Viennale’11: OSTENDE

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Ich gebe zu, ein Grund wieso ich mir den Film ansehen wollte war dass ich zwar die belgische Stadt Ostende kenne, aber nicht wusste dass es an der argentinischen Küste auch einen Ort namens Ostende gibt, und so heißt auch der Film der dort spielt: OSTENDE.

Von dem wenigen das ich am Anfang des Films von dem argentinischen Ostende sehen kann schließe ich dass es dort ebenso hässlich verbaut ist wie im belgischen Pendant, und auch das Wetter scheint in der Nachsaison vergleichbar unwirtlich zu sein. Der Großteil des Films spielt dann in einem Hotel. Eine junge Frau kommt dort hin, und während sie darauf wartet dass in wenigen Tagen ihr Freund nachkommen wird, beobachtet sie einen älteren Mann mit zwei jungen Frauen und gerät mit einem redseligen Kellner ins Gespräch, der ihr eine nicht unspannende Räuberpistole als mögliches Drehbuch für einen Film pitcht. Vielleicht ist es ja dieses Gespräch das sie dazu inspiriert sich für die Backstory des älteren Mannes zu interessieren, nachdem sie einen Streit zwischen ihm und einer seiner jüngeren Begleiterinnen beobachtet. Was läuft da zwischen den beiden? Plant jemand ein Verbrechen?

An einigen wenigen Stellen zeigt der Film sein Potential, da scheint etwas von David Lynch und Alfred Hitchcock durch, aber über weite Strecken blieb es für mich dann einfach die Geschichte einer jungen Frau die Menschen beobachtet und sich dabei so ihres denkt. Und das ist schade, ich bin nämlich überzeugt davon dass man aus dem schlichten Plot etwas sehr Vielschichtiges und Geheimnisvolles hätte machen können.

Beim nachfolgenden Publikumsgespräch erfahre ich dass die Autorenfilmerin Laura Citarella ein Budget von ca.5000 Dollar hatte und den Film von der ersten Idee bis zum ersten Festivalscreening in Buenos Aires innerhalb von einem knappen dreiviertel Jahr realisiert hat. Gefilmt auf einer Canon 7D, unter Einsatz von Gratisarbeit einer Gruppe von FreundInnen mit denen sie auch eine Firma hat und ihr Papa spielte gratis den älteren Mann im Film. Hut ab! Aber auf diverse Fragen aus dem Publikum wie denn dieses und jenes gemeint war sagt sie oft „Oh, this was just a joke between me and my friends“ und „I have no idea about the backstory of these characters“. Das ist irgendwie entzückend, andererseits ist es nicht meine Herangehensweise. Kann sein dass ich das zu streng sehe, aber es braucht dieselbe Lebenszeit (und in dem Fall auch Selbstausbeutung) etwas Halbgares zu machen als zumindest die Chance zu nutzen mit dieser Zeit etwas Ausgereiftes, Großes zu schaffen.

Im übrigen habe ich das eine halbe Stunde bevor ich ins Kino ging mit einem befreundeten Kameramann diskutiert: Wenn ein formales Konzept oder eine toll klingende Idee nur um des Konzept willens eingesetzt wird übertüncht das oft den Kern der Films (oder verdeckt dass es keinen starken Kern gibt) und außerdem kommt mir die Sache dann oft beliebig vor. Aber darauf muss ich einmal näher eingehen, so verkürzt führt das jetzt nur zu Missverständnissen. Möglicherweise war aber genau dieses Gespräch der Grund wieso ich dann mit sehr gemischten Gefühlen dasaß und irgendwie fand dass da vielleicht etwas zu leichtfüßig eine Chance auf einen wirklich „großen“ kleinen Film vertan wurde. Und dass eine gute Idee noch lange keine gute Geschichte ist.

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