über das abbilden

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beim warten auf die ubahn hastet ein hagerer bleicher mann vorbei, ausgezehrt, lebensmittelalterlich, er hat lange schwarze rastas, wahrscheinlich ist es eine perücke. darüber trägt er große dj kopfhörer, einmal dreht er sich um und legt einen starren und irren blick an den tag.

ich habe den impuls ein photo zu machen, aber keine kamera dabei, und es wäre sowieso viel zu aufdringlich.

in der ubahn sehe ich mich um: kein mensch wie der andere, und trotzdem bin ich mit den einteilungen schnell zur hand – frisuren, kleidung, makeup, handymarken, einkaufstaschen. alles ergibt letztlich ein schnelles erstes bild (wobei es das englische image hier wohl noch besser trifft). vermutlich eines davon, was die person hinter der frisur, hinter ihrer kleidung, dem makeup, den einkaufstaschen samt inhalt repräsentieren möchte. ein bild, das aufschluss darüber gibt, wer sie gern sein möchte, womit sie sich identifiziert.
(dazu muss ich anmerken, dass ich es für erstrebenswert halte herauszufinden, was einem ganz im innersten entspricht und das zu leben und auszudrücken, dass ich aber auch denke, dass das sehr schwer herauszufinden ist und man sich in der zwischenzeit mit dem herstellen äußerer bilder einer selbst durch die oben genannten dinge behilft.)

wenn ich davon ein photo machte, würde ich letztlich also das bild abbilden, das sich der abgebildete mensch von sich macht.

ich überlege weiter, in welche situation man einen menschen bringen könnte, in der er unverhüllt auf sein inneres blicken ließe. vielleicht an einem völlig fremden ort, der mensch nackt, auf dem kahlen boden oder in der natur. und vor allem schlafend. und dann würde vielleicht ein photo entstehen, das den menschen selbst abbildet. aber selbst dann lägen die wahl des kameraausschnittes, die technik, der lichteinfall dazwischen.

viel interessanter ist natürlich die art von photographie, die den aufwand nicht braucht den menschen ausgezogen und schlafend an einen fremden ort zu verfrachten, sondern die durch die ganzen bilderzeugenden hüllen hindurch den kurzen augenblick einfängt, in dem diese hülle bricht.

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