Viennale’08: El cant des ocells

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Karge Landschaften in schwarz-weiß, viel Wortlosigkeit, wenig Handlung. So kann man den spanischen Film El cant des ocells zusammenfassen. In die lange Stille hinein fallen manchmal einige durchaus sehr amüsante Aktionen, die ohne die Stille wahrscheinlich nicht zur Geltung kommen würden. Der Inhalt ist schnell erzählt. Die Heiligen Drei Könige suchen Joseph, Maria und das Jesuskind. Das ist manchmal nicht so einfach, denn in der Wüste ist es heiß, was vor allem den dickeren Heiligen Königen zur Qual wird, und man verirrt sich ziemlich leicht, und wenn in einem nächtlichen Sandsturm der strahlende Stern, der einen bekanntlich leiten soll, nicht mehr zu sehen ist, kann man als Heiliger König schon mal frustriert werden. Maria und Joseph hängen währenddessen in ihrem bruchbudenartigen Stall ab, Maria spielt dabei mit einem Schaf, Joseph schwitzt im Schatten, und im Hintergrund schreit manchmal das Jesuskind. Die Drei Heiligen Könige kommen schließlich, und müssen dann schnell wieder weiter, weil Betlehem offensichtlich nur ein Zwischenstopp auf der Reise nach Ägyptem war.

Nach eineinhalb Stunden (die gefühlte drei waren, was aber vielleicht auch an meiner erkältungsbedingten Angeschlagenheit lag) muss ich knapp vor dem Abspann plötzlich an diesen Artikel denken, welcher der Frage nachgeht, warum die europäischen Festivalfilme meistens von Schweigen, langen Einstellungen in schwarz-weiß, Hochspannungsmasten und hässlichen Kindern bestimmt sind. Und nach dem Abspann dachte ich mir, dass man mit Schweigen und ein bisschen Witz auch nicht immer die Größe von Beckett erreicht.

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Viennale


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