Notizen aus Cannes

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Cannes hatte ich bisher immer vermieden. Aus einem unbestimmten Grund dachte ich, dass ich da nur mit einem konkreten Anlass hinfahren will. Jetzt hatte ich den Anlass in Form der Uraufführung von ALTIPLANO im Rahmen der Semaine de la Critique. Und ich weiß jetzt auch, dass mein Bauchgefühl immer richtig ist.

In Cannes geht es nicht um das Nachdenken über das Filmemachen, über die Filme und über ihre Inhalte. Es geht ausschließlich um die Filmindustrie und um den Verkauf und die Vermarktung der Produkte, die diese Industrie hervorbringt. Ich meine das jetzt auch gar nicht desillusioniert, sondern feststellend. Durch die Fernseharbeit bin ich bereits pragmatisch geworden und auch beim Kinoflim habe ich die Haltung, dass man sich über die eigene Verantwortung im Klaren sein sollte, wenn man ein bis drei Millionen Euro vom Steuerzahler für das Drehbuch und dessen Umsetzung zum Film bekommt. Ich bin ziemlich illusionsfrei was die Branche betrifft, aber immer noch sehr leidenschaftlich bezüglich der Figuren und ihrer Geschichten.

Die Croisette ist von riesigen Plakaten gesäumt, aufwändige Monster stehen herum („Transformers“), zwischen den Palmen sieht man eine Weihnachtslandschaft („A Christmas Carol“). Ich habe eine halbe Stunde Zeit und gehe auf den Hügel zur Burg hinauf und überblicke die Yachten, die bis hinaus ins Meer ankern. Riesige Yachten, unglaublich teuer. Von der entfernten Terrasse des Festivalpalastes hört man wie die Journalisten beim Photocall die Schauspieler anschreien, und man sieht die Blitzlichter.

In Cannes hört man die Zahnräder der Marketingmaschienerie knirschen. Es ist als stünde man mitten im Maschinenraum der Titanic zwischen den Heizern, die den riesigen Öfen Kohle zuschaufeln, damit das Schiff in Bewegung bleibt.

Ich war sehr beeindruckt, aber 24 Stunden Cannes haben gereicht um mir den Boden unter den Füßen wegzuziehen und die Energie abzusaugen. Dabei war ich nicht mal am Market. Aber interessant war es allemal.

Randbemerkung: Die Berlinale ist zwar auch hektisch, aber da es immer noch zu gleichen Teilen Markt und Publikumsfestival ist erdet einen dann wieder. Die Abwesenheit des echten Kinopublikums ist es vielleicht, die Cannes so abgehoben macht.

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