Kreatives Schreiben: Weekend Writing #118

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Ein bisschen Leichtigkeit und Lachen schadet nicht, denke ich mir. Oder? Deswegen gibt es für die neue Weekend Writing Challenge ein Foto mit Lachen drauf. Worüber da gelacht wird? Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber ihr werdet es sicher in euren Geschichten herausfinden. Das Foto stammt von dem Magnum-Fotografen Elliott Erwitt, der schon öfters hier vertreten war. Hier und hier erfahrt ihr ein bisschen mehr über ihn. Und hier gibt es direkt bei Magnum eine große Auswahl seiner Fotos. Aber jetzt sage ich wie immer: Viel Spaß beim Schreiben!

Übrigens: Ich nehme natürlich Empfehlungen entgegen. Falls euch ein Foto unterkommt, das sich für die Weekend Writing Challenge eignen würde, schickt es mir doch!

Für alle, die zum ersten Mal dabei sind: Es geht darum, dass ich hier immer am Wochenende ein Foto als Schreibinspiration für eine kurze Geschichte poste. Ob ihr euch dabei an die „Regeln“ haltet, die unter dem Bild stehen, oder nicht, ist völlig euch überlassen. Es gibt auch nichts zu gewinnen, außer der Freude am Schreiben. Wenn ihr wollt, könnt ihr dann eure Texte einfach hier in den Kommentaren posten, gerne auch anonym. Ihr könnt sie aber auch einfach nur für euch in ein Notizbuch schreiben. Ich freue mich übrigens nicht nur, wenn ihr mitmacht, sondern auch wenn ihr es (im Netz) weitererzählt. Je mehr Menschen mitmachen, desto besser!

Foto: Elliott Erwitt - "USA. California. Bakersfield. 1983."

Foto: Elliott Erwitt – „USA. California. Bakersfield. 1983.“

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Wenn ich selbst mitmache, korrigiere ich einige Formulierungen, für die mir ad hoc beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog oder lege sie in meine Textschublade.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die eurer Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet (z.B. auf eurem Blog) postet, hinterlasst doch den Link hier in den Kommentaren. oder kopiert den Text in den Kommentar, gerne auch unter einem Pseudonym. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle, die die Challenge im Internet teilen wollen: Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

 

Euch gefällt, was ich hier auf meinem Blog poste? Das freut mich! Ihr könnt gerne mal hier im Blog einen Kommentar hinterlassen, oder mir ein paar freundliche Worte per E-Mail schicken. Außerdem freue ich mich auch sehr über ein Buch von meinem Wunschzettel. Das kann ich dann alles lesen, wenn einmal einer dieser Momente um die Ecke kommt, in denen meine Motivation und Inspiration kurz Pause machen. Danke euch fürs Lesen und Mitreden und Dasein! <3

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InesKreatives Schreiben: Weekend Writing #118
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Comments 2

  1. sprudlerin

    Endlich hab ich mich mal hingesetzt und das Weekend Writing gemacht! Ich habe allerdings ein wenig länger gebraucht… Muss erst wieder ins Schreiben hineinkommen :) Viel Spaß beim Lesen:

