#weekendwriting 4: Meine Geschichte

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Bei der vierten Weekend Writing Challenge habe ich dem Geek in mir freien Lauf gelassen. Und was ist euch zu dem Foto von gestern eingefallen? Verlinkt zu euren Blogs oder postet die Geschichte hier in den Kommentaren!

Weekend Writing Challenge 4; Foto von Nina Leen

Weekend Writing Challenge 4; Foto von Nina Leen

Heute nach der Schule

„Heute nach der Schule, in der Werkstatt.“ Lisa ließ sich nichts anmerken. Wie immer grüßte sie den blöden Johann, als er sein Rad aufsperrte, nickte brav ihrer Mathematiklehrerin Frau Hahne zu und fuhr dann die Vorgärten entlang nach Hause. Aber heute hielt sie nicht an, sondern bog links hinter dem Haus ab und trat in die Pedale. Der Fahrtwind fühlte sich kühl in ihrem heißen Gesicht an. Sie schloss kurz die Augen und genoss ihre Aufregung. Seit zwei Wochen hatte sie auf Lucias Nachricht gewartet. Und jetzt, endlich.

Vor dem alten Baumann-Lager bremste sie ab, wartete, bis ein Fußgänger in eine Seitengasse verschwunden war, und lief dann hinter das verfallene Lagerhaus.

Vor genau 142 Tagen war sie das erste Mal hierher gekommen, mit einer Tasche voller Werkzeug und Arbeitskleidung, und war mit Lucia nochmals die Pläne durchgegangen. Seither verging kaum ein Tag ohne Löten, Schrauben und Hämmern. Natürlich gab es auch Rückschläge. Zum Beispiel als der alte Herr Huber beinahe die Werkstatt entdeckt hätte. Oder als Lucia Hausarrest bekommen hatte, weil sie sich nachts im Physiksaal hatte einsperren lassen, um heimlich ein Experiment für den Treibstoff durchzuführen.

Aber heute war der große Tag. Das letzte Teil war fertig. Als Lisa die Werkstatt betrat, zog Lucia mit einer theatralischen Geste ein verdrecktes Tuch von einem kleinen Metallkästchen. „Darf ich vorstellen, der Fluxkompensator!“ Lisa fühlte sich ehrfürchtig und musste gleichzeitig kichern, so aufgeregt war sie.

Vorsichtig versenkten die beiden das Gerät in der Karosserie. Dann setzten sie sich in die Vordersitze. „Also los. Wohin?“ „Stell 1985 ein“, sagte Lisa. „Universal Studios, Hollywood.“ Lucia musste lachen. „Du Geek! Ok, schnall dich an!“ Sie grinsten, klappten die Türen ihres DeLorean herunter und stellten „1985“ auf der Zeitmaschine ein.

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Ines#weekendwriting 4: Meine Geschichte

Kreatives Schreiben: Weekendwriting 4

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Schon wieder Samstag? Los gehts mit der Weekend Writing Challenge. 20 Minuten Kreativität, das kriegt ihr sicher hin, oder?

Darum geht es: Ich poste immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog (Update: Hier ist sie). Das heutige Foto stammt von der Fotografin Nina Leen. Hier sind weitere Fotos von ihr.

Weekend Writing Challenge 4; Foto von Nina Leen

Weekend Writing Challenge 4; Foto von Nina Leen

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet postet, hinterlasst doch den Link hier in die Kommentare. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zu einem Creative Writing Abend treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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InesKreatives Schreiben: Weekendwriting 4

#weekendwriting 3: Meine Geschichte

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Wie ist es euch mit der aktuellen Weekend Writing Challenge gegangen? Ich fand die 20 Minuten wieder mal sehr inspirierend. Hier kommt meine Geschichte:

Schnappschuss von der Wiener Messe im Jahr 1964. (© Helmut J. Pillwein Privatarchiv)

Schnappschuss von der Wiener Messe im Jahr 1964. (© Helmut J. Pillwein Privatarchiv)

Im Fotostudio

„Lächeln! Ja, genau! Und nochmal! Kopf nach unten! Und jetzt schau her. Nicht so, mehr von links. Mehr lachen! Ja, und jetzt nochmal!“

Franziska juckte es am Kopf, aber sie konnte sich nicht kratzen. Die Nadeln, mit denen sie den Hut an ihrem Haar befestigt hatten, saßen zu fest und taten ihr weh. Sie spürte einen Tropfen Schweiß über ihren Rücken in die Unterhose kriechen. Im Augenwinkel sah sie ihre Mutter, die sie anstrahlte und eine Geste machte. Weitermachen!

