Frequently Asked Questions!

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Unter Webloggern gibt es sogenannte „Stöckchen“. Das sind Fragen zu einem bestimmten Thema, die jemand in seinem Blog beantwortet, und die er dann an wen anderen quasi weitergibt. Bisher habe ich das immer gemieden, weil ich es irgendwie merkwürdig finde, fremde Themen im eigenen Blog aufzuarbeiten. Aber jetzt mache ich eine Ausnahme. Denn bei Anke Gröner habe ich ein Stöckchen gefunden, das gut zu dieser Seite passt, weil Fragen gestellt werden, die mir im echten Leben auch begegnen. Also los:

1. Was machst du beruflich?
Ich bin Drehbuchberaterin. Oder anders ausgedrückt: Script Consultant. Das steht auf meiner Visitenkarte. Was das bedeutet? Meistens sind es die ProduzentInnen, die mich beauftragen. Ich lese dann die Drehbücher, die sie mir schicken, analysiere sie und spreche mit den AutorInnen und ProduzentInnen darüber. Was ist das universelle emotionale Thema? Ist die Motivation der Figuren glaubwürdig? Stimmt die Dynamik? Gehts vielleicht auf diesem (oder dem anderen) Weg noch spannender? Oder abgründiger, mystischer? Oder lustiger vielleicht? Ist die Geschichte emotional genug? Oder ist sie zu banal? Sind die Figuren komplex genug? Wie verhindern wir, dass der Kinofilm als österreichisches Feelbadmovie rezipiert wird? Werde ich an einem saukalten verschneiten Samstagabend 8,50 Euro für eine Kinokarte in einem dreissig Minuten entfernten Bezirk zahlen, um genau diese Geschichte auf der Leinwand zu sehen? Passt der TV Movie Pitch zum Sat.1 Slot oder geht man mit dem Projekt doch besser zu Pro7? Haben wir endlich ein gutes Konzept für den verflixten RTL Sonntagabend (Achtung: Tatort Konkurrenz!)? Und so weiter.

2. Was ist gut – was ist nicht so gut daran?
Vieles ist gut: Ich kämpfe an einem Tag mit Zombies, bringe am nächsten Tag Serienkiller zur Strecke und verhelfe am übernächsten einem Liebespaar zu dem wohlverdienten Happyend. Naja, nicht ich natürlich, sondern die AutorInnen. Aber ich trage mit meiner Drehbuchanalyse dazu bei, dass das ganze emotioanl genug ist. Oder lustig genug. Und spannend natürlich. Und interessant genug.
Das finde ich großartig – dass ich mit jedem Projekt in eine andere Welt eintauchen kann. Es ist wie in der Kindheit, beim Verschlingen von Büchern, beim Abdriften in die eigenen Phantasiewelten. Alles ist möglich, aber mir passiert nichts, weil ich sicher inter meinem Schreibtisch sitze. Das ist der großartige Aspekt an meinem Beruf.
Natürlich gibt es auch weniger großartige Aspekte. Wenn Drehbücher, die noch nicht soweit sind, aus Zeitdruck trotzdem gedreht werden (müssen). Aber vor allem verfluche ich die Tage, an denen ich meine ganze Energie für Diplomatie aufwenden muss, für Befindlichkeiten (auch ab und an meine eigenen natürlich!) und Hierarchien, für all die Dinge, die mit der Geschichte im Drehbuch überhaupt nichts zu tun haben. Aber auch das ist ein wichtiger Teil meiner Arbeit, denn manchmal ist die Psychologie in einem AutorInnengespräch momentan von viel größere Bedeutung als der Inhalt einer bestimmten Szene.
Und des öfteren sehne ich mich nach mehr Freiheit, denn im Grund bin ich nur Dienstleisterin. Ich versuche oft wie eine Mediatorin den Konsens zwischen Anmerkungen von KoproduzentInnen oder Fernsehredaktionen, ProduzentInnen, der Meinung des Autors und meinem Eindruck herzustellen. Meine eigenen Vorstellungen spielen dabei nur bedingt eine Rolle, die Sachzwänge geben das meiste vor, und das ist auch in Ordnung so, denn alles andere würde dem Projekt schaden. Dass es nach etwa 40 TV Movies, die ich komplett betreut habe für mich als produktionsseitige Dramaturgin bei Fernseharbeiten nach wie vor keinen Credit gibt ärgert mich dann doch (es ist leider gegenüber den Redaktionen nie durchzusetzen).
Alles in Allem halte ich aber meine Arbeit für eine der besten die man haben kann, und ich bin nach sechs Jahren freiberuflicher Vollbeschäftigung immer noch der Meinung, dass ich einen Beruf ausübe, um den man mich beneiden kann. Naja, die meiste Zeit zumindest (die Ausnahme bilden besagte Diplomatiephasen).

3. Was wäre dein absoluter Traumberuf?
Die meiste Zeit ist der Beruf den ich habe mein Traumberuf. Aber es gibt manchmal doch etwas das fehlt. Das ist der kreative Aspekt, der Moment, in dem ich selbst etwas erschaffe und auch mein Name draufsteht. Denn die meiste Zeit regiere ich, und zwar oft unsichtbar und immer aus der zweiten Reihe heraus. Aktive und wirklich originär kreative Handlungen gibt es in meinem Berufsbild letztlich kaum. Denn ich bin nicht die Autorin, ich bin „nur“ die Beraterin, die Sachen vorschlägt.
Deswegen versuche ich seit Neuestem neben der vielen Arbeit ein Hobby zu haben. Im Augenblick ist es das Fotografieren. Hier ist mein Flickr Account, den ich kürzlich wiederbelebt habe.
Weil wir gerade beim Kreativen sind: Viele Leute nehmen an, dass ich selber schreibe. Aber das tue ich nicht. Und für den Beruf ist das gut, denn man kommt sich nicht ins Gehege: Ich berate, die AutorInnen schreiben. Niemand nimmt irgendwem etwas weg. Aber manchmal reizt es mich doch, und ich schreibe vor mich hin. Aber eher keine Drehbücher. Wenn, dann besser Prosa. Na wer weiß, vielleicht wird daraus ja noch etwas in den nächsten Jahren. Wenn ja, lest ihr es hier zuerst.

4. Warum gerade dieser?
Beim Fotografieren bin ich erblich vorbelastet. Meine Eltern waren früher beide Fotografen, und immer noch geht bei uns keiner ohne Kamera aus dem Haus. Ich bin aufgewachsen mit Blendeneinstellungen, Filmempfindlichkeiten, Brennweiten und Schärfentiefe. Mir macht es Spaß, Augenblicke einzufangen und eine Bildästhetik bei Motiven herzustellen, die andere beim Vorübergehen nicht mal beachten. Fotografieren beruhigt mich, und das analoge Bildermachen ist sowieso nicht zu übertreffen.

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