Der Pitch – Das Genre

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Dieser Punkt ist sehr wichtig. Zumindest mir. Weil mir da so kuriose Dinge unterkommen. Zum Beispiel stand neulich öfters wo „Tragikkomödie“ drauf. Aber entweder war nichts Tragisches oder nichts Komisches zu finden.

Sehr beliebt sind auch Wortzusammensetzungen wie „Sozialmärchen“ oder „Sozialsatire“. Dazu gestatte ich mir einen kleinen Exkurs: Sowohl das Märchen als auch die Satire haben die Eigenschaft, Figuren und Ereignisse leicht bis schwer zu überhöhen. Bei der Satire geht das manchmal ins comichafte. Das ist an sich nichts Schlechtes, aber ich habe folgende sehr interessante Beobachtung gemacht: In allen Fällen, in denen das eine oder das andere auf dem Pitch oder Treatment stand, gab es viel Plot und schablonenhafte, überzeichnete Figuren. Die Emotion wurde weitgehend ausgespart, viele Handlungselemente wirkten konstruiert, die Idee konnte nicht auf Anhieb überzeugen.

Ich habe dann darüber mit einigen AutorInnen gesprochen. Und das Ergebnis war ein sehr Spannendes. Denn letztlich kam heraus, dass die Bezeichnungen „Märchen“, vor allem aber „Satire“, Ausreden sind, wenn man mit der emotionalen Tiefe des Themas und der Figur noch nicht zu Rande kommt. Beide Gattungen verschaffen den AutorInnen offenbar eine Distanz zur Geschichte, man kann sich in den Plot und die Karikaturen zurückziehen. Das Vorwort „Sozial-„ soll aber dennoch eine Geschichte suggerieren, die aus dem Alltag gegriffen ist (was oft gar nicht der Fall ist).

Was ich zudem an „Märchen“ und „Satire“ problematisch finde ist, dass mir kaum Beispiele aus unseren Breiten einfallen, die diese Genres (erfolgreich) repräsentieren. Das macht das Pitchen bei Produzenten nicht unbedingt einfacher.

Wenn es ums Fernsehen geht, kommt noch die richtige Formatwahl dazu. Wie viele Konzepe habe ich schon gelesen, in denen die AutorInnen den Unterschied zwischen Sitcom und Serie offenbar nicht kannten.

Für mich bedeutet das auch hier: Keep it simple. Niemand muss mir durch die Genrewahl Originalität beweisen. Die erkenne ich dann schon selbst in der Geschichte. Seltsame Mischgenreerfindungen oder falsche Genrewahl assoziieren mir eher eines: Mangelndes Handwerk, übertriebene Ambition. Oder zumindest eine unnötige Irritation, die die Geschichte selbst dann erst wieder wettmachen muss.

Um das Genre zu finden, kann man sich auch die Frage stellen, wo die DVD des fertigen Films in einem gut sortierten Videoladen zu finden sein würde. Welche anderen Filme gibt es, die dem Tonfall nahe kommen? Wie wurden diese eingeteilt und vermarktet?

Das hilft auch bei einer Frage, die beim Pitchen oft gestellt wird: Wie würden Sie das Projekt am Markt positionieren? Was ist die Zielgruppe? Als letzten Ausweg kann man immer noch die Flucht nach vorne antreten und sagen, dass das Projekt noch so jung ist, dass man es noch nicht eindeutig kategorisieren kann. Vielleicht sagt einem der Gesprächspartner ja auch, was er damit assoziieren würde, und man kann gleich überprüfen, ob man dieselben Visionen hat.

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