Viennale’12: ELECTRICK CHILDREN

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Offen gestanden bin ich primär wegen des Titels in den Film gegangen. Dass er mir dann auch noch so gut gefallen wird, damit habe ich eigentlich nicht gerechnet. ELECTRICK CHILDREN ist nämlich wirklich außergewöhnlich.

Es geht um die 15jährige Rachel, die in einer strenggläubigen Mormonenkommune aufwächst. Es werden Geschichten von der unbefleckten Empfängnis erzählt, und in einer, die die Mutter erzählt, spielt ein roter Mustang eine Rolle, der uns später noch begegnen wird. Und dann geschieht ein Wunder: Rachel wird schwanger. Sie glaubt, es sei eine unbefleckte Empfängnis, hervorgerufen durch ein Musikstück auf einer blauen Kassette. Weil sie sich nicht zwangsverheiraen lassen will, macht sie sich selbst auf die Suche nach einem Vater für das Kind, der ihrer Meinung nach die Stimme zu dem Lied auf der blauen Kassette sein muss. Dabei trifft sie auf einige seltsame Gestalten und auf das ihr unbekannte Grosstadtleben.

Trailer from Electrick Children on Vimeo.

In ELECTRICK CHILDREN passieren viele Dinge, die eigentlich dramaturgisch nicht passieren dürfen, weil sie völlig aus dem Nichts kommen. Und trotzdem funktioniert es, weil die Existenz von Zeichen und Wundern von Anfang an eingeführt wurde. Das gibt der Geschichte bei all ihren Zufälligkeiten sogar einen ganz besonderen Zauber. Es wird ein Märchen erzählt, das die sehr realen Figuren und ihre noch realeren Schwierigkeiten aus dem reinen Sozialdrama auf eine andere mythisch-poetische Ebene schweben lässt, die ich schwer beschreiben kann.

Besonders interessant ist übrigens den Schnitt. Es gibt Bild-Ton-Scheren, merkwürdige visuelle Zwischenschnitte, die urplötzlich auftauchen und wieder verschwinden, aber ohne die der Film ein eher normaler Indie Coming Of Age Film wäre. Ein paar mal habe ich übrigens an PARANOID PARK von GUS Van Sant gedacht, aber das war wohl eher wegen der Skateboardsequenzen.

Achso, und natürlich gibt es eine größartige Hauptfigur. Rachel ist naiv und mutig gleichzeitig, und so überzeugt davon, dass sie wie die Jungfrau zum Kind kam, dass ich sie nicht belächelt ahbe, sondern unglaublichen Respekt vor ihr bekam. Die grandiose Schauspielerin heißt übrigens Julia Garner, und ich weiß jetzt auch, wo ich schon mal gesehen habe: In MARTHA MARCY MAY MARLENE, interessanterweise auch ein Sektendrama. Aufgepasst, die wird jetzt ganz schnell zum Shootingstar.

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Viennale


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