Gesehen: Interstellar

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Es gibt Filme, die ich erst mit langer Zeitverzögerung sehe. INTERSTELLAR ist einer davon. Und er hat mich voll erwischt. Dass da jemand eine griechische Tragödie über menschliche Abgründe (nein, eigentlich die Abgründe der gesamten Menschheit) in einem 165 Millionen Dollar teuren Film versteckt, das allein finde ich schon mal richtig gut. Wobei – das kennt man ja von den Nolan-Brüdern. BATMAN – THE DARK KNIGHT zum Beispiel ist für mich nur äußerlich eine Comicverfilmung; in Wahrheit ist der Film eine Abhandlung über Altruismus. Denn bei jeder Aufgabe, die der Joker in dem Film Batman und den Bewohnern Gothams stellt, muss jemand entscheiden, ob man im Sinn des Gemeinwohls handelt oder doch lieber die eigene Haut rettet.

Während ich das schreibe merke ich, dass dieses Thema natürlich auch INTERSTELLAR bestimmt, bloß zeigt es sich erst im Verlauf so richtig. Auch hier geht es um Altruismus: Opfere ich mich und agiere gegen meinen Überlebensinstinkt, um im Gegenzug die gesamte Menschheit zu retten? Belüge ich dafür zum Beispiel wissentlich mein Kind, und diene dem größeren Ganzen? Interessant… Irgendwo gibt es sicher eine Diplomarbeit, in der das Gesamtwerk der Nolans unter diesem Aspekt analysiert wird, darauf traue ich mich wetten.

Filmisch ist das alles natürlich ganz groß in Szene gesetzt, und ich hätte INTERSTELLAR auf der großen Leinwand sehen sollen. Noch dazu ist es immer wieder old school gefilmt, mit weniger CGI als sonst, und auf echtem Film. Da sind die Szenen im Weltall natürlich noch spektakulär, das hat bei mir und MAD MAX – FURY ROAD ja auch schon sehr gut funktioniert. Aber ich merke, dass mich die Figuren und das, was sie tun, gerade mehr beschäftigen als die Bilder. Weil ihr Handeln wirklich spannende Fragen aufwirft, und das emotionale Thema auch mich betrifft: Was würde ich tun? Mich opfern? Hm. Ich bin mir da nicht sicher. Also, liebe Menschengemeinschaft, schickt mich bloß nicht ins All, um euch vor dem Verderben zu retten!

INTERSTELLAR, ©Warner 2014

INTERSTELLAR, ©Warner 2014

Und jetzt sind wir dort, wo für mich richtig gutes Geschichtenerzählen anfängt: Wenn mich das, was ich da sehe, auf mich selbst zurückwirft und mir etwas über mich und meine Mitmenschen erzählt. Da finde ich es gleich nochmal besser, hier für ein Kammerspiel nach Art einer griechischen Tragödie so viel Geld auszugeben – in your face, Hollywoodactiontschingbumm! Klar stören mich die großen Bilder nicht, das gehört ja auch zum Kinoerlebnis. Aber das, was wirklich nachhallt, ist bei mir selten die CGI-Explosion, sondern es sind immer die Figuren und das emotionale Thema. Dass der Film übrigens bei den großen Filmpreisen inklusive den Oscars nicht mal für das Drehbuch nominiert war, sondern großteils für Special Effects und Musik, finde ich wirklich seltsam.

Zum Abschluss darf natürlich der Verweis auf die Filmkritik des von mir sehr geschätzten Christian Fuchs von FM4 nicht fehlen. Er hat einige Hintergrundinformationen zum Dreh und lesenswerte Gedanken zum Film.

p.s.: Die Szenen auf dem Bild oben wurden übrigens auf einem isländischen Gletscher gedreht. Da will ich ja schon seit Jahren hin, nach Island. Ob es 2016 klappt? Mal sehen.

 

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