    Wenn man einmal zu arbeiten beginnt, ist jeder Tag noch eine Herausforderung und die Aufgaben sind divers. Nach 30 Jahren ist bei mir jedoch eine gewisse Routine eingekehrt. Ich gehe auf Ausstellungen, Messen und ähnliche Veranstaltungen und bewerte sie. Und das mache ich oft. Nicht ungern, aber inzwischen läuft das eben meistens sehr routiniert ab. Letztes Wochenende wurde die Routine in meinem Arbeitsalltag jedoch endlich wieder einmal durch ein erfrischendes Erlebnis durchbrochen.
    Es war ein relativ warmer Frühlingstag im April. Für mich stand eine Ausstellung verschiedener Gartenutensilien auf der Agenda, auf die ich mich im Vorhinein nicht sehr gefreut hatte. Die Besucherzahlen sind jährlich zurückgegangen. Grundsätzlich würde ich die Besucher auch als sehr steif bezeichnen. Sie sind in meinem Alter, stehen meist kurz vor der Pension und haben vor, sich mit ihrem erarbeiteten Geld nun ein Häuschen am See inklusive des entsprechenden Gartens zu kaufen. Und hier kommt nun die Ausstellung ins Spiel.
    Wie jedes Jahr habe ich mich auch dieses Mal mit einer Freundin und langjährigen Freundin verabredet, die in der gleichen Branche arbeitet und auch zur Ausstellung kommt. Da wir uns sonst nicht oft sehen, freue ich mich schon sehr darauf, sie zu treffen und drücke sie herzlich, als sie durch das Eingangstor des Veranstaltungsortes kommt – ein riesiger Garten, der einst Teil einer Burg war.
    Die Aufmachung ist dieses Jahr pompöser, die Stimmung jedoch noch nicht wirklich gut. Besucher kommen und gehen, verweilen vor den unterschiedlichen Ständen und diskutieren herzhaft mit ihren Partnern, welche Farbe der Dekoration nun am besten zu ihren Gartenmöbeln passen würde. Brunhilde, das ist meine Freundin, und ich beobachten das Geschehen und notieren uns die wichtigsten Aspekte. Nach dem langen Stehen setzen wir uns am Nachmittag in eine Art Lounge mit einigen Klappstühlen und Stehplätzen. Hier sammeln sich einige Menschen und besprechen die Ausstellung oder den neuesten Klatsch und Tratsch. Im Hintergrund läuft eine sanfte Jazz Musik, als plötzlich eine Männerstimme aus dem Mikrofon ertönt: „Ladies and Gentlemen, dieses Jahr haben wir uns für Sie etwas Besonderes ausgedacht. In Zusammenarbeit mit dem Institut für Gender Equality führen wir eine Kampagne zum Thema ‚ein bloßer Mann‘ durch. Teil dieser Kampagne ist eine Show, die wir Ihnen in den nächsten 15 Minuten präsentieren möchten. Wir laden Sie an dieser Stelle herzlich dazu ein, den Ausblick zu genießen. Genauere Informationen zur Kampagne erhalten Sie am Infostand.“
    Wir sind so vertieft, dass wir gar nicht bemerkt haben, dass sechs Männer auf uns zustapfen. Ich schaue zu meiner Rechten und sehe auch in Brunhildes Augen die Irritation. Wir sehen uns fassungslos an. Nach einer kurzen Verarbeitungsphase lachen wir lauthals los. Die Männer, die auf uns zugehen, sind nackt. Was für ein Augenschmaus! Gerade in unserem Alter kann es sehr erfrischend sein, mit so einer Situation konfrontiert zu werden. Natürlich haben wir beide versucht wegzusehen, aber je näher sie kamen, desto schwieriger gestaltete sich dieses Vorhaben. Die Männer teilten sich auf die Besuchergruppen auf. Einer hatte es wohl auf uns abgesehen und peilte uns an. Lässig stützte er sich an dem aufgebauten Gerüst der Lounge, in der wir saßen, ab, lächelte uns an und fragte, wie es uns ginge. Ihr könnt euch vorstellen, wie perplex wir waren. Aber wir nahmen es mit Humor. Ganz im Gegensatz zu dem jüngeren Herrn neben uns, dessen empörten Blick ich kurz erhascht hatte.
    Das kümmerte uns aber wenig. Brunhilde und ich führten schließlich ein angenehmes Gespräch mit dem auch schon in die Jahre gekommenen, nackten Herrn und konnten uns mit der Zeit auch an sein Adamskostüm gewöhnen. Nach einigen Minuten des guten Gesprächs war es gar nicht mehr wichtig, was für eine Kleidung er am Körper trug, bzw. dass er überhaupt keine anhatte. Die Situation wurde nach fünfzehn Minuten noch einmal durch den Chef der Ausstellung aufgeklärt.
    In der Zeitung las ich zwei Tage später, dass die Ausstellung am nächsten Tag wesentlich mehr Besucher hatte und noch weitere erwarten würde. Kein Wunder – denn die Kampagne lief ja noch und die kurze Show „der bloße Mann“ wurde jeden Tag wiederholt. Brunhilde und ich genossen dieses erfrischende Erlebnis, haben noch viel darüber gesprochen und werden auch bestimmt noch lange davon erzählen.

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