Spotlight: Paul Schrader und MISHIMA

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Letzte Woche Donnerstag fand hier in Wien im Filmmuseum ein Screening von Paul Schraders Film MISHIMA – A LIFE IN FOUR CHAPTERS mit anschließendem Werkstattgespräch mit Paul Schrader selbst statt.

Paul Schrader sagte im Anschluss dass es nicht sein Ziel war Empathie mit dem Protagonisten zu erzeugen. Ich würde es mal so formulieren: Es ging ihm um die Metaebene. Schrader versucht durch verschiedene Erzählebenen und Verfremdungseffekte dem Schriftsteller und Privatarmeegründer Mishima näher zu kommen. Und das tut er sehr klug: Einerseits über bühnenmäßig gezeigte Ausschnitte aus dessen Werken, andererseits durch das ständige Umkreisen des Themas „Schwert vs. Wort“. Dahingehend ist der Film wirklich brillant. Aber er braucht die Atmosphäre des cineastischen Publikums in einem Filmsaal wie dem des Filmmuseums um zu glänzen. Zumindest war das mein Eindruck.

Was mich aber am meisten erstaunt hatte war etwas anderes. Ich muss nämlich gestehen dass ich Paul Schrader als Regisseur kaum kenne. Ich hatte mit dem Namen die unmittelbare Kraft von Geschichten wie TAXI DRIVER oder RAGING BULL verbunden. Und dann sitzt da ein Mann vorne am Podium, der intellektuell ist. Gebildet, nachdenklich, klug, wortgewandt, spitzfindig und vor allem höchst analytisch. Das fand ich sehr spannend.

MISHIMA scheint wohl die Arbeit zu sein, mit der er die Entscheidung getroffen hat, sich zum Arthousekino zu bekennen (auch wenn er später wieder andere Filme gemacht hat); er selbst hält MISHIMA für seinen künstlerisch ehrlichsten Film.

Spannend auch wie er über die Filmadaption eines Schriftstellerlebens spricht: Seiner Meinung nach ist es unerlässlich sich der Figur des Schriftstellers über die Figuren aus den Romanen zu nähern, wie er es eben in MISHIMA gemacht hat. Guter Hinweis.

Auch als Drehbuchautor scheint Schrader sehr analytisch zu sein, wie aus diesem Interview hervor geht:

I know exactly where I’m going beforehand. I know to the half page if I’m on or off target. I draw up charts before I do a script. I endlessly chart and re-chart a movie. Before I sit down to write, I have all the scenes listed, what happens in each scene, how many pages I anticipate each scene will take. I have a running log on the film.

(mehr aus dem Interview hier bei Go Into The Story)

Auch das finde ich interessant aus dem Blickwinkel heraus, dass Schrader TAXI DRIVER quasi als Therapie innerhalb weniger als einem Monat geschrieben haben soll.

Was Paul Schrader übrigens hasst sind Filme die dem Publikum keinen Raum für eigene Vorstellungen lassen weil sie ausnahmslos alles erklären. Sein Negativbeispiel dazu war THE KING’S SPEECH, der vor ein paar Tagen mit Oscarnominierungen schier überhäuft wurde. (Jetzt will ich den Film gleich nochmal so gerne sehen. Wobei ich vermute dass er mir gefällt.)

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