Viennale’08: Hollywood Boulevard

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Vorher noch ein Kurzfilm: The Life And Death Of 9413 – A Hollywood Extra. Ein expressiver Stummfilm von 1928, in dem ein hoffnungsvoller Jungschauspieler sein Glück in Hollywood versucht, nur um kurz darauf mit einer anonymen Nummer auf der Stirn zum Heer der schlecht ebzahlten Holylwoodstatisten zu gehören. Und die Nummer geht erst wieder weg, als er tot und im Himmel angelangt ist.

Danach eine Variation des Themas in Hollywood Boulevard. Es geht um einen alternden Hollywoodschauspieler, der aus Geldnot mit seinen Memoiren, die ein Magazin kapitelweise abdruckt, Schmutzwäsche wäscht und damit seine ehemaligen Geliebten, seine Tochter und die ganze Umgebung in den Dreck zieht. Bevor er es selbst stoppt. Was mich erstaunt, ist das brillante Drehbuch. FIlm war zu der Zeit gerade mal 40 Jahre erfunden, und die Dialoge sind extrem schlagfertig, so wie man sie heute mit der Lupe suchen müsste. Die Dramaturgie ist kompakt und bedient sich der klassischen Mittel zur Spannungserzeugung. Das alles funktioniert wirklich gut. Und zwar 1936. Wie wunderbar.

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Viennale’08: Rock… and TV

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Als Retrospektive kann man sich heuer im Filmmuseum alles über Los Angeles ansehen, kuratiert von Thom Andersen, der vor einigen Jahren die sehenswerte essayistische Dokumentation Los Angeles Plays Itself heraus brachte. Das Kurzfilmprogramm Rock… and TV beginnt mit Kustom Kar Kommandos von Kenneth Anger (fand ich schön, den endlich mal auf Film zu sehen, und nicht von irgendwelchen rauschenden Videokassetten abgespielt) und endet mit Musikvideos aus den 1980er Jahren, in denen Los Angeles gepriesen wird. Dazwischen finden spannende Dinge statt, zum Beispiel eine Kurzdokumentation über einen Radiomoderator – von George Lucas. Und Filme von Chris Burdon, die entweder Werbespots imitieren, oder einen Erlebnisaufsatz über einen missglückten Lastwagenkauf zum Inhalt haben. Und dann noch einige Musikvideos von den 1960ern bis hin zu den 80ern.

Abgesehen davon, dass ich solche Programme mag, vor allem die Kurzfilme der 1960er und 1970er, muss ich eine kurze Hymne auf das Filmmuseum anstimmen. Sobald ich in diesem perfekten Kinosaal sitze – der Raum ist eine Blackbox, die Sessel nicht zu bequem, aber auch nicht zu hart, der Saal ideal ansteigend, die Qualität der Kopien einwandfrei, die Dunkelheit ausreichend, das Publikum aufmerksam – fange ich sofort an,  das Filmemachen an sich anzuhimmeln.  Vor allem kurz bevor die Vorstellung beginnt, und der Saal dunkel ist, aber die Leinwand noch beleuchtet – ein reflektierendes Viereck in der schwarzen Box. Da hat man sich viel dabei gedacht, wie man das gestaltet hat. Gut, dass es so etwas gibt.

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Viennale’08: Loos ornamental

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Letztes Jahr präsentierte Heinz Emigholz seine Dokumentation über die Häuser des Architekten Schindler, heuer die von Adolf Loos. Mit fast sturer Regelmäßigkeit schneidet er eine statische Einstellung hinter die andere, zuerst das Haus von außen, dann von innen, in chronologischer Reihenfolge. Irgendwann kippt man hinein, die oft seltsam schrägen Kameraeinstellungen bemerkt man nicht mehr, und man fließt so mit den Bildern dahin.

Seltsam, wie die Optik der Häuser außen immer klarer und nüchterner zu werden scheint, aber wenn man hineinkommt, findet man meistens dunkle Holzvertäfelungen, schwere Marmorverkleidungen und Messinggeländer. Eine erschlagende Opulenz. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie man so ein Haus einrichten soll, wo sicherlich auch innen alles denkmalgeschützt ist. Wie kann man in dieser düsteren Schwere wohnen? Da helfen mir selbst die klaren Linien in der (Innen-)Architektur nichts.

