das experiment: tag zwei und drei

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am tag zwei des experiments „urlaub daheim“ greift die rastlosigkeit weiter um sich und hat den guten nebeneffekt, dass das kastl unter der abwasch aufgeräumt ist, das sideboard in der küche ebenso, und der alibert im badezimmer. das schlafzimmer habe ich auch umgestellt.

so. und jetzt? ganz komme ich irgendwie nicht runter, aber das geht mir im urlaub weiter weg genauso.

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am tag drei fahre ich mit b. nach krems, weil die ausstellung in der kunsthalle so toll sein soll. mein vater erzählt mir später am telefon, dass die ganz schlechte kritiken bekommen hätte (also nicht unbedingt die ausstellung, eher die sammlung olbricht, aus der die ausstellung kuratiert ist).

„liebeslust und totentanz“ ist das thema, und das bild das der aufmacher auf dem plakat ist mag ich dann gar nicht, aber sex sells eben. gleich die ersten beiden räume beim eingang sind ganz nach meinem geschmack: die nachempfindung einer wunderkammer, und die zusammenstellung der werke macht auch noch sinn.

exkurs: mein größtes problem bei ausstellungen ist ja die beliebigkeit bei der auswahl und präsentation der werke. oder so intellektuelle konzepte, dass sie völlig unzugänglich sind, aber das fremdwortreservoir eines gesamten jahres im zweiseitigen katalogtext aufbrauchen. zahlreiche enttäuschungen pflastern meinen ausstellungsbesucherinnenweg.

wenn nun in dieser ausstellung verschiedenste totenköpfe durch vier jahrhunderte in gemälden und artefakten ausgestellt sind, so stellen sich plötzlich bezüge zwischen dem 21. und dem 17.jahrhundert her, an die ich nie gedacht hätte. das macht mir spaß. zugänglichkeit heißt eben nicht zwangsläufig banalität.

sehr faszinierend finde ich die chinesische wunderkugel aus dem 18. jahrhundert. eine elfenbeinkugel von ca. 10 zentimeter durchmesser mit griffen dran, alles kunstvollst und beinahe mikroskopisch klein verziert. der trick ist jetzt der, dass sich im inneren der kugel – das sieht man durch verzierte löcher der außenkugel – 20 weitere, voneinander unabhängige verzierte kugeln befinden, die wiederum mit löchern versehen sind, sodass man weiter hineinschauen kann. die wärterin holt eine kleine taschenlampe und leuchtet hinein, damit wir die inneren kugeln besser sehen. das war ein spielzeug für reiche kinder, erklärt sie uns, und das ziel war es, die kugeln so zu bewegen, dass die löcher übereinander stehen.

die ausstellung geht thematisch sortiert weiter, und auch wenn man einige der unterthemen nur mit mühe dem hauptthema „liebeslust und totentanz“ zuordnen kann, so macht das alles großteils sinn und ich entdecke einige wirklich interessante werke. eine tendenz mag ich nicht wirklich: die bilder, die den altherrenphantasien entspringen, wie das bereits benannte bild „shades of olympus“ von terry rodgers.

ich belausche ein gespräch des nervigen älteren paares vor uns. sie erklärt ihm bereits seit eineineinhalb stunden lehrmeisterinnenhaft jedes detail der einzelnen ausstellungsstücke und trumpft vor dem (ihrem?) mann mit ihrem wissen über kunstgeschichte auf, als sich eine diskussion über die ideale frau entspinnt. anhand dieses bildes meint der mann, dass die frau die im zentrum des gemäldes abgebildet ist den idealen körper habe. es geht hin und her, bis sie einlenkt, dass die abgebildete frau zumindest schön sei. hm.

b. und ich üben uns hingegen in statistik: wir zählen auf dem bild 6 männer, von denen 4 komplett angezogen sind, einer hat einen nackten oberkörper und einer ist ganz nackt. weiters befinden sich 6 frauen auf dem bild, davon tragen alle nichts außer unterhöschen und teilweise strapse, bis auf paris hilton, die sich links außen im bild befindet. sie trägt zusätzlich einen bh. nunja. diesbezüglich gibt es noch andere werke, die ich streitbar finde, zum beispiel ein gemälde, das den berühmten kuss zwischen britney und madonna bei den mtv awards abbildet. (ich finde gerade den titel nicht). das gemälde hat keine besondere aura, keinen doppelten boden, außer dass es in rottönen und etwas stilisiert den moment abbildet. und so weiter.

aber großteils ist die ausstellung ein wirkliches vergnügen mit vielen entdeckungen. sie läuft noch bis 7. november in der kunsthalle krems.

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