Das TV-Serien-Streaming-Experiment, oder: Warum wollt ihr mein Geld nicht haben? (Teil 2)

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Previously on „Das TV-Serien-Streaming-Experiment“: In Teil 1 habe ich darüber geschrieben, warum ich bestimmte amerikanische Serien so liebe, wie wichtig mir das zeitnahe Anschauen dieser Serien ist, und dass ich herausfinden will, wie ich das legal in Österreich bewerkstelligen kann.

Episode 2 – Des Feldversuches erster Teil

Wie bei jedem richtigen Experiment muss man zuerst das Setup offenlegen.

Ich empfange hier in Wien mein Fernsehangebot über den Kabelnetzbetreiber UPC und habe ein Kombipaket aus Internet, Fernsehen und Festnetztelefonie. Dafür zahle ich monatlich 49,45 €. Die einzelnen Posten sind nicht getrennt ausgewiesen, aber ich gehe mal davon aus, dass man für den TV-Empfang inkl. HD-Festplattenbox und einigen Zusatzsendern, die automatisch bei diesem Paket dabei sind, wie FOX Serie, Kinowelt, MGM, TNT Serie, SyFy, 13th Street usw., von 25,- € ausgehen kann.

Außerdem habe ich beim Handy eine TV-Funktion namens „3MobileTV“, was ich zwar kaum nutze, aber 5,- € pro Monat dafür bezahle (aber ich kann damit z.B. RTLnitro anschauen, das ich auf UPC nicht empfangen kann). Und ich bezahle meine GIS Gebühren (für die LeserInnen aus Deutschland: Das ist das, was bei euch GEZ heißt), die mit etwa 25,- € pro Monat zu Buche schlagen (wovon der ORF selbst fürs Programm davon nur 16,60 € bekommt, aber das ist eine andere leidige Geschichte).

Fazit: Pro Monat gebe ich also ca. 55,- € für Fernsehempfang und –nutzung aus. Interessant, das habe ich mir noch nie so genau ausgerechnet.

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Wonach suche ich?
Ich will keine legalen Streamingangebote für irgendwelche Serien finden, sondern für meine aktuellen amerikanischen Lieblingsserien. Das sind zur Zeit GAME OF THRONES, TRUE BLOOD und MAD MEN. Weil diese Serien aktuell nicht laufen, halte ich nach anderen Serien Ausschau, die ich ab und zu gerne sehe, und die jetzt gerade in Amerika ausgestrahlt werden, und dazu gehört GLEE (ja, ich singe laut mit, wenn ein Lied vorkommt das ich kenne – ihr etwa nicht?). Alternativ werfe ich noch ein Auge auf HOMELAND; das schaue ich mir zwar gerade nicht an, sondern ich hebe es mir für die langen Winterabende fürs „Binge-Watching“ auf, aber für das Experiment eignet es sich.

So, jetzt kann das Experiment beginnen. Ich sitze also mit gezückter (und gedeckter) Kreditkarte vor dem Laptop und beginne zu recherchieren.

Dabei fange ich mit dem Nächstliegenden an, nämlich mit dem TV Programm, das ich mit meinem Paket empfangen kann. Ich bin privilegiert, weil im Paket wie bereits erwähnt FOX Serie, TNT Serie, SyFy und 13th Street inkludiert sind. Dort kann ich u.a. GAME OF THRONES, MAD MEN und TRUE BLOOD sehen, aber eben monatelang zeitversetzt.

Aber es gibt ja auch das UPC On Demand Angebot, das direkt über die Settopbox von UPC kommen. Ich sehe, dass man die aktuelle Staffel von GREY’S ANATOMY, ONCE UPON A TIME und anderen Serien mit ca. einer Woche Verzögerung im englischen Original gegen Bezahlung streamen kann. Das ist schon mal ein Anfang, aber ich finde nichts, das exakt meinem Beuteschema entspricht. Weiters sind in der Box die Mediathekangebote der österreichischen Sender ORF und von ATV integriert. Auch dort finde ich einiges, aber fast nur Eigenproduktionen und keine der Serien, die ich suche.

Natürlich weiß ich aber, dass SKY seit einiger Zeit den Sender SKY Atlantic im Programm hat, und der wiederum speist sich aus dem Programm von HBO – also quasi Serienparadies für jemanden wie mich. Um den Sender auf den Bildschirm zu bekommen, müsste ich aber nicht nur das Filmpaket von Sky abonnieren, sondern auch zusätzlich die HD-Variante, denn Sky Atlantic gibt es nur hochauflösend. Also 24,90 € pro Monat (statt 44,90 €, weil es gerade ein Angebot gibt, dafür aber 12monatige Bindung) zusätzlich für einen einzigen Sender – denn der Rest des Pakets interessiert mich nur mäßig – auf dem dann vielleicht doch nicht zeitnah genau das läuft was ich gerade sehen will? Nein danke, das ist mir zu teuer.

Als nächstes werfe ich einen Blick auf die Internet-TV-Programmanbieter. Aber weder das Programm von A1, noch das vom neuen Anbieter simpli.tv haben ein zusätzliches Streaming-Angebot, und die regulären Sender bieten nicht das, was ich suche.