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InesViennale’08: Loos ornamental

Viennale’08: The Wrestler

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Was für ein grandioser Film. Es stimmt einfach so viel. Mickey Rourke, der den alternden Wrestler Randy “The Ram” nicht nur spielt, sondern der er sicherlich in vielen Facetten schlichtweg selbst ist. Das dichte Drehbuch, ganz klassisch erzählt, die perfekte Tragödie letztlich. Die Kamera, immer ganz nah am Protagonisten, in den ersten 10 Minuten zum Beispiel hastet die Steadycam ihm hinterher, so lange, bis man seinen Rhythmus übernommen hat, und erst dann sieht man ihn zum ersten mal von vorne. Die Besetzung, überhaupt alle Schauspieler: kaum kommt wem einmal ein falscher Ton über die Lippen. Die Inszenierung leise und gewaltig gleichzeitig. (Ich bin immer noch begeistert, wie man merkt.)

Grandios, anschauen (Österreichstart ist aber leider erst 2009, höre ich).

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InesViennale’08: The Wrestler

Viennale’08: El cant des ocells

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Karge Landschaften in schwarz-weiß, viel Wortlosigkeit, wenig Handlung. So kann man den spanischen Film El cant des ocells zusammenfassen. In die lange Stille hinein fallen manchmal einige durchaus sehr amüsante Aktionen, die ohne die Stille wahrscheinlich nicht zur Geltung kommen würden. Der Inhalt ist schnell erzählt. Die Heiligen Drei Könige suchen Joseph, Maria und das Jesuskind. Das ist manchmal nicht so einfach, denn in der Wüste ist es heiß, was vor allem den dickeren Heiligen Königen zur Qual wird, und man verirrt sich ziemlich leicht, und wenn in einem nächtlichen Sandsturm der strahlende Stern, der einen bekanntlich leiten soll, nicht mehr zu sehen ist, kann man als Heiliger König schon mal frustriert werden. Maria und Joseph hängen währenddessen in ihrem bruchbudenartigen Stall ab, Maria spielt dabei mit einem Schaf, Joseph schwitzt im Schatten, und im Hintergrund schreit manchmal das Jesuskind. Die Drei Heiligen Könige kommen schließlich, und müssen dann schnell wieder weiter, weil Betlehem offensichtlich nur ein Zwischenstopp auf der Reise nach Ägyptem war.

Nach eineinhalb Stunden (die gefühlte drei waren, was aber vielleicht auch an meiner erkältungsbedingten Angeschlagenheit lag) muss ich knapp vor dem Abspann plötzlich an diesen Artikel denken, welcher der Frage nachgeht, warum die europäischen Festivalfilme meistens von Schweigen, langen Einstellungen in schwarz-weiß, Hochspannungsmasten und hässlichen Kindern bestimmt sind. Und nach dem Abspann dachte ich mir, dass man mit Schweigen und ein bisschen Witz auch nicht immer die Größe von Beckett erreicht.

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InesViennale’08: El cant des ocells

Viennale’08: Man On Wire

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Wenn einer so aus reinem Vergnügen auf einem Seil tanzt, das illegal zwischen sehr, sehr hohen Gebäuden verspannt ist, dann finde ich persönlich ja, dass der das Schicksal über Gebühr herausfordert. Wenn ich diesen Menschen dann aber in der Dokumentation Man On Wire kennen lerne und seinen Enthusiasmus, seinen Traum verstehe, dann finde ich auch, dass der das einfach machen muss, der kann gar nicht anders.

Philippe Petit - Man On Wire

Konkret ist der Film eigentlich ein Heist-Movie. Es wird rekonstruiert, wie der Seiltänzer Philippe Petit am 7. August 1974 mit einigen Helfern nach längerer Vorbereitung illegal in einer Nacht und Nebel Aktion zwischen den Dächern der kaum errichteten Zwillingstürme des World Trade Centers ein Seil spannt und dann in den frühen Morgenstunden eine Dreiviertelstunde darauf hin und her spaziert als würden darunter keine 420 Meter freier Fall liegen. Nebenbei lernt man die Menschen kennen, die ihm dabei geholfen haben, und ihre Freundschaften, und vor allem eben Philippe Petit, einem Traumtänzer im wahrsten Sinn des Wortes, der in seiner eigenen Welt lebt, und mit seinem verrückten Enthusiasmus seine Freunde bewegt, ihm bei etwas zu helfen, das eigentlich gar nicht funktionieren dürfte.

