Viennale’09: Lola

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Vorsicht: Manche mögen Teile der folgenden Kritik als Spoiler empfinden!

Die Geschichte von LOLA (R: Brillante Mendoza) ist rasch erzählt: Man begleitet zwei Großmütter durch den Weg der Bewältigung von Trauer und Schuld. Der Enkelsohn der einen Großmutter wurde auf offener Straße umgebracht, der Enkel der anderen Großmutter ist der Täter. Die Trauer der einen und die Hoffnung auf Vergebung der anderen werden parallel gezeigt, irgendwann treffen sich die beiden alten Frauen, und am Ende ist man mit den beiden durch den Prozess des Trauerns und Verzeihens gegangen.

Der Film erzählt sehr schlicht, sehr ruhig; er konzentriert sich vollkommen auf die beiden alten Frauen. Dass deren Weg beschwerlich ist, zeigt sich bereits in der Eröffnungssequenz: Der Kampf gegen Wind und Regen mit einem kleinen klapprigen Regenschirm ist endlos und doch muss er ausgefochten werden, denn eine Kerze will entzunden werden um am Tatort des Opfers des Raubmords zu gedenken.

Aber dann macht der Film etwas sehr Erstaunliches: Er setzt sich nicht auf die Beschwerlichkeit. Behörden werden bemüht, und sie legen keine Steine in den Weg. Nachbarn werden um Hilfe gebeten, und sie verweigern sie nicht. Von Arthousefilmen mit diesem Tonfall bin ich da anderes gewohnt. Umso wohltuender war LOLA. Durch die Absenz von noch mehr Tragik als die Prämisse des Films ohnehin schon in sich trägt, konnte ich mich vollkommen auf die beiden Protagonistinnen konzentrieren, auf ihren Weg durch die Trauer und ihr Ringen um Vergebung. Das war weitaus genug, es trug den ganzen Film mühelos – der ruhigen Erzählweise und der unaufgeregten Emotion sei dank. Ein sehr schöner Film.

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InesViennale’09: Lola

Viennale’09: Moon

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Ich mag Science Fiction Filme. Ich mag das Futuristische, weil es cool aussieht und auch weil es oft unterschwellig das herausarbeitet und kritisiert, was in der Gegenwart brodelt. Deswegen habe ich mich sehr auf MOON (R: Duncan Jones) gefreut. Ein futuristisches Kammerspiel auf dem Mond? Gehyped auf zahlreichen Filmfestivals? Aber bitte, gerne!

Achtung: Im folgenden Text befinden sich keine Spoiler, in den Kommentaren jedoch schon!

Leider muss ich zugeben dass ich dann etwas enttäuscht war. Ich hatte den Eindruck, dass dem Film eine sehr gute Idee samt bestechendem Thema zugrunde liegt, die aber nicht durch ein starkes Konzept für einen Langfilm umgesetzt wurde. Deswegen dachte ich die ganze Zeit, ob man dafür wirklich 90 Minuten braucht, oder ob 40 vielleicht genügt hätten. Ein tolles Set Design, ein guter Schauspieler (Sam Rockwell) und lässige Musik machen eben dann doch noch keinen guten Film. Die Figuren blieben letztlich für mich an der Oberfläche hängen, das ganze fühlte sich parabelhaft an und eher weniger “menschlich”, obwohl die Geschichte eine gute Prämisse mit einem starken inneren Konflikt gehabt hätte. Schade.

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InesViennale’09: Moon

Viennale’09: Monkey Business

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Bevor ich über den Film schreibe muss ich etwas anderes loswerden, und zwar wie großartig das Filmmuseum in Wien ist. Alexander Horwath, der früher auch einige Jahre Direktor der Viennale war, leitet es mit Leidenschaft und Können. Das sieht man nicht nur anhand des Filmprogramms sondern auch am Ort selbst: Der Kinosaal ist der perfekte Black Cube.

Traditionellerweise läuft im Filmmuseum während der Viennale  eine Retrospektive. Manchmal sind die Programme eher sperrig, aber heuer gibt es was zu Lachen. “The Unquiet American. Transgressive Comedies from the U.S.” heißt die Reihe, die von Jonathan Rosenbaum kuratiert wurde, und man sieht Screwball Comedies ebenso wie Buster Keaton, Bugs Bunny und Filme von John Waters.

Vorsicht: Manche mögen Teile der folgenden Kritik als Spoiler empfinden!

