#weekendwriting 13: Meine Geschichte

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Was ist euch zum Bild der aktuellen Weekend Writing Challenge eingefallen? Meine Erkenntnis des Tages: Manche Ideen sind zu ausufernd für die 20 Minuten dieser Schreibübung. Aber egal – ab damit ins Blog, das gehört eben auch dazu.

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Eins – zwei – Wechselschritt

Jim liebte Foxtrott. Und Jim liebte Dicky. Was Dicky nicht wusste. Hedi aber schon. Es war ein bisschen kompliziert, aber Jim fand es auch ziemlich schön.

Jim hatte Dickys Tattoo genau studiert. Er wollte sich auch so eines stechen lassen. Aber jetzt musste er sich wieder auf den Foxtrott konzentrieren. Gar nicht so einfach nach den vielen Gins. Aber die hatte er gebraucht, sonst hätte er sich nie getraut. Eins – zwei – Wechselschritt. Dicky bewegte sich ein bisschen hölzern, aber das war jetzt egal. Wichtiger war der Geruch von Dickys Hemd. Schweiß und ein Rest von Kernseife. Und Jim spürte Dickys Hand in seiner Taille nach. „Los, nochmal. Eins – zwei – Wechselschritt!“

Hedi sah Jim und Dicky beim Tanzen zu und freute sich. Seit Wochen hatte sie nach einer Gelegenheit gesucht, dass sich die beiden nahe kommen konnten. Jim hatte auffällig oft von Dicky gesprochen. Mal in der Mittagspause, dann nach der Arbeit. Und Hedi zählte eins und eins zusammen. Nachdem sie Dicky einige Zeit beobachtet hatte, war sie sich sicher, dass er ebenfalls Jims Nähe suchte. Aber natürlich traute er sich nicht, den ersten Schritt zu tun. Dicky hatte Hedi immer wieder nach Jim gefragt. Ob er liiert sei. Ob es etwas bedeuten würde, dass sie gemeinsam in die Arbeit fuhren? Hedi hatte ihm versichert, dass sie und Jim nur gute Freunde seien. Und jetzt saß sie am Tisch in der verrauchten Kneipe, und Jim brachte Dicky den Foxtrott bei. Ganz harmonisch war der Tanz nicht, aber Hedi spürte förmlich, wie die Funken zwischen den beiden sprühten.

Dicky fühlte sich unwohl. Er schwitzte, konnte seine feuchten Hände aber nicht aus Jims Griff befreien. Das würde seltsam wirken. Und es ging ihm gerade sehr darum, wie er wirkte, und zwar auf Hedi. Während der letzten drei Wochen hatte er sie und Jim beobachtet. In der Mittagspause und nach der Arbeit hatte er die beiden immer zusammen gesehen. Nie hatte er Hedi alleine erwischt. Zweimal war er sogar eine halbe Stunde früher zur Arbeit gekommen, aber einmal hatte Hedi frei, und das andere Mal war sie mit Jim in die Arbeit gefahren. Als sie endlich mal alleine war, versuchte er herauszufinden, ob Hedi und Jim ein Paar waren. „Nur gute Freunde“ hatte sie gemeint, aber als er Jims merkwürdigen Blick sah, wusste er nicht, ob er ihr trauen sollte. Heute war er jedenfalls nach der Arbeit auf einen Drink mitgegangen. Es waren dann ziemlich viele Drinks geworden. Und als Hedi ihn vorhin so sehr gedrängt hatte, sich von Jim den Foxtrott beibringen zu lassen, musste er wohl oder übel auf auf die Tanzfläche. Jetzt versuchte er, Jims tänzelnde Leichtigkeit zu imitieren, aber es gelang ihm nicht. Eigentlich wollte er jetzt lieber Hedi festhalten, die am Tisch saß und ihn anstrahlte. Dicky raffte sich auf. Einmal noch, für Hedi. „Eins – zwei – Wechselschritt.“

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