Die Dokumentation ist teilweise von der BBC produziert, vielleicht kommt daher die große Anzahl an Reenactment Szenen, und vielleicht ist die Dramaturgie deshalb so spielfilmmäßig. Was jedoch den Unterhaltungswert eindeutig steigert. Und ein Nebeneffekt ist, dass man endlich auch einmal andere Bilder im Kopf hat, wenn man an das World Trade Center denkt. Und das allein ist schon sehr viel.

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InesViennale’08: Man On Wire

Viennale’08: Jerichow

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Ich mochte Die Innere Sicherheit. Überhaupt mag ich die Klarheit in den Filmen von Christian Petzold. Und die Publikumsgespräche mit ihm, denn mich dünkt er ist ein ziemlich schlauer Mann. Aber habe ich Gespenster schon als bloßes Gedankenspiel, als filmische Etüde empfunden (irgendetwas fehlte mir zum richtigen Film), so hat mich bei Yella dieser plötzliche Gedankentwist am Ende gestört (Haha, alles ist ja ganz anders. Vielleicht.). Und leider muss ich gestehen, dass Nina Hoss nicht zu einen Lieblingsschauspielerinnen zählt, sie wirkt auf mich immer als wäre sie hinter einem Schleier verborgen und würde den Erdboden nicht berühren.

Jetzt also Jerichow, wieder mit Nina Hoss (jederzeit mit knallroten Lippen und wie immer ein  bisschen verhuscht) und Benno Führmann. Und  noch viel mehr kommt mir dieser Film wie ein gedankliches Planspiel vor, wie eine Denksportaufgabe. Trotz der klaren Bilder, trotz der klugen Musikauswahl. Ich hatte das Gefühl, da will mir einer was mit Nachdruck erklären, da wird mir was vorgeführt, damit ich was erkennen soll. Die einzige Figur, in die ich hineinschauen kann, ist der türkische Ehemann, grandios gespielt von Hilmi Sözer, und an ihm spiegelte sich für mich auch das Thema am stärksten wider: Wer spielt richtig, wer falsch, geht das mit dem Vertrauen überhaupt, und wenn ja wie. Der Rest des Films ließ mich merkwürdig kalt, er blieb im Kopf hängen und hat mich letztlich nicht erreicht.

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InesViennale’08: Jerichow

Viennale’08: Cest pas moi, je le jurei

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Ein zehnjähriger Junge in der Vorstadt, der autoaggressiv ist, stiehlt und lügt. Eltern, die im Streit Gegenstände durch das Zimmer werfen. Eine Mutter, die einfach nach Europa abahaut und den Vater mit den Kindern zurücklässt. Das Mädchen aus der Nachbarschaft, das den unbekannten Vater sucht und vom betrunkenen Onkel geschlagen wird.

Dass daraus trotzdem ein berührender, schöner und vor allem auch heiterer Film geworden ist, liegt wohl am witzigen und dramaturgisch weitgehend dicht gebautem Drehbuch, an einem starken emotionalen Thema, an gut geführten (Kinder-)Schauspielern und überhaupt an der angenehmen Warmherzigkeit, die den ganzen Film einhüllt. Nicht ohne den Blick auf die Realität zu verlieren. Ein wirklich guter Coming Of Age Film.

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Viennale ’08

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Nachdem ich schon beinahe die Hoffnung aufgegeben hatte, überhaupt die Zeit zu haben, das Programm der Viennale genauer anzusehen, wurde jetzt doch noch was draus. Insgesamt scheint mir die Auswahl (wieder) sehr asien-, lateinamerika- und frakreichlastig zu sein (wo bleiben die Skandinavier, was ist mit dem Rest von Europa, und mit den USA, bitteschön?). Einige Filme, die ich unbedingt sehen wollte, laufen parallel oder ausgerechnet zu den Zeiten, an denen irgendwelche lang geplanten Endlosmeetings vorgesehen sind, und eigentlich hab ich ja eh gar keine Zeit, aber trotzdem.

Ich werde versuchen, in den nächsten Tagen hier im Weblog ein kleines Filmprotokoll zu hinterlassen.

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InesViennale ’08