Viennale’11: MELANCHOLIA

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Ist vielleicht eh ganz gut wenn mich der Weltuntergang in verschlafenem Zustand ereilt, dachte ich. Seit Tagen steuere ich auf Autopilot zwischen Kino, Arbeit, Essen und Schlafen hin und her, da kommt es auf eine Vorstellung von MELANCHOLIA um 11 Uhr vormittags auch nicht mehr an.

Der Film beginnt dann auch gleich ganz bombastisch mit Klängen von Wagner und in Zeitlupe gefilmten albtraumhaften tableaux vivants. Und er nimmt das unausweichliche Ende vorweg, aber das kennt man ja auch spätestens seitdem die ersten Kritiken und der Trailer heraus sind: Am Ende ist nichts gut.

Dann beginnt eine Geschichte über eine Hochzeit, zwei Schwestern und eine Gefahr aus dem Weltall, aber worauf das ganze für mich letztlich hinausläuft ist die Aussage dass sich die Menschen viel wichtiger nehmen als sie eigentlich sind. Carl Sagan hat das einmal in Kombination mit diesem Foto so formuliert: „All of human history has happened on that tiny pixel (shown here inside a blue circle), which is our only home“. Wir sind tatsächlich nicht mehr als ein winziger Pixel in einem fast unendlichen Raum, und die Chancen dass wir die einzigen sind liegen gut. Womit wir übrigens wieder beim Thema der Relationen wären.

Lars von Trier zwingt mich in einem Sog von alptraumhaften Emotionen und Bildern zu dieser Conclusio, und bis auf einige überpathetische Einstellungen lasse ich mich gerne dorthintreiben. Denn letztlich schwebt da bei aller Härte auch ein gewisses einfühlsames Mitgefühl mit unserer Spezies mit, und bei allem Apokalyptischen haben die Bilder auch immer wieder eine tiefe Schönheit. Nach dem Film bin ich atemlos und bleibe noch lange in der Atmosphäre gefangen.

Unter anderem weil es im zweiten Teil des Films eine Sequenz gibt in der Kirsten Dunst das Krankheitsbild der Depression enorm eindringlich darstellt. Und es macht mich wütend dass in so vielen Kritiken steht die Figur Justine würde einer unerklärlichen Melancholie anheimfallen. Nein. Sie hat eine schwere Depression, und nicht nur dass Kirsten Dunst das sehr wahrhaftig spielt, sondern auch die Reaktionen der Menschen die ihr am nächsten stehen stimmen genau: „Reiß dich zusammen“, „Mach keine Szene“ hört sich Justine an, während sie nicht einmal mehr in der Lage ist ihren Fuß zu heben oder die Augen zu öffnen. „Unerklärlicher Anflug von Melancholie“, my ass.

Fazit: Auch wenn ich bei bestimmten Bildern nicht mehr mitkonnte weil sie mir zu überladen waren hat mich die Wucht dieses Films volle Breitseite erwischt und immer noch nicht losgelassen. Und das gefällt mir sehr.

P.S.: Ich verleihe hiermit noch zwei Preise, und zwar den einen an Charlotte Rampling für die präziseste Darstellung einer in ihrer eigenen Kälte gefangenen Mutter und den zweiten an Udo Kier für die beste sich wiederholende Handbewegung ever.

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