Viennaleberichte

Leave a Comment

Thomas Taborsky sichtet sich für Alles Film durch die Viennalewochen und wartet zu Beginn mit einer nur allzu wahren Beobachtung im überfüllten Foyer des Gartenbaukinos auf:

Eins in der Nacht, das Gartenbau-Foyer gesteckt voll, an der Glasscheibe zum ersten Mal überhaupt ein kleines „Bitte nicht rennen“-Zettelchen. Den Mann vom winzigen Kulturdevotionalien-Shop schert der fromme Wunsch nicht: In den Strudel, als es wieder Richtung Eingang los strömt, spielt er die Crystals: Da Doo Run Run. Beginnt da gerade ein Run-ring Gag?

(Anmerkung für diejenigen, die die Viennale nicht kennen: Bei der Abendvorstellung im Gartenbaukino müssen 736 BesucherInnen mit nicht nummerierten Kinokarten bis 5 Minuten vor der Vorstellung im kleinen Foyer auf das Öffnen der Türen warten, um dann hineinzurennen und sich die besten Plätze zu reservieren. Eine Freundin von mir wäre bei der Gelegenheit einmal beinahe in Ohnmacht gefallen und ich entwickle dort (und nur dort) gerne veritable Klaustrophobien.)

Share this Post

InesViennaleberichte

Viennale ’10: Essential Killing

Leave a Comment

Vor einigen Tagen wurde mir von einem Bekannten Essential Killing mit Vincent Gallo empfohlen (Regie: Jerzy Skolimowski, Buch: Eva Piaskowska und Jerzy Skolimowski), und heute lief er auf der Viennale.

Es geht um eine Flucht. Mehr Inhalt gibt es nicht, und Vincent Gallo spricht die ganze Zeit kein Wort. Der Film bezieht seine Dichte aus dem Überlebenskampf eines Einzelnen in der Natur, und das ist auch ausreichend. Besonders stark fand ich den Film auf der Audioebene. Schwer zu beschreiben, was den Sound so außergewöhnlich macht. Man hört keine Musik, eher Geräusche, die das Bild intensivieren. Sehr gut auch die unvermuteten Rückblicke und vor allem die manchmal plötzlich auftauchenden Kader aus der Zukunft.

Wenn es nach mir ginge, hätte ich gerne mehr davon gehabt, und auch mehr außergewöhnliche Visualisierungen der Natur. Denn die ist der eigentliche Protagonist, finde ich. Aber das ist zugegebenermaßen eine sehr persönliche Empfindung. Wahrscheinlich kommt das von meiner Arbeit mit Brosens&Woodworth. Deren Filme haben einen sehr anderen Kamerastil, aber die Konfrontation mit der Natur in Essential Killing hat mich an eines der neuen Projekt der Belgier und unsere Gespräche darüber erinnert.

Share this Post

InesViennale ’10: Essential Killing

Viennale ’10: The Agony and the Ecstasy of Phil Spector

Leave a Comment

Wenige Wochen vor der ersten Gerichtsverhandlung wegen Mordes an Lara Clarkson sitzt der gealterte Musikproduzent Phil Spector in seinem Anwesen. Im Hintergrund das weiße Klavier, auf dem John Lennon “Imagine” eingespielt hat, rechts im Bild eine Ritterrüstung. Im Vordergrund erzählt Phil Spector im perfekt sitzenden Anzug von sich und seiner Karriere.

In seinem Film The Agony and the Ecstasy of Phil Spector mischt der Regisseur Vikram Jayanti auf interessante Weise drei Ebenen: Das Interview mit Phil Spector in dessen Haus, Fernsehmaterial von der Gerichtsverhandlung und Aufzeichnungen von Musiknummern. Als vierte Ebene werden immer wieder Zitate aus der Spector Biographie The Wall of Sound eingeblendet, in denen die Musikstücke analysiert werden. Das ergibt eine Mischung, die auf mich stellenweise faszinierend manipulativ wirkt. Denn durch die Spaltung und Neumischung von Bild, Ton und eingeblendeten Zitaten werden z.B. Bilder von Spector im Gerichtssaal mit einer Bedeutung aufgeladen, die ihnen gar nicht innewohnt. Während der Staatsanwalt die Taktik der Verteidigung zu zerstören versucht und Spector mit zitternden Hännde und stierem Blick im Saal sitzt, besingen uns auf der Tonebene die Teddy Bears mit To Know Him Is To Love Him. An einer anderen Stelle sehen wir die Vorgänge im Gerichtssaal und lesen in den Inserts Texte über die berühmte wall of sound, die Spectors Arbeit als Musikproduzent so berühmt gemacht hat.

