try to be mensch

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heuer bei der diagonale in graz viele dokumentationen gesehen. dabei einige gute die den menschen sehr nahe kommen.

auch im nachhall der unten beschriebenen aktion „zeitgeschichten“ frage ich mich tage danach immer noch was ich mit meinem beruf überhaupt anfange. so viele echte geschichten sind da draußen, manche zerreißen mir das herz (die mißbrauchsgeschichte bei den zeitgeschichten zum beispiel), andere bringen mich spontan zum lachen, alle berühren sie mich, und dasselbe passiert mir bei den protagonistInnen der guten dokumentarfilme.

ich verbringe meine tage hingegen damit mich mit ausgedachten leben zu beschäftigen, mit fiktiven figuren. 90% dessen dient der unterhaltung, was ich für vollkommen berechtigt halte. die übrigen 10% gehen immerhin ans eingemachte. aber trotzdem: das echte leben ist so viel voller, reicher, unmittelbarer als das meiste des erdachten.

gleichzeitig liebe ich meinen beruf immer noch, nach sieben jahren. ich liebe die unterhaltungsfilme aus vollem herzen. aber ich merke dass ich wählerisch werde bei den projekten die ich zusätzlich annehme. ich weiß jetzt wonach ich bei neuen geschichten suche bevor ich zusage.

im grunde will ich filmstoffe lesen und sehen, die mir über die konkrete geschichte hinaus etwas über das mensch sein an sich erzählen. darüber dass menschen dieselben dinge umtreiben wie vor 3000 jahren und wie in weiteren 3000, sofern es dann noch menschen gibt und wir uns noch nicht selbst zerstört haben.

wir mögen zwar ipods und laptops mit uns herumtragen, aber im innersten geht es immer um das gleiche, davon bin ich überzeugt. die seelischen verletzungen, die emotionalen aggregatzustände, die haben sich nie geändert. der mensch ist dem menschen ein wolf, ist es immer gewesen und wird es immer sein. einer allein ist mit sich selbst beschäftigt, ab zwei wird es fragil und ab drei menschen kompliziert. und wunderschön, und harmonisch, und konfliktreich, und aufregend, und abgründig, und hasserfüllt, und all das eben was das leben ausmacht.

und genau diese geschichten will ich finden und an ihrer entstehung mitarbeiten. die erzählungen die nicht über sich selbst hinausweisen sind zwar oft auch gut und haben manchmal das bessere handwerk vorzuweisen, aber was mich wirklich interessiert ist etwas anderes. vielleicht erfahre ich dann auch in ausgedachten filmen etwas über die menschen im realen. das würde mir sehr gefallen.

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