#weekendwriting 15: Meine Geschichte

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So, hier kommt meine Geschichte. Es geht um einen Neubeginn. Wir lesen uns im neuen Jahr bei der Weekend Writing Challenge wieder!

Weekend15_ChampagneDas schöne Leben

„Willst du noch einen Schluck Champagner?“ Evelin lächelte Bärbel an. Die nickte, nahm ihr die Flasche aus der Hand und nahm einen Schluck. Einen großen. Und noch einen. Evelin vergaß bestürzt zu atmen, und Ernst wollte in den Boden versinken. Dann sagte Bärbel ganz laut „Ich hasse Hochzeiten“, verließ den Raum, warf im Hinausgehen die hässliche Ansteckblume auf den braunen Küchenboden und schlug die Haustüre zu.

So. Jetzt fing das schöne Leben an. Zu Hause zog sie die alte Jeans unten aus dem Schrank. Dazu eines von Ernsts alten Hemden. Und los gings. Das schöne Leben beinhaltete erstens eine Autofahrt in den nahegelegenen Baumarkt. Bärbel packte den großen Einkaufswagen mit Brettern, Nägel und Werkzeugen voll. Dann Tapeten (die bunten mit den großen Mustern, die gehörten nämlich auch zum schönen Leben dazu). Und was man sonst noch so braucht. Dann fuhr sie in den Wald zu der kleinen Jagdhütte, die Ernst seit Jahren nicht mehr nutzte. Denn das beinhaltete das schöne Leben zweitens: Ein Zimmer, ach was, ein ganzen Haus nur für sie allein.

Und drittens beinhaltete das schöne Leben die Freiheit. Ohne jemandem davon zu erzählen, hatte Bärbel in den letzten Wochen:

1. Geld gespart,
2. Ein schamanistisches Ritual besucht, wo sie sich selbst begegnet war,
3. Ihren Teilzeitjob als Fräulein Unsichtbar (sprich: die Assistentin des Geschäftsführers) gekündigt,
4. Eine Literaturagenten gefunden.

Los gings. Bärbel hämmerte, sie sägte, sie staffierte Wände aus. Und jede Minute ging es ausschließlich darum, was sie wollte. Nur sie. Es gab keine anderen Meinungen, kein „Denkst du schon, dass das etwas Gescheites ist?“, keine falschen Ratschläge, keine Versuche, sie wertlos zu machen. Es war herrlich.

Am Abend setzte sie sich erschöpft auf den alten Stuhl, der jetzt nicht mehr wackelte, und plante die nächsten Tage. Morgen würde Ernst den Abschiedsbrief bekommen, übermorgen würde er sie suchen, dann würde er in das Jagdhaus gehen und sie samt ihrer Ideen lächerlich machen. Daraufhin würde sie ihm erklären, dass er nichts dagegen machen könne, die Scheidungspapiere wären eingereicht, und leugnen würde nichts nutzen, sie könne ihm die Affäre nachweisen und das Jagdhaus gehöre ihr.

Und dann würde das Klavier geliefert werden, und sie würde darauf spielen, und am Nachmittag würde sie malen, und am Abend schreiben, und das jeden Tag, bis sie den Roman fertig hatte, auf den ihr Agent bereits wartete.

Und vielleicht würde dann nichts davon klappen, aber wenigstens hatte sie am Ende ein Haus für sich allein. Genau so sollte es sein, das schöne Leben. Bärbel schloss die Augen und freute sich.

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