Gut, ich habe nicht erwartet dass es einfach wird. Schließlich ist das die Suche nach dem Österreichischen Heiligen Serienstreaming-Gral, und wie wir von der Heldenreise wissen, müssen zahlreiche äußere und innere Hürden überwunden werden, damit man mit dem Gral in die Oberwelt zurückkehren darf. Also wendet sich die Heldin (in dem Fall wäre das ich) den großen Internetplattformen zu. Am bekanntesten sind iTunes, Lovefilm und Netflix.

iTunes Österreich wirbt mit dem Slogan „So leicht kann Unterhaltung sein“. Das klingt doch schon mal vielversprechend! Aber meine leichte Euphorie schlägt schnell in Enttäuschung um, denn iTunes Österreich hat zwar viele Filme zum streamen und downloaden im Angebot, aber keine Serien. Ihr lest richtig. Im Store von iTunes Österreich existiert keine einzige Serie.

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„Das gibt’s doch nicht!“ denke ich mir, und schalte unten mit dem Länderbutton auf den Store in Deutschland um. Und hier finde ich sie fast alle: GAME OF THRONES, TRUE BLOOD, BREAKING BAD – alle Staffeln gibt es vollständig bzw. bei HOMELAND sehr nah zur amerikanischen Ausstrahlung, MAD MEN und einige andere nur bis zur vorletzten Staffel, aber immerhin – es gibt sie! Ich seufze kurz sehnsüchtig vor mich hin und verdrücke eine kleine Träne. Aber Selbstmitleid existiert in der klassischen Heldinnenreise nicht, also setze ich ein lässiges Pokerface auf und stelle die Ländereinstellung wieder auf Österreich um.

Schon klar: Wenn ich jetzt ein bisschen im Internet herumsuchen würde, fände ich sicher ein Workaround, das deutsche iTunes Gutscheine, einen zweiten (gefakten) Account auf iTunes, falsche Postadressen in Deutschland und einen VPN-Tunnel Dienst beinhaltet, um trotzdem Zugriff auf die Serien zu haben. Das gab es ja schon damals, als Filme und Serien nur im amerikanischen Store erhältlich waren. Aber bei diesem Experiment geht es mir um „the real thing“ – ich suche legales, einfaches Streaming meiner amerikanischen Lieblingsserien in Österreich.

Die Reise geht weiter, ich sehe mir zwei andere Portale an. Zuerst Lovefilm.de, das zu Amazon gehört. Das Service funktioniert ähnlich wie bei Netflix, bevor man dort auf Streaming Only umgestiegen ist: Man kann Serien und Filme entweder streamen oder sie sich als DVD oder Blue-Ray mit der Post nach Hause schicken lassen. Aber ich brauche über Lovefilm gar nicht weiter nachzudenken, denn in den FAQs finde ich folgendes:

Kann ich den LOVEFiLM Service auch außerhalb Deutschlands genießen (zum Beispiel in Österreich oder der Schweiz)?
Nein, unser Service ist derzeit nur Kunden vorbehalten, die einen gültigen Wohnsitz in Deutschland haben. Dies betrifft sowohl den postalischen Verleih als auch die Nutzung unseres Video on Demand Angebots.“

Alles klar. Außerdem gibt es GAME OF THRONES, HOMELAND, MAD MEN und GLEE ohnehin nur auf DVD exklusive der aktuellen Staffeln.

Netflix sehe ich mir nur pro forma an, denn ich weiß, dass der Dienst genau wie HULU Plus durch Geoblocking und die AGB auf amerikanische User beschränkt ist. Bei Netflix kann man mittlerweile aber mit einer österreichischen Kreditkarte bezahlen und braucht bloß eine beliebige amerikanische Postleitzahl eingeben. Dann benötigt man nur noch ein Abo eines VPN-Tunnel Dienstes (Details zu Netflix und Österreich findet ihr hier). Aber wie schon beim deutschen iTunes Service steht für mich fest: Workarounds gelten für mein Experiment nicht.

Ok, wie geht es weiter? Ich entdecke bei meiner Recherche plötzlich einen Streamingdienst, von dem ich bisher noch nie gehört hatte, und zwar Watchever.de. Doch auch hier bin ich als österreichische Nutzerin laut AGB nicht inkludiert.

„2. Anmeldung und Vertragsabschluss
(…) 2.2 Zum Anlegen eines WATCHEVER-Nutzerkontos und Abschluss eines Abonnements berechtigt sind ausschließlich natürliche Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet und ihren Wohnsitz in Deutschland haben. (…)“

Dabei gäbe es immerhin MAD MEN inklusive Staffel 6, und erstaunlicherweise THE WIRE (Staffel 4 und 5) sowie alles von BREAKING BAD. Aber ohne GAME OF THRONES gilt es für mich nicht.

Puh, diese Sache mit dem Experiment ist ganz schön mühsam. Die Heldin braucht eine Kaffepause und deswegen setze ich mich mit dem Laptop auf mein Sofa. Und plötzlich finde ich im Internet am Ende irgendeines älteren Artikels über die österreichische Filmstreaming-Landschaft eine unscheinbare Linkliste, auf der alle legalen österreichischen Streamingdienste aufgelistet sind. Sollte mein Experiment also doch noch gelingen und ich am Ende den Heiligen Serienstreaming-Gral ans Tageslicht befördern können?

Ob ich vor Erschöpfung aufgegeben habe, oder ob mir das Experiment dank der geheimnisvollen Linkliste doch geglückt ist, erfahrt ihr im 3. und letzten Teil meiner Blogminiserie „Das TV-Serien-Streaming-Experiment, oder: Warum wollt ihr mein Geld nicht haben?“

P.S.: Teil 1 der Miniblogserie findet ihr hier.

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