur für die Schublade arbeite. Und ich bedanke mich bei allen mit denen ich für einzelne Projekte zusammenarbeiten durfte. Und bei denen die fürs Inspirieren gesorgt haben. Erste Lektion: Bei diesem Projekt ging es offenbar nicht nur um mich, sondern es ging auch sehr stark um den Austausch mit anderen Menschen.

Was ich gelernt habe

1.) Zeit spielt keine Rolle. Sofern es sich bei dem was ich neben der Arbeit machen will um etwas handelt bei dem ich mit Leib und Seele dabei bin. Am Anfang habe ich nämlich befürchtet dass sich das alles nicht ausgeht – die Arbeit, das bisherige Sozialleben aufrecht zu erhalten und dann noch dieses Projekt reinquetschen. Es ging sich aber mühelos aus. Ich denke der Grund war einfach dass ich das hier wirklich durchziehen wollte weil es mir genauso wichtig (und manchmal sogar wichtiger) war als meine Arbeit. Und Menschen die schon mal mit mir zusammengearbeitet haben wissen wie wichtig mir meine Arbeit ist und wie sehr ich für sie brenne.

2.) Work-Life-Balance.Ein schreckliches Wort, aber ein erstaunlicher Nebeneffekt dieses Projekts. Während ich in den sieben Jahren davor fast ausschließlich für meinen Beruf gelebt habe war es 2011 zum ersten Mal anders.

Be Creative #347 - Occupy bed!, © Ines Häufler, 2011

Be Creative #347 - Occupy bed!, © Ines Häufler, 2011

Vorher hatte ich nie etwas das der Arbeit den Rang abgelaufen hätte, so wichtig war sie mir, und so sehr habe ich mich hineinvertieft. Wenn ich hingegen an das letzte Jahr zurückdenke habe ich das Gefühl ich hätte nur halb so viel wie sonst gearbeitet. Was aber nicht stimmen kann, denn das Einkommen blieb ungefähr gleich. Ich denke diese Illusion kommt daher dass mir das Be Creative Projekt von der Priorität her genauso wichtig war wie die Arbeit (wenn nicht manchmal sogar wichtiger). Ich hatte 2011 übrigens auch keinen einzigen Anflug von Burnout, im Gegensatz zu all den Jahren davor. Diese neu entdeckte Balance zwischen Arbeit, Kreativität und Leben ist für mich eigentlich die größte persönliche Bereicherung die ich durch das Projekt hatte.

3.) Perfektion ist unwichtig. In der Arbeit und auch sonst bin ich ja eine ziemliche Perfektionistin. Ich bin ja der Meinung dass man immer versuchen sollte das Beste aus einem Projekt herauszuholen, auch wenn man z.b. durch Zeit und sonstige Umstände (Geld etc.) eingeschränkt wird. Das erzeugt zwar etwas druck, aber der ist meistens gut. Jedenfalls ging es bei Be Creative plötzlich für mich darum zu zeichnen, zu malen, Plastilin zu kneten – und das ohne jemals auf einer Kunsthochschule gewesen zu sein. Als Kind habe ich zwar von meinen Eltern (beide Fotografen) so einiges über (Bild-)Ästhetik und auch ein bisschen was Zeichentechnisches von meiner Mutter mitbekommen, aber so richtig gelernt habe ich es nie. Angst. Nur war es mir seltsamerweise von der ersten Minute an egal ob meine Be Creative Werke technisch „perfekt“ waren oder nicht. Warum mir das trotz meines ausgeprägten Perfektionswahns gelungen ist kann ich immer noch nicht sagen. Ich denke dass mir vielleicht der Prozess des kreativen Erschaffens wichtiger war als ein perfektes Ergebnis. Und dass ich schnell gemerkt habe dass mich niemand auf eine „falsche“ Pinsel- oder Strichführung anspricht. Und dass es keine Auftraggeber gab und kein Geld im Spiel war. Insgesamt habe ich jedenfalls nie irgendeinen Druck verspürt perfekt sein zu müssen. Und das war ein sehr befreiendes Erlebnis.

