#weekendwriting 8: Meine Geschichte

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Puh, es ist nicht einfach, über etwas zu schreiben, wovon ich sowas von keine Ahnung habe. Skateboarden in diesem Fall. Zufrieden bin ich diesmal nicht, aber egal – hier ist meine Geschichte.

Weekendwriting 8: Laura Thornhill, Foto von James O'Mahoney

Weekendwriting 8: Laura Thornhill, Foto von James O’Mahoney

Im Pool

Kate nahm ihr Skateboard und stellte sich an die Rampe. Vor ihr fuhr James hinunter – wie immer schaffte er den Trick perfekt. Kate hatte ihn mindestens eine Stunde lang beobachtet. Er hatte eine wirklich gute Technik.

Jetzt war Kate an der Reihe. Sie blickte hinunter ins Pool. Ganz schön hoch. Sie bückte sich und zupfte an ihren Knieschützern herum.  Einatmen, ausatmen.

Bis heute hatte sie immer alleine geübt. Heimlich, nach der Schule. Auf dem Parkplatz der verlassenen Farbenfabrik. Die Hosen und die Knieschützer hatte Kate in ihrer Schultasche unter den Büchern versteckt. Einmal hatte sie die Zeit übersehen. Die Schimpftirade ihres Vaters hatte sie über sich ergehen lassen, und sie war sogar ein bisschen stolz. Weil sie nichts von ihrem Skateboard verraten hatte. Letzte Woche hatte es dann aber wirklich gekracht. Mrs. Glenstone hatte ihre Mutter angerufen, weil Kate seit einem Monat nicht im Religionsunterricht gewesen war. Dabei hatte Kate so gute Ausreden benutzt. Der Geburtstag des Bruders, die kranke Großmutter und der arme Hund, den sie dringend vom Tierarzt abholen musste. Jedenfalls hatte Kate auch bei dem Zwischenfall mit Mrs. Glenstone dicht gehalten. Das Skateboard blieb ihr Geheimnis. Sie musste eine Woche nachsitzen, wusste jetzt die Namen von über 40 Heiligen samt ihrer Todesarten und ärgerte sich über die verlorene Trrainingszeit.

Danach ging sie täglich in den Skatepark und beobachtete die Jungs. Vor allem James. Vor dem Einschlafen ging sie alles nochmal genau durch: Wann er in die Knie ging, wie er das Gewicht verlagerte. Und jetzt stand sie da – ihr erstes Mal am Pool im Skatepark. Ein Junge drängelte sich vorbei. Sie stand im Weg. Der nächste Junge schob sie grob zur Seite. „He!“ Kate ärgerte sich und ging in Position. Da kam schon wieder jemand und drängte sich vor. Genug jetzt. Bevor sie noch jemand zur Seite schubsen konnte, stieß sie sich ab.

Dieser eine Moment ohne Halt und festen Boden. Der Druck in der Magengegend. Es war das beste Gefühl seit langem. Beim Aufprall verlor sie fast das Gleichgewicht. Aber nur fast. Kate war stolz auf sich. Mrs. Glenstone hätte jetzt etwas über Hochmut und Todsünden gesagt. Aber es war ihr egal.

„Bis morgen!“ rief Kate den Jungs zu, nahm ihr Board und ging nach Hause. Ihre Hosen ließ sie diesmal an.

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