Den Umgang und die Mischung der verschiedenen Materialien fand ich sehr interessant. Aber etwas hat mir gefehlt: Wenn der Regisseur im Publikumsgespräch meint, dass sein Film darauf aufbaut, dass Spector selbst über sich, den “guten Phil” spricht, und man im Gerichtssaal Informationen über den “bösen Phil” bekommt, so stimmt das für mich nicht. Es wird das Musikgenie (das Spector sicherlich ist!) gefeiert, aber der Abgrund in diesem Menschen, der sogar in einem Zitat am Anfang des Films angesprochen wird (s. auch Beginn des Trailers), kommt meines Erachtens zu kurz. Auch die Phase in der Spector fast keine Musik mehr produziert hat, wird ausgespart. Für mich wäre es dadurch noch interessanter geworden, obwohl ich die Dramaturgie des Films grundsätzlich schon spannend fand.

Musikdokumentationen stehen übrigens in diesem Jahr bei der Viennale wieder hoch im Kurs. Mal sehen, ob ich Zeit habe, mir die über die White Stripes anzusehen.

Share this Post

InesViennale ’10: The Agony and the Ecstasy of Phil Spector

Viennale ’10

Leave a Comment

Die nächsten Tage sind der Viennale gewidmet, und ich werde mich bemühen die Zeit zu finden hier über die Filme zu schreiben, die ich mir ansehen werde.

Share this Post

InesViennale ’10

Being Hans Hurch

Leave a Comment

Das Filmmagazin celluloid macht mit dem Viennaleleiter Hans Hurch einen Rundgang durch eine der besten Videotheken Wiens, das Alphaville.

p.s.: Die andere beste Videothek von Wien ist das Oz (wo es auch Kaffee und Bier gibt). Und das 8einhalb sollte man auch nicht vergessen.

Share this Post

InesBeing Hans Hurch

Viennale’09: Castro

Leave a Comment

In dem argentinischen Film CASTRO sind alle andauernd am Rennen. Castro läuft davon, und zwar vor Samuel, den Castros Ex-Frau Rebecca angeheuert hat (warum auch immer), und auch seine Freundin Cecilia ist hinter ihm her, die Helfer von Samuel auch, und später dann noch andere Leute.

Der Film hat starke dynamische Momente, die die Absurdität des Alltags aufdecken und in Bewegung übersetzen. Aber letztlich bin ich persönlich nicht wirklich in diesen Film hineingekommen. Die starke Inszenierung und Choreografie, die sich bis zur staccatohaften Aussprache der sich wiederholenden Dialogzeilen ging, haben dem Film für mich etwas sehr Artifizielles verliehen, und ich habe mich immer wieder dabei ertappt, dass ich mir das ganze gern woanders ansehen würde – nämlich lieber auf einer Bühne, als modernes Tanztheaterstück zum Beispiel. Oder wennschon auf Film, dann als Kurzfilm, denn das Prinzip der Körperlichkeit und Dynamik hatte sich für mich bald erschöpft, und es gab auch nicht genug nachvollziehbaren Plot, der mir persönlich dann im weiteren Verlauf noch etwas Neues eröffnet hätte.

Share this Post

InesViennale’09: Castro

Viennale’09: Christmas in July

Leave a Comment

Und weiter geht es mit der Retrospektive im Filmmuseum, diesmal steht CHRISTMAS IN JULY von Preston Sturges auf dem Programm.

Ein kleiner Angestellter träumt vom großen (finanziellen) Glück und macht bei dem Slogan-Wettbewerb eines Kaffeeherstellers mit, bei dem es um sehr viel Geld geht. Seine Kollegen spielen ihm einen schlechten Scherz und lassen ihn glauben, er hätte den Wettbewerb gewonnen.

Was nun komtm ist eine Satire auf die Mechanismen des Kapitalismus, verpackt in sehr kompakte und erstaunlich kurze 67 Minuten. Und obwohl der Film fast 70 Jahre alt ist, funktioniert er immer noch blendend. Weil das Gefüge des Kapitalismus heute immer noch nach denselben Prinzipien funktioniert wie damals.

Share this Post

InesViennale’09: Christmas in July

Viennale’09: Artists And Models

Leave a Comment

Die Retrospektive im Filmmuseum hat es mir heuer wirklich angetan. Deswegen sehe ich mir ARTISTS AND MODELS (USA 1955, R: Frank Tashlin) an. Im Gegensatz zum drei Jahre älteren Film MONKEY BUSINESS ist die Prämisse hier weitaus realistischer: Dean Martin gibt einen Comiczeichner, Jerry Lewis einen durchgeknallten Comicfan, Shirley McLaine spielt ein Model, das für Jerry Lewis’ liebste Comicfigur “Bat Lady” die Vorlage ist, und Dorothy Malone spielt die Frau, die die Bat Lady zeichnet. Alle wohnen im selben Haus, es ist Liebe und beruflicher Ehrgeiz involviert, und der Wahnsinn nimmt seinen üblichen Lauf.