Nicht aufhören. Weitermachen. Und nie weinen, selbst wenn sie hinfiel und es ihr wehtat. Lächle. Bis du heiratest ist alles wieder gut. Seit zwei Jahren bekam Franziska zum Geburtstag und zu Weihnachten nur mehr Sachen für die Aussteuertruhe geschenkt. Feines Bettzeug, Tischdecken, ein Sonntagsgeschirr. Alles durfte sie kurz bewundern, dann verschwand es oben im Schrank.  Eine gute Partie würde sie sein, soviel stand jetzt schon fest.

Neulich war sie vor der Schule ins Spielwarengeschäft gegangen. Sie hatte Herrn Junker angelächelt und ihn gefragt, ob es den kleinen Ball auch in grün gab, sie wolle ihn ihrem Bruder zum Geburtstag schenken. Herr Junker ging ins Lager, und Franziska nahm die kleine Holzfigur mit dem Piratenkostüm aus dem Regal und ließ sie in ihrer Schultasche verschwinden. Als Herr Junker zurückkam, bedauerte sie, dass es den Ball in grün nicht mehr gab, machte einen Knicks und hörte erst auf zu lächeln als sie auf der Straße stand und die Glöckchen von der Eingangstüre verstummt waren.

Am Abend legte Franziska den kleinen Piraten unter ihr Kopfkissen und nahm sich vor, in ihren Träumen ein Piratenschiff zu kapern und so lange über die sieben Weltmeere zu segeln, bis sie sich nicht mehr an ihre Mutter erinnern konnte. Mit einem Lächeln schlief sie ein. Immer lächeln, immer weitermachen. Wie sie es gelernt hatte.

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Ines#weekendwriting 3: Meine Geschichte

Kreatives Schreiben: #weekendwriting 3

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Diese Wochenenden kommen schneller als man glaubt – es ist schon wieder Zeit für die Weekend Writing Challenge. Sie dauert wie immer nur 20 Minuten, damit die Ausrede „Ich habe aber keine Zeit!“ nicht gilt.

Darum geht es: Ich poste immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog. (Update: Hier ist sie.) Das heutige Foto stammt nicht aus meinem Fundus, sondern von Vintage Vienna (die Fotos gibt es auch auf Facebook und als Buch).

Schnappschuss von der Wiener Messe im Jahr 1964. (© Helmut J. Pillwein Privatarchiv)

Schnappschuss von der Wiener Messe im Jahr 1964. (© Helmut J. Pillwein Privatarchiv, via Vintage Vienna)

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet postet, hinterlasst doch den Link hier in die Kommentare. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zu einem Creative Writing Abend treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer es einmal ausprobieren möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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InesKreatives Schreiben: #weekendwriting 3

#weekendwriting 2: Meine Geschichte

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Ich muss zugeben – das Foto für die aktuelle Weekend Writing Challenge hat mir sehr viel Spaß gemacht. Und mein heutiger Schreibarbeitsplatz in den Weinbergen über Wien ebenfalls. Wo schreibt ihr eigentlich so? Aber hier erstmal meine Geschichte:

WeinbergschreibenThe Justice League

Lizzy hatte alles genau vorbereitet. Das Hauptquartier war benachrichtigt, die Wonder Woman Actionfigur war einsatzbereit, und sie brauchte nur noch abzuwarten.

Die Geburtstage ihres älteren Bruders Billy waren immer schrecklich gewesen. Bei allen Spielen verlor sie: Zu ungeschickt zum Schokoladeschneiden, zu langsam beim Sackhüpfen, zu unkoordiniert beim Topfschlagen. Aber dieses Jahr war alles anders.

Kurz nach Schulbeginn war sie von der Gruppe kontaktiert wurden, und wenig später hatte sie die Prüfung bestanden: Eine Nacht alleine im Hauptquartier die Invasion der Gegner abwehren. Danach war sie unbesiegbar.

Jetzt musste sie nur noch so tun als wäre alles wie immer. Sie stellte sich beim Schokoladeschneiden ganz besonders ungeschickt an und ließ sich beim Sackhüpfen dreimal absichtlich hinfallen. Beim anschließenden Tortenessen sagte sie nichts, als Billy sie ständig zwickte und sie auslachte weil sie ein Mädchen war. Sie schaute sogar beim Gruppenfoto extra lange in die Kamera.

