Gesehen: R.E.D.

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Da sehe ich also einen Trailer, in dem Helen Mirren diverse Maschinengewehre bedient, Bruce Willis so cool daher kommt wie es überhaupt nur möglich ist und dann noch Morgan Freeman und John Malkovich mitspielen.

Und dann gehe ich ins Kino und bin enttäuscht. Jetzt ist das natürlich blöd für mich, aber weniger blöd für euch. Denn wenn mich ein Film nicht fesselt schalte ich den Analysemodus und dabei habe ich einiges entdeckt.

(Achtung für alle die den Film noch nicht gesehen haben: Weiter unten kommen massive SPOILER!)

Zunächst fällt mir auf, dass ich bis über die Hälfte des Films so ein unterschwelliges Gefühl habe als würde ich mich immer noch im ersten Akt befinden. Und dann erinnere ich mich dass ich das schon mal hatte, nur extremer, und zwar beim ersten X-MAN Film. Da kam mir vor, dass der gesamte Film bloß der erste Akt zu einem Franchise ist, das eigentlich erst beim zweiten Film so richtig losgehen wird. So ähnlich wie bei einem mittelmäßigen Pilotfilm für eine Serie. Und hier war das ähnlich, auch wenn ich den A-Plot bei R.E.D. eigenständiger und ein wenig stärker und kompakter fand. Es werden also Figuren etabliert, und dann wird eine Geschichte erzählt, in der die weiteren Star-Protagonisten Stück für Stück aufgesammelt werden, bis die Truppe am Ende für den großen Coup beisammen ist.

Was ich aber besonders schade fand war das plumpe Drehbuch. Es muss ja nicht jeder Film so komplex daherkommen wie zum Beispiel THE DARK KNIGHT oder CASINO ROYALE, aber z.B. ein bisschen mehr ironische Zwischentöne hätten mich nicht gestört und gut zum Grundton des Films gepasst.

Dabei ist es ja so, dass das Drehbuch im Grunde alles richtig macht, was man bei so einem Film auf der Checkliste stehen hat. Aber es wird eben unelegant abgehakt, und das hat mich so enttäuscht. Ein Beispiel (so, jetzt kommt ein wirklicher SPOILER): Über den Antagonisten erfahren wir die ganze Zeit so gut wie nichts, was die Figur über die Berufsausübung hinaus definiert. Dann kommt plötzlich aus heiterem Himmel eine Szene, in der er in der Nacht zu Hause kurz seine friedlich schlafenden Kinder betrachtet. Dann klingelt sein Blackberry und die Geschichte geht weiter. Diese Szene hat mich irritiert, weil sie so gar nicht in den Ablauf gepasst hat. Ganz am Ende wurde mir aber klar, wieso sie da hineingequetscht wurde. Weil Bruce Willis den bösen Antagonisten gegen Ende erpresst, indem er sich in sein Haus schleicht, ihn von dort aus anruft und droht die Frau und die Kinder des Bösen umzubringen. Und dafür muss man antürlich vorne etablieren, dass der Böse etwas hat, das er liebt: Seine Kinder. Und so ging das dahin: Alles war irgendwie drinnen und hatte auch eine Funktion im Drehbuch, aber die Art wie es gemacht wurde war leider sehr platt.

Vielleicht ist Drehbuchschreiben ja ein bisschen wie höhere Mathematik: Es zählt nicht nur dass man die Lösung einer Gleichung findet, sondern auch wie elegant der Weg dorthin ist.

Ich weiß dass ich da ziemlich hohe Anforderungen an das Popcornkino stelle. Aber ich habe gesehen dass es auch komplexer oder selbstironischer geht (besagte Beispiele weiter oben). Oder dass man es gleich komplett überhöht sodass nur der reine Spaß übrig bleibt (so gings mir bei PRINCE OF PERSIA – das fand ich schlicht und einfach nur unterhaltsam, aber das dafür gut). Aber das hat R.E.D. für mich leider nicht geschafft.

p.s.: Obwohl ich mich so auf Helen Mirren mit dem Maschinengewehr gefreut habe war es letztlich John Malkovich, der die meisten Nuancen drauf hatte. Wobei man sagen muss, dass seine Figur auch am meisten zum Spielen hergab.

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