Viennale’08: Let’s Make MONEY

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Man kann eigentlich nur mehr den Kopf schütteln, oder sich vergraben, und aufhören an die Menscheit an sich zu glauben, oder was weiß ich. Erwin Wagenhofer interviewt in seinem Film die Menschen, die mit den Geldmassen jonglieren, die jetzt die Weltwirtschaft einbrechen ließen. Alle sind geprägt von einem Pragmatismus, der mich fassungslos macht.

Aber Wagenhofer zeigt auch andere Mechanismen. Zum Beispiel die Immobilienblase in Spanien. Inmitten karger Landschaften werden Geisterstädte gebaut, und zwar an neu angelegten Golfplätzen, weil Immobilien mit Golfplatzanbindung bei ausländischen Investoren mehr wert sind. Allein die Bewässerung des Golfplatzes verschlingt so viel Wasser, wie die Bewohner einer Kleinstadt verbrauchen. Wohnen tut dort niemand. Irgendwann werden die Geisterstädte geschliffen, der Staat hat vorher schon mitgezahlt und springt nun ein, um das Bauunternhemen rauszuboxen.

Einen anderen Kreislauf erklärt der ehemalige Wirtschaftskiller John Perkins: Er spähte rohstoffreiche Drittländer aus, half den politischen Führern Kredite bei der Weltbank zu bekommen und korrumpierte dann die Machthaber. Kooperierten diese nicht, kamen „Schakale“ zum Einsatz, die den Machthaber töten sollten. Funktionierte das auch nicht, fiel das amerikansiche Militär in den jeweiligen Staat ein. Jüngstes Beispiel: Irak.

Und, und, und. Man erfährt hier Dinge, die einen dermaßen fassungslos und hilflos machen, und das anschließende Publikumsgespräch mit einem Wiener Wirtschaftsforscher tat sein übriges. Der kann mit der Frage nach der Moral wenig anfangen, betrachtet lieber pragmatisch die Fakten und kommt dadurch zum Schluss dass Fortschritt eben immer mit Ausbeutung einherginge, und wenn es in gewissen Ländern die Ausbeutung nicht gäbe, hätten die Leute ja überhaupt gar nichts mehr. Sowas empört mich. Es sollen ja auch Firmen existieren, die einen Ethikbeirat haben, oder Fondsmanager, die bewusst in ethisch vertretbare Wertpapiere investieren.

Jedenfalls verließ ich das Kino müde, hungrig und wütend, und ich denke immer noch darüber nach, wo das alles hinführt und was man da tun kann.

Homepage zum Film (mit Trailer, und auf der Seite unten sind Links zu Organisationen, die ethisch denken und handeln)

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Viennale


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