Als Lizzy dann schlafen geschickt wurde, ging sie ohne zu murren ins Bad und legte sich ins Bett. Dort wartete neben dem Kopfkissen Wonder Woman auf sie. Nachdem sie ihr dreimal auf das rechte und einmal auf das linke Armband gedrückt hatte, antwortete das Hauptquartier mit einem kurzen Blinken von Wonder Womans Stern auf deren Stirn. Lizzy stand auf und schlich ins Nebenzimmer. Sie schaute ihren schlafenden Bruder ein letztes Mal an. Nie fühlte sie sich auf etwas so gut vorbereitet wie auf das, was jetzt kommen würde.

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Ines#weekendwriting 2: Meine Geschichte

Kreatives Schreiben: #weekendwriting 2

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Was, schon wieder Wochenende? Na, dann habt ihr ja sicher 20 Minuten Zeit für die neue Weekend Writing Challenge.

Darum geht es: Ich werde immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte posten. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog. (Update: Hier ist sie.)Dieses Foto stammt übrigens nicht aus meinem Fundus, sondern von Shorpy.

batbirthday.preview

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet postet, hinterlasst doch den Link hier in die Kommentare. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zu einem Creative Writing Abend treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer es einmal ausprobieren möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Achso, ein Hashtag wäre auch noch gut. Hier ist er: #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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InesKreatives Schreiben: #weekendwriting 2

#weekendwriting 1: Meine Geschichte

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Na, wie ist es euch bei der ersten Weekend Writing Challenge gegangen? 15 Minuten sind schon sehr kurz, aber sonst wäre es ja auch keine Challenge. Hier ist meine Geschichte.

Concordia Agnes und Leopold #weekendwriting

Zweimal hatte Agnes schon von vorne angefangen. Sie saß wieder vor einem leeren Blatt und wollte von dem Tag auf der Concordia erzählen, als sie Leopold kennengelernt hatte. Leopold, ihr Fels in der Brandung – im wahrsten Sinne des Wortes.

Agnes hatte mit ihren besten Freundinnen Trudi und Heidelinde eine kleine Kreuzfahrt gebucht. Trudi würde bald heiraten und nach Deutschland ziehen, Heidelinde ging nach Wien zu einer großen Firma. Ein letzter Ausflug als unzertrennliches „Dreimäderlhaus“, das hatte sich Agnes gewünscht.

Sie bekam aber vom ersten Tag an Bord so gut wie nichts mit, denn das Wetter war stürmisch, und sie legte sich mit flauem Magen in der Kabine hin. Erst später raffte sie sich auf und suchte ihre Freundinnen. Am Weg zum Restaurantdeck schlingerte das Schiff plötzlich so stark, dass sie beinahe hinfiel – wäre da nicht die Hand von Leopold gewesen. „Der ist aber stark“ hatte sie gedacht. Sie konnte sich jetzt noch daran erinnern, wie sich seine Hand angefühlt hatte. Und an sein brummiges Lachen, das war ihr gleich aufgefallen. Sie hatten denselben Humor, das merkte sie dann beim Weintrinken an der Bar. Agnes konnte die ganze Nacht nicht schlafen und beratschlagte sich mit Trudi und Heidelinde, was von Leopold und seinen starken Händen wohl zu halten war. Dabei war es ihr in dem Moment schon klar, und ihm auch, wie er ihr später erzählte.

Kurze Zeit später zog Agnes zu Leopold nach Linz, sie heirateten und Agnes fing bald als Sekretärin in seiner Brauerei an. Acht Jahre war das her. „Die besten Jahre meines Lebens“ dachte sie, und auch, dass das neulich eine Schauspielerin in einem kitschigen Film gesagt hatte, den sie mit Leopold im Kino gesehen hatte.

Und jetzt war ihr Leopold fort, und Agnes sollte in einer Stunde dutzenden Menschen etwas über ihn erzählen. Aber alles, was ihr einfiel, waren seine starken Hände auf der Concordia.

Agnes faltete den leeren Zettel zusammen, steckte ihn in die Tasche ihres schwarzen Mantels und verließ das Haus. „Zum Stadtfriedhof bitte“, sagte sie zum Taxifahrer und hielt sich an dem leeren Zettel in ihrer Manteltasche fest.

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Ines#weekendwriting 1: Meine Geschichte

Kreatives Schreiben: #weekendwriting

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Nachdem die Übung für das Kreative Schreiben bei meinem letzten Storytelling Workshop für Digitalista so gut angekommen ist, habe ich beschlossen, sie hier im Blog weiterzuführen.

Ich werde immer am Samstag ein Foto aus meinem Fundus als Inspiration für eine kurze Geschichte posten. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog. (Update: Hier ist sie.)

Creative Writing Prompt

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet postet, hinterlasst doch den Link hier in die Kommentare. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Achso, ein Hashtag wäre auch noch gut. Hier ist er: #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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InesKreatives Schreiben: #weekendwriting