Gesehen: AVATAR

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Seit vielen Wochen will ich etwas über AVATAR schreiben, aber irgendwie gelingt es mir nicht so richtig. Wo soll ich anfangen? Vielleicht mit der Ausgangslage. Ich habe den Film zweimal gesehen, beide Male in 3D, das erste Mal im Original. Das zweite Mal bin ich nur hingegenagen, weil ihn eine Freundin noch nicht gesehen hatte und ich die Gelegenheit nutzte ihn in IMAX 3D zu sehen.

Technisch gesehen war die IMAX Vorführung tatsächlich ein Quantensprung. Ich hatte die richtigen Sitze, die richtige Laune und verstand endlich, was die Begeisterung der Leute, die immer so über das „Eintauchen in die Welt von Pandora“ schwärmten, ausmacht. Aber ich sah auch, dass eine dünne Geschichte nicht viel besser wird, wenn der visuelle Effekt beeindruckender ist. Nur lässt sich der Ärger über die schwache Story leichter verdrängen.

Jetzt zum Inhalt: Was mich wirklich geärgert hat war dass der Film die Geschichte in langen (und sauteuren) 161 Minuten erzählt und es trotzdem nicht schafft, mehrdimensionale Figuren zu erschaffen (und das in einem 3D Film…! Ähem). Denn das war mein größtes Problem: Alles war von vornherein klar, es gab keine Nuancen, kaum offene Fragen. Die Geschichte pflügt wie eine schnurgerade Autobahn durch die Leinwand, ohne jemals nach links oder rechts zu blicken.

Vielleicht bin ich auch einfach nur verwöhnt von großen Blockbustern der letzten Jahre, in denen das anders ist. BATMAN – THE DARK KNIGHT ist für mich so ein Beispiel, oder auch JAMES BOND – CASINO ROYALE. Besonders THE DARK KNIGHT schafft es, ein eigentlich philosophisches Thema (die Moral des Einzelnen) auf vielen Ebene durchzudeklinieren und wirklich wandelbare Figuren zu kreieren. Und trotzdem bleibt es die Actionunterhaltung, für die man an der Kinokasse zahlt. Genau diesen Mehrwert habe ich bei AVATAR wirklich schmerzlich vermisst.

Dass der Film so erfolgreich ist, sei James Cameron gegönnt. Denn er hat beim Publikum das geschafft, was der Filmindustrie seit Jahren unter Androhung von Gefängnisstrafen (Stichwort: Antipiraterie) nicht gelungen ist: Man muss ins Kino gehen, um das volle Filmerlebnis zu genießen. Runterladen und am Computer anschauen ist in dem Fall schlichtweg nicht attraktiv genug. Und den Eskapismusknopf hat Cameron anscheinend so genau (und zur richtigen Zeit) getroffen, dass viele sich den Film sogar mehr als einmal anschauen, um einen erneuten Ausflug nach Pandora zu machen. Dass Cameron das gelungen ist, davor habe ich ziemlich großen Respekt.

Trotzdem: Dass man bei fast 300 Millionen Dollar Budget das Drehbuch (bzw. die Figuren) nicht besser hinbekommt, verstehe ich nicht. Ich meine, die paar emotionalen Echoszenen, die die Charaktere tiefer machen, hätten im Vergleich zum Rest wohl wirklich nicht die Welt gekostet.

Zum Abschluss noch ein Detail am Rande: Kurz nach dem Release von AVATAR tauchte dieses Dokument im Internet auf, in dem die Ähnlichkeiten zwischen POCAHONTAS und AVATAR aufs Korn genommen werden. Jetzt hat das jemand visualisiert, und zwar durch ein Mash-Up zwischen AVATAR (Tonebene) und POCAHONTAS (Bildebene). Sehr vernüglich, das Ganze:


CFV 426 – Avatar/Pocahontas Mashup FINAL VERSION
from Randy Szuch on Vimeo.

Und was ist eure Meinung zu AVATAR?

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