#weekendwriting 17: Meine Geschichte

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Diesmal mit einem Tag Verspätung, aus Gründen namens „Golden Globe Verleihung“. Nichts desto trotz: Hier ist meine Geschichte:

© Vivien Maier: "1953, New York, NY"

© Vivien Maier: „1953, New York, NY“

Blaue Flecken

„Sicherheit. Service. Komfort“. Man hatte ihm das schon früh eingebläut. So ließ es sich am einfachsten leben: Sicherheit. Service. Komfort.

„No risk, no fun!“ hatte sein Bruder gestern beim Familienessen gesagt und ihm so fest auf die Schulter geschlagen, dass er Sorge hatte, einen blauen Fleck davon zu tragen. Blaue Flecken waren kein Symbol für Sicherheit, und schon gar nicht für Komfort. Er mochte seinen lauten Bruder nicht besonders. Und auch nicht dessen Frau. Und die Kinder schon gar nicht. Die Kinder waren jetzt schon lauter als sein Bruder, vor allem wenn sie lachten. Sie hatten hohe, schrille Stimmen und kleine, schmutzige Hände, die Flecken am Lack der Karosserie hinterließen.

Heute war es kalt, und beinahe regnete es. Die Fotografin näherte sich dem Paar, das in seiner Kutsche saß. Das Gesicht der Frau wurde mit Puder bestäubt. Als der Geruch des Puders seine Nase erreichte, richtete er sich auf. „Sicherheit, Service, Komfort“. Seriös und standfest wollte er wirken, auch wenn man von ihm später nur die Beine am Foto sehen würde. Schließlich ging es nicht um ihn, er garantierte nur den Komfort. Diskret hörte er weg, als die Fotografin auf Position ging und der Mann der schönen Frau etwas Unanständiges ins Ohr flüsterte. Er wollte von deren Abenteuern nichts wissen. „Sicherheit, Service, Komfort“ wiederholte er in Gedanken, als er das Klacken des Auslösers hörte.

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