Was ich nicht mochte

Natürlich war in diesen 365 Tagen nicht immer alles eitel Wonne.

1.) Inspirationsmangel.Ich hatte im Sommer einige Wochen lang eine vollkommen uninspirierte Phase.

Be Creative #197 - Wanted: My Muse, © Ines Häufler, 2011

Be Creative #197 - Wanted: My Muse, © Ines Häufler, 2011

Es war nicht so dass ich nicht mehr weitermachen wollte, im Gegenteil, sondern mir fiel einfach nichts ein das ich selbst interessant fand. Alles kam mir halbherzig und mittelmäßig vor. Irgendwann verschwand diese Blockade wieder, aber diese Wochen kamen mir sehr zäh und mühsam vor. Was in so einem Moment übrigens hilft sind Serien wie die Retro Edition oder die Geschichten mit Anouk – das hilft einem ein wenig schneller ins kreative Fahrwasser zurückzufinden.

2.) Schlafmangel. Ich bin sowieso kein Morgenmensch und vor 1 Uhr früh gehe ich selten ins Bett. Deswegen habe ich kaum unter Tags sondern fast immer nachts an dem Be Creative Projekt gearbeitet. Da klingelt auch kein Telefon und der Arbeitstag ist vorbei. Aber irgendwie hat es sich eingebürgert dass ich oft bis 2h früh an dem Projekt gearbeitet habe bzw. danach nicht sofort einschlafen konnte (schüttet Kreativarbeit irgendwelche Wachbleib-Hormone aus? Man weiß es nicht.). Dadurch habe ich eigentlich fast täglich weniger als meine dringend benötigten siebeneinhalb Stunden Schlaf bekommen habe. Und die daraus resultierenden Augenringe kann man jetzt nicht mal mehr mit dem magischen Touche Eclat Concealer verbergen. Seufz.

Wie es weiter geht…

Ich sage es gleich: Ich kann und will nicht aufhören. Dafür war es einfach alles viel zu großartig. Und bereichernd. Und Augenöffnend. Und neue Welten ergründend. Be Creative wird also weiter gehen. Aber der Rhythmus wird sich ändern – es wird ein wöchentliches Projekt werden, das folgerichtig „Be Creative 52“ heißt.

Wie sich das genau auf dieses Weblog auswirken wird weiß ich noch nicht. Wahrscheinlich wird es immer Sonntags ein Posting mit dem Wochenprojekt geben. Dazwischen gibt es möglicherweise kleinere Postings mit Teasern oder mit allgemeinen Einträgen über das Kreativsein an sich, über andere Projekte und KünstlerInnen.

Durch den neuen Rhythmus hoffe ich die Projekte realisieren zu können die letztes Jahr in der Schublade liegen geblieben sind weil sie an einem Tag nicht durchzuführen waren. Oft geht es dabei auch um Kollaborationen mit anderen kreativen Menschen (das ist auch so ein Punkt den ich dieses Jahr noch mehr verstärken will) und um Dinge die Vorbereitungen wie Drehbuchschreiben oder Techniklernen brauchen.

Ich hoffe ihr begleitet mich auch dieses Jahr beim Kreativsein und/oder startet eure eigenen Projekte. Bis bald!

Ines

P.S.: Achso, noch ein Punkt: Offenbar stößt der Titel „Be Creative“ bei einigen auf Missfallen, weil sie sich dadurch belehrt und geschulmeistert fühlen und nicht wollen dass ihnen jemand anderer sagt was sie tun sollen (dieses Feedback bekam ich von zwei Leuten). Daher eine Klarstellung: Der Titel war und ist als Aufruf an mich selbst gedacht. Ich bin ein Mensch der sowas braucht um in die Gänge zu kommen. Und ich bekam auch schon Feedback von anderen Menschen dass sie genau wegen dieses Titels eigene Projekte gestartet haben die schon lange in der Schublade lagen. Da funktioniert eben jeder anders. Also: Nichts für ungut, jeder wie er mag (und wie ers braucht.)

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