#weekendwriting 7: Meine Geschichte

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An diesem Feiertagswochenende habt ihr doch sicher 20 Minuten Zeit für die aktuelle Weekend Writing Challenge gefunden, oder? Hier ist mein Text:

Doing Laundry, 1941. Foto von Esther Bubley.

Doing Laundry, 1941. Foto von Esther Bubley.

Im Prater

„Du, hat dir die Martha das schon erzählt? Die hat neulich einen Freund vom Rupert getroffen, und der hat ihr erzählt, dass der Peter eine neue Freundin hat. Weißt schon, der Peter aus der Postabfertigung. Also der hat jetzt eine, mit der er fest zusammen ist. Jetzt hat aber der Freund vom Rupert diese Freundin am Sonntag mit einem ganz anderen Mann im Prater getroffen. Zuckerwatte hat er ihr gekauft und dann sind sie im Schweizerhaus verschwunden.

Apropos: Ich hab jetzt diese neue Fertigmischung für die Bratensauce ausprobiert. Kannst nicht essen das Zeug. Aber jetzt wo ichs sag – es kann auch am Rezept liegen. Das hab ich von der Frau vom Gustl. Der ist immer so komisch zu mir in letzter Zeit. Ich weiß überhaupt nicht wieso. Dabei hab ich ihm vorigen Monat extra geholfen, den Geburtstagskuchen für seine Frau beim Konditor auszusuchen. Kann ich doch nicht wissen, dass sie auf Haselnüsse allergisch ist. Hat sie ja vorher selber nicht gewusst. Naja, schon ungut, zuerst glaubst du, du stirbst, dann mit Blaulicht ins Krankenhaus und alles. Wobei – da hat sie wenigstens was zu erzählen gehabt. Der ihr Leben ist ja schon eher fad. Ich mein, schau ihn dir an, den Gustl. Ich glaub nicht dass da viel los ist bei denen. Also im Bett und im Leben.

Du, weils mir grad einfällt: Hast du jetzt der Ulrike ihren Palmersgutschein schon eingelöst? Weil die haben ja jetzt diese Aktion „Drei zum Preis von zwei“ bei der schönen Unterwäsche. Und ich hab mir halt gedacht, wenn du nur zwei brauchst, könnt ich die dritte…? Aber ich will mich nicht aufdrängen, gell. Ich hab nur gedacht, falls du morgen hingehst, dann würde ich vielleicht mitkommen. Weil dann kann ich auch gleich Pyjama schauen für den Herbert. Obwohl – der zieht mir das neue Gewand ja eh nie an. Weil er meint, das alte ist noch gut. Dabei seh ich doch dass das nicht stimmt. Schau, das Hemd da, der Kragen löst sich schon auf. Und den Saucenfleck hab ich auch nicht herausgekriegt, mit dem er neulich heimgekommen ist. Der Herbert ist überhaupt grad so dermaßen gestresst. Das liegt sicher an der Arbeit. Neulich hat er sogar am Sonntag gearbeitet. Er hat einen wichtigen Kunden ins Schweizerhaus ausführen müssen. Naja, so ist das eben, wenn man so eine wichtige Position hat wie der Herbert. Es ist fast zum eifersüchtig werden, haha! Aber auf meinen Herbert ist Verlass, der ist eine ehrliche Haut. Nicht so wie diese dumme Gans vom Peter, von der der Freund vom Rupert der Martha erzählt hat.“

Die Geschichte wurde übrigens von einer Übung inspiriert, die wir neulich in unserer Gruppe für Kreatives Schreiben gemacht haben: Es ging darum, eine Geschichte zu erzählen, die so viel und weit wie möglich vom Thema abschweift – also das Gegenteil von dem, was man normalerweise macht, wenn man versucht so fokussiert wie möglich zu schreiben. 

Wer in Wien wohnt und auch einmal bei Barbara Stieff in die Gruppe für Kreatives Schreiben kommen möchte, kann mir einfach mailen, ich leite es ihr weiter.

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