Szenenbeschreibung

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Ich wollte schon länger etwas schreiben über die Szenenbeschreibung in einem Drehbuch, also über das, was in einer Szene nicht Dialog ist sondern die Beschreibung der Handlung. Da ich in letzter Zeit wieder mehr lektoriere, lese ich viel mehr unterschiedliche Stoffe und habe eine gewagte These entwickelt:

Allein mit gut formulierten Szenenbeschreibungen kann man ein Drehbuch um 10 bis 20% verbessern. Manchmal sogar um 25%.

Warum ich diesen Beitrag nicht schon vorher geschrieben habe, hängt mit meiner Faulheit zusammen, weil man das alles ohne Beispiele so schwer erklären kann. Aber jetzt hat John August einen Screencast gemacht, in dem er live eine Szene umschreibt, wo man viel von dem erkennen kann, was eine gute Szenenbeschreibung ausmacht:

  • Keine passive, aufzählende und beobachtende Beschreibung der Situation, sondern die Beschreibung in eine aktive Handlung der Figur integrieren. Wir erleben die Szene MIT der Figur, so wie im Film später auch.
  • Keine Kamerabewegungen sowie detaillierte Beschreibungen von Bühne, Kostüm und Requisiten. Dafür gibt es Spezialisten am Set, die auch ihren Job machen wollen. Nur das nötigste beschreiben, und zwar so, dass die Atmosphäre der Situation spürbar gemacht wird. Das ist wichtiger als die Farbe des Tischtuchs (außer ein rotes Tischtuch ist elementar für den Plot, weil in ihm das Geld versteckt ist, dem die Gauner hinterher sind. Oder sowas eben.)
  • Keine überflüssigen langatmigen Beschreibungen von Dingen, die nichts mit der aktuellen Situation zu tun haben, sondern nur den Fluss der eigentlichen Szene unterbrechen.
  • Nicht zuerst fünf Zeilen lang den Raum beschreiben und dann erst die Figur und was sie in dem Raum tut. (Das ist eine klassische Theaterstückschreibe.) Im Film wird man alles gleichzeitig wahrnehmen. Das Bild wird im Film nicht einfrieren, damit ich mich umsehe. Ein Ziel des Drehbuchs ist, dass man bereits beim Lesen den Film erlebt – und keine trockene Theorie davon.

Und so weiter und so fort. Aber weil das eben so schwer zu beschreiben ist, bitte hier den Clip dazu anschauen.

Vielleicht finde ich noch ein paar Beispiele, dann gibt es einen zweiten Teil dieses Beitrags.

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InesSzenenbeschreibung
Werkzeug


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  1. Pingback: Szenenbeschreibung, die Zweite | Scriptalicious

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