Also habe ich heuer meine Viennale im Filmmuseum begonnen, mit dem Film MONKEY BUSINESS von Howard Hawks. Cary Grant spielt einen zerstreuten Professor, der für eine Firma unter großem Druck nach der Formel für die ewige Jugend sucht. Seine Ehefrau ist Ginger Rogers, die ihn mit stoischer Gelassenheit erträgt. Es folgt eine Prämisse, die man aus THE NUTTY PROFESSOR mit Jerry Lewis kennt: Der Wissenschafter verjüngt sich im Selbstexperiment, was zu zahlreichen Pannen, Slapstickeinlagen und emotionalen Verwirrungen führt.

monkey business (1952)

Was mich nun so überrascht hat war das Ornamentlose von MONKEY BUSINESS. Bordet Jerry Lewis an allen Ecken und Enden über, so bleiben Cary Grant und der Film insgesamt stets schlicht, direkt und schnörkellos. Die Dialoge spielen Ping Pong in guter alter Screwballmanier, aber niemand schneidet Grimassen und macht einen für diesen Film unnötigen visuellen und akustischen Lärm. Dadurch gibt die Geschichte den Blick frei auf ihren tieferen Sinn, und der entblößt die Wissenschaft (und auch die Gesellschaft) als eine Horde wilder Schimpansen, die im Grunde nicht wissen was sie tun (bzw. warum sie es tun). Denn die Formel, mit der sich Cary Grant verjüngt, wurde zufällig von einem Laborschimpansen zusammengemischt und in den Wasserspender des Labors gekippt, was die Protagonisten aber erst am Ende ihrer Odyssee entdecken. Die Geschichte ist im Grunde eine Parabel auf den Mensch und die Gesellschaft und die Sehnsucht nach Zielen, die eigentlich affig sind.

Ich habe übrigens später in der Retrospektive auch eine Komödie mit Jerry Lewis gesehen, und zwar ARTISTS AND MODELS, bei der das Überdrehte sehr gut funktioniert, es ist eben ein anderer Zugang zum Humor (besser: eine andere Humorherkunft) und ein anderer Tonfall.

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InesViennale’09: Monkey Business

Viennale’08: Aftermath

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So, nach einer kurzen Erholungspause jetzt noch ein letztes Fazit:

Wie immer habe ich den Kampf zwischen Arbeiten müssen und ins Kino gehen wollen völlig unterschätzt.

Meine persönlichen Favoriten waren:

  • The Wrestler
  • Låt den rätte komma in/ Let The Right One In
  • Let’s Make MONEY

Bei diesen Filmen habe ich viel mit nach Hause getragen. Andere waren auch gut, aber weniger intensiv. Bei wieder anderen Filmen habe ich mich aber auch furchtbar gelangweilt. So sehr, dass ich (auf Grund der Raschelei im Zuschauerraum) einmal viel Zeit damit verbrachte, mir leisere Verpackungsalternativen für das Casali Rumkugel Giveway (Verpackung s. Foto oben) auszudenken. Erfolglos, weil alles viel teurer sein würde als die raschelnde Plastikverpackung. Soviel zum Thema “Langeweile kreativ nutzen”.

Insgesamt hatte ich heuer weniger Highlights als letztes Jahr, die wenigen waren dafür noch bleibender.

Und im übrigen sei noch gesagt, dass es schon gut ist, dass die Viennale ein Publikumsfestival ist. Man kann sich auf die Filme konzentrieren und hat keinen Branchenstress.

Next Station: Berlinale 2009.

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InesViennale’08: Aftermath

Viennale’08: Derek

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Tilda Swinton führt als Wegbegleiterin des 1994 verstorbenen Derek Jarman durch dessen Leben, man sieht Dokumente aus den 1960ern und 1970ern, und man merkt, wie sich Jarmans Werk entwickelt hat, woher er kam und wo er am Ende stand. Eigentlich ein sehr schlichter Dokumentarfilm, der allein durch die Rahmenhandlung (Tilda Swinton liest einen fiktiven Brief an Derek Jarman vor) eine außergewöhnliche Form bekommt, hier und da dann noch akustische Doppelungen, um bestimmte Haltungen Jarmans zu verstärkern, aber die Form des Films hält sich angenehm zurück, ohne banal zu werden. Und die Ausschnitte aus den Filmen und Performances, die Dokumente aus dem Leben von Jarman kommen noch besser zur Geltung.

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InesViennale’08: Derek

Viennale’08: Let’s Make MONEY

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Man kann eigentlich nur mehr den Kopf schütteln, oder sich vergraben, und aufhören an die Menscheit an sich zu glauben, oder was weiß ich. Erwin Wagenhofer interviewt in seinem Film die Menschen, die mit den Geldmassen jonglieren, die jetzt die Weltwirtschaft einbrechen ließen. Alle sind geprägt von einem Pragmatismus, der mich fassungslos macht.

Aber Wagenhofer zeigt auch andere Mechanismen. Zum Beispiel die Immobilienblase in Spanien. Inmitten karger Landschaften werden Geisterstädte gebaut, und zwar an neu angelegten Golfplätzen, weil Immobilien mit Golfplatzanbindung bei ausländischen Investoren mehr wert sind. Allein die Bewässerung des Golfplatzes verschlingt so viel Wasser, wie die Bewohner einer Kleinstadt verbrauchen. Wohnen tut dort niemand. Irgendwann werden die Geisterstädte geschliffen, der Staat hat vorher schon mitgezahlt und springt nun ein, um das Bauunternhemen rauszuboxen.

Einen anderen Kreislauf erklärt der ehemalige Wirtschaftskiller John Perkins: Er spähte rohstoffreiche Drittländer aus, half den politischen Führern Kredite bei der Weltbank zu bekommen und korrumpierte dann die Machthaber. Kooperierten diese nicht, kamen “Schakale” zum Einsatz, die den Machthaber töten sollten. Funktionierte das auch nicht, fiel das amerikansiche Militär in den jeweiligen Staat ein. Jüngstes Beispiel: Irak.

Und, und, und. Man erfährt hier Dinge, die einen dermaßen fassungslos und hilflos machen, und das anschließende Publikumsgespräch mit einem Wiener Wirtschaftsforscher tat sein übriges. Der kann mit der Frage nach der Moral wenig anfangen, betrachtet lieber pragmatisch die Fakten und kommt dadurch zum Schluss dass Fortschritt eben immer mit Ausbeutung einherginge, und wenn es in gewissen Ländern die Ausbeutung nicht gäbe, hätten die Leute ja überhaupt gar nichts mehr. Sowas empört mich. Es sollen ja auch Firmen existieren, die einen Ethikbeirat haben, oder Fondsmanager, die bewusst in ethisch vertretbare Wertpapiere investieren.

Jedenfalls verließ ich das Kino müde, hungrig und wütend, und ich denke immer noch darüber nach, wo das alles hinführt und was man da tun kann.

Homepage zum Film (mit Trailer, und auf der Seite unten sind Links zu Organisationen, die ethisch denken und handeln)

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InesViennale’08: Let’s Make MONEY

Viennale’08: Låt den rätte komma in

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EIn blonder 12jähriger Junge in einer tristen schwedischen Vorstadtsiedlung. Es liegt Schnee. Und der Junge ist schlecht drauf. Denn seine Eltern leben getrennt und in der Schule wird er gehänselt. Als er eines Abends noch in den Hof geht, steht plötzlich ein seltsamen Mädchen hinter ihm. Und im Laufe der Zeit werden beide Freunde, obwohl sie das eigentlich nicht will. Und bald wird auch klar warum: Niemand soll erfahren, dass sie ein Vampir ist. Das bedrückt sie. Und das Leben eines 12jährigen Vamiprmädchens ist wahrlich kein Zuckerschlecken, aber die Rolle ihres neues besten Freundes könnte auch einfacher sein, soviel sei verraten.

vampirmaedchen

Was für ein großartiger Film. Ich zähle mal auf, was alles großartig ist: Ganz viele intime Close Ups mit geringer Schärfentiefe. EIne tolle Besetzung. Und eine tolle Geschichte. Der Genremix aus Vampirfilm und Coming Of Age, eingebettet in den unspektakulären Tonfall eines leichten Sozialdramas, was erstaunlicher Weise auch wirklich gut klappt. Skurrile Momente gibt es auch. Ach, einfach alles ist toll an dem Film. Und das sage ich, die bekanntlicherweise vor allem, was mit Blutgemetzel, Zombies, Horror und ähnlichen Derivaten zurückschreckt. Anschauen.

(P.S.: Christian Fuchs hat hier ein Lobeshymne geschrieben, und zwar vor allem eine auf die den Film jenseits von Genrekorsetten.)

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InesViennale’08: Låt den rätte komma in

Viennale’08: La Premier Venu

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Der Film kam schlichtweg nicht bei mir an. Ich habe die Motivation der Figuren nicht verstanden, mehr noch: Die Protagonisten beginnen mich zu nerven, die Handlung beginnt mich zu langweilen, das Prinzip der sich ständig umkreisenden Protagonisten habe ich bald begriffen (es wird ja auch sehr bildhaft dargestellt), und dahinter finde ich persönlich nicht genug, um mich bei der Stange zu halten. Irgendwie komme ich nicht drauf, was der Film von mir will, und worum es emotional geht. Nach 121 Minuten kommt der Abspann, und ich bin müde und leider schlecht gelaunt.

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InesViennale’08: La Premier Venu

Viennale’08: The Decline Of The Western Civilization

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Im Rahmen der L.A. Retrospektive läuft The Decline Of The Western Civilization. Ich weiß nicht, was mich erwartet, und plötzlich wird es laut. Sehr laut. Denn es handelt sich um eine Dokumentation über die Punk Rock Szene in L.A. am Ende der 1970er Jahre. Zu Wort kommen die Musiker, die Clubbesitzer, die Labelchefs, und auch ein paar Leute aus dem Publikum. Und man bekommt viele Konzertausschnitte zu sehen.

Für mich ist das alles völlig exotisch. Ich war in dem Jahr, in dem der Film gemacht wurde, in der ersten Klasse Volksschule, und Punk Rock spielte in meinem Leben auch danach keine Rolle. Und gerade deshalb ist der Film so spannend. Denn er stammt aus der Zeit, in der das ganz aktuell war, was er abbildet. Es wirkt sehr direkt. Und auch wunderlich. Dass diese jungen Menschen, die sich da auflehnen gegen alles, das etabliert ist, teilweise ausgerechnet Nazisymbole zur Schau tragen, das befremdet mich. Damit ich das verstehe muss ich nachgoogeln, hier steht eine Erklärung.

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InesViennale’08: The Decline Of The Western Civilization