Viennale’11: TWO YEARS AT SEA

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Ich sehe unabsichtlich schon wieder einen Film von Ben Rivers. Und dieses Mal gefällt er mir richtig gut, nachdem ich die beiden davor relativ gut gefunden habe.

In TWO YEARS AT SEA lernen wir einen Mann kennen der sehr „entrisch“ lebt, wie wir hier in Österreich sagen würden. Er ist der einzige Mensch den wir in den ganzen 86 Minuten zu sehen bekommen. Der einzige Hinweis auf Kontakt zur Außenwelt sind Fotos, die einzelne Sequenzen voneinander trennen. Im Laufe der Zeit entsteht durch die körnigen Schwarzweißbilder eine Stimmung wie in einem zeitlosen postapokalyptischen Szenario, in dem der letzte Mensch auf Erden mit einer beneidenswerten Bestimmtheit vor sich hin wurschtelt, dabei surreale Dinge tut und immer wieder unabsichtlich in eine Poesie abgleitet.

Ich mochte den Film wirklich gerne, auch wenn er langsam ist und oft nichts passiert. Aber ich glaube meine Affinität zu Ben Rivers‘ Filmen hat noch einen anderen Grund: Er schafft es reale Situationen ins Zeitlose zu transferieren und dem Alltäglichen eine Magie einzuhauchen. Plötzlich befindet man sich nicht mehr in einer Fabrik oder in einem abgelegenen Gebäude am Land, sondern in einer Parallelwelt mit ganz eigenen Ritualen die auch hundert Jahre in der Zukunft oder in der Vergangenheit sein könnte. Und das ist ein Thema das mich persönlich schon lange umtreibt – dass sich das Menschsein über Jahrtausende kaum geändert hat, ganz tief drinnen. Das Äußere sieht anders aus, das Innere ist identisch. Ben Rivers rückt das in die Sichtbarkeit, und das gefällt mir ausgesprochen gut.

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Viennale


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