Viennale’11: SONNENSYSTEM

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So, der erste Tag an dem drei Filme hintereinander dran sind. Es beginnt mit SONNENSYSTEM von Thomas Heise, einer Dokumentation über ein Dorf im argentinischen Hochland. Dort wird alles noch so gemacht wie vor etwa 100 Jahren: Leder bearbeitet, Tiere geschlachtet, Rinder mit Brandzeichen versehen, rituelle Umzüge über die Felder gemacht. Einmal wird ferngesehen, aber das geht nur weil dafür der Generator angeworfen wird.

Der Film beobachtet zuerst die Landschaft, dann das Dorf und seine Menschen. Es gibt lange Einstellungen, niemals einen Off-Kommentar, und es gibt keine Interviews. Die Einstellungen sind lang, die Tonspur meistens ruhig. ich merke dass ich manchmal ein bisschen ungeduldig werden, aber das liegt auch daran dass aus irgendeinem Grund ständig jemand im Publikum mit einem Plastiksackerl raschelt (doch dazu später in einem eigenen Posting mehr). Trotzdem nimmt mich der Film immer wieder gefangen, und zwar auch wegen der klugen Kameraführung. Mehrmals dreht sich die Kamera um 180 Grad, und man denkt zuerst „Na gut, Landschaft“, aber dann kommt ein Pferd oder ein Mensch ins Bild, und plötzlich wird aus der Landschaft ein durchkomponiertes Geschehen. Sehr spannend.

Sonnensystem/Solar System Trailer HD from Thomas Heise on Vimeo.

Ganz am Ende als man es schon nicht mehr erwartet macht der Film eine neue Ebene auf, und die fand ich atemberaubend. ACHTUNG SPOILER: Man sieht die Dorfbewohner bepackt über Stock und Stein und durch Wasser gehen und in einem Bus wegfahren. Dann kommt eine lange Einstellung mit dem einzigen Musikeinsatz im ganzen Film (eine moderne Version des Dies Irae), in dem man an nicht enden wollenden Slumhütten vorbeifährt. Ein Kontrast der stärker nicht sein könnte und ein Bild das ohne Erklärung zeigt wie vergänglich das ist was ich die ganzen 95 Minuten davor gesehen habe.

Ich wäre insgesamt mit weniger als 100 Minuten Spielzeit auch gut zurande gekommen, aber diese Wendung am Schluss war es wert, denn die ist wirklich erstaunlich. Einer der Kameramänner war übrigens René Frölke, dessen Film DIE FÜHRUNG ich vor einigen Tagen gesehen habe.

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