Obwohl ARTISTS AND MODELS in der Prämisse also viel stärker in der Realität verhaftet ist als die Zaubertrankgeschichte von MONKEY BUSINESS, wirkt Frank Tashlins Film weitaus überdrehter, fiktiver und surrealer. Die Farben sprühen nur so um sich (Technicolor!), es wird in Gesang ausgebrochen (Dean Martin, Shirley McLaine!), Jerry Lewis gibt seine berühmten pantomimischen Einlagen samt Grimassenschneiden zum Besten, und man tanzt nicht nur auf der Showbühne sondern auch gerne im Stiegenhaus. Die feinere gesellschaftskritische Klinge, die bei MONKEY BUSINESS durchklingt, bemerke ich in dieser Farb- und Tonorgie weniger (mit Ausnahme eine guten Satire auf den Anti-Comic-Wahn der 1950er), und der Humor kommt von ganz woanders her. Dennoch ist ARTISTS AND MODELS ein großer Spaß, und wenn sich die Geschichte dramaturgisch am Ende nicht ganz ausgeht – ach komm, egal! Lasst uns tanzen! In Technicolor!

p.s.: Als Vorfilm gab es übrigens RHAPSODY RABBIT, in dem Bugs Bunny sieben Minuten lang als Konzertpianist die Zweite Ungarische Rhapsody von Liszt gibt. Oder besser: Zu geben versucht, weil er von einer vorwitzigen Maus gestört wird. Und ich muss sagen: Es war großartig, Bugs Bunny einmal in einem richtigen Kino auf richtigem Film auf einer richtigen Leinwand zu sehen.

Share this Post

InesViennale’09: Artists And Models

Viennale’09: Man tänker sitt/ Burrowing

1 Comment

Ich habe einen Hang zum Norden. Deshalb greife ich nach jeder Gelegenheit skandinavische Filme zu sehen. Viel Spielraum lässt mir die Viennale dazu traditionellerweise nicht; hätte ich ein Fable fürs Asiatische, käme ich viel mehr auf meine Kosten. Aber was will man machen.

Also trinke ich einen Espresso und gehe eine halbe Stunde vor Mitternacht ins Satdtkino, um mir MAN TÄNKER SITT (a.k.a. BURROWING) anzusehen. Ich weiß nichts über den Film. Und versuche nun seit Tagen zu formulieren, wodurch er mich so berührt hat. Offenbar hat der Film bei mir die Türe zu etwas Unaussprechlichem über das Leben aufgestoßen. Trotzdem ein Versuch.

Vorsicht: Manche mögen Teile der folgenden Kritik als Spoiler empfinden!

MAN TÄNKER SITT erzählt von mehreren Menschen in einer Reihenhaussiedlung, die nach ihrem Platz im Leben suchen. Der elfjährige Sebastian führt uns via Voiceover in die Nachbarschaft ein: Der eine lebt mit seinem Baby im Haus seiner Eltern ohne einen Schlüssel dafür zu besitzen, der andere hat ein Haus, ist aber trotzdem nicht glücklich, der Dritte ist schon älter und irgendwie hier in Schweden hängengeblieben. Mehr wird nicht erklärt, und mehr braucht man auch nicht. Der Film verzichtet weitgehend auf Dialoge und beobachtet dafür die Menschen umso genauer. Die Situationen, in die sie geraten sind ohenhin dermaßen präzise und teilweise atemberaubend (selbst wenn fast nichts zu passieren scheint), dass jede weitere Erklärung unnötig ist.

Damit das ganze nicht auseinanderfällt, gibt es ein starkes Thema, das durch jede Pore des Films atmet: Wie kann der Mensch, das Individuum sich eingliedern in die Gesellschaft? Wie passt man dazu, wie passt man sich an? Kann man überhaupt so leben wie man leben soll?

(Tolles Pressefoto: Sebastian, der elfjährige Junge, der versucht in ein Erwachsenenhemd zu passen.)

Immer wieder fliehen die Charaktere in den Wald, in die Natur, doch selbst dort scheinen sie zurückgewiesen zu werden. Erlösung gibt es keine. Und trotzdem ist der Film nicht deprimierend, sondern einfach nur unglaublich menschlich und wahr und beