Gesehen: ROBIN HOOD

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Ok, ich geb es zu: Sobald Männer und Frauen mit Pfeil und Bogen rumrennen und mit Schwertern herumfuchteln, verfalle ich in einen Kostümrausch und es ist um mich geschehen. Kostümfilme sind mein guilty pleasure, in meinem DVD Regal gibt es mittlerweile ca. einen Meter davon.

Das war schon als Kind so, ich habe damals die britische TV Serie Robin Of Sherwood so geliebt, dass ich vor dem Einschlafen in Gedanken mit Robin, Marian und den Gefährten durch den Sherwood Forest gelaufen bin (und eine Platte mit der Serienmusik hatte, von Clannad, aber nunja, nicht alle Taten der eigenen Kindheit sind rühmlich. Modern Talking, anyone?).

Bei der Kevin Costner Version im Kino war ich dann schon so richtig Teenager und natürlich auch völlig der Schwärmerei verfallen.

Und jetzt läuft also die neue ROBIN HOOD Variante im Kino, mit Russell Crowe, unter der Regie von Ridley Scott. Ich mochte GLADIATOR, ich mag Kostümfilme, da kann wenig schiefgehen. Oder? Aber es ist etwas Merkwürdiges passiert: Der Film macht irgendwie alles richtig, jedoch ist ihm die Seele abhanden gekommen. Nur zwei Szenen haben mich berührt, und in beiden kommt Cate Blanchett vor – in beiden geht es höchst emotional um Todesnachrichten.

Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass man alles abhaken wollte: Nicht die klassische Geschichte, sondern das Prequel erzählen (wie wurde der Soldat Robin zu Robin Hood). Alles ein bisschen echter, authentischer wirken lassen. Eine gereifte Liebesgeschichte erzählen. Eine emotionale Backstory zeigen. Epische Kampfszenen nicht vergessen. Die Frau in Kampfmontur. Trotz Action die Konzentration auf das emotionale Personal Drama legen. Und so weiter, die Liste ist lang, und sie wurde vollständig abgearbeitet.

Aber genau das war mein Eindruck: Dass hier eine Liste abgearbeitet wird, die alles erfüllen muss, und deshalb den Film irgendwie halbgar werden lässt. Mir ist auch nicht klar geworden, worum es emotional nun wirklich geht, und letztlich wurde mir die Geschichte auch nicht so neu und anders erzählt, wie man es im Vorfeld propagiert hatte.

Jetzt bin ich auf ein Blogposting gestoßen, das eine mögliche Erklärung für mein „Nicht Fisch, nicht Fleisch“ Gefühl parat hat: William Martell fasst in seinem Weblog alles zusammen, was er über den Entstehungsprozess des Drehbuchs weiß, versehen mit einer starken persönlichen Haltung. Aber allein die Fakten sind schon interessant genug:

Probably close to 3 years ago, a hot script by Ethan Reiff and Cyrus Voris called NOTTINGHAM went out to buyers. The script was the Robin Hood story told from the Sheriff of Nottingham’s point of view – as he used period “forensics”, like tracking and arrow trajectory, to find a terrorist who was robbing respectable members of society. Shelock Holmes in Sherwood Forest. (…)

Brian Helgeland was brought in to do rewrites, and he’s an Oscar winning writer. If he were brought in to rewrite one of my screenplays, I would be dancing on clouds…

Except the rewrites are kind of weird. Ridley [Scott, Anm.] becomes *obsessed* with archery, has always wanted to do a movie about archery, and has NOTTINGHAM rewritten to focus on archery and archers. Huh?

Den ganzen langen Artikel findet ihr hier, und darin ist auch ein Link zu diesem schon etwas älteren Beitrag aus der L.A. Times.

Conclusio: Stoffentwicklung ist eine schwierige und manchmal gefährliche Sache. Es prallen nicht nur viele Menschen mit unterschiedlichsten Befindlichkeiten aufeinander, sondern auch Sachzwänge, Machtsituationen und Abhängigkeiten. Ich erlebe es hin und wieder, dass einzelne Ideen (egal ob sie von Regie, Redaktion, ProduzentIn, SchauspielerInnen kommen), die für sich betrachtet vielleicht gar nicht schlecht sind, eine homogene Geschichte zu einem zerfallenden Stückwerk machen.

Es ist wirklich interessant, dass oft die Punkte, die mich beim Lesen des Buchs irritieren, genau die sind, bei denen der Autor oder die Autorin in der Drehbuchbesprechung sagt „Ja, das war diese neue Idee, die bei der letzten Besprechung aufgetaucht ist“ – und ich merke sofort, dass diese Idee nicht von den Autoren selbst stammt. Oder dass noch nicht genug Zeit vergangen ist, damit sich der Autor oder die Autorin diese Idee wirklich zu eigen machen konnte und sie so ins Buch einbindet, dass die Nahtstellen verschwinden.

Manchmal sind das Ideen, die an sich funktionieren und man fragt sich, wieso man nicht gleich drauf gekommen ist. Manchmal funktionieren sie aber einfach nicht und bewirken letztlich, dass das Drehbuch zerfällt, weil alle und alles bedient werden muss. Und vielleicht ist so etwas bei ROBIN HOOD ja auch passiert.

Und für alle, die nach der aktuellen Version gern in Erinnerungen schwelgen, habe ich hier zwei kleine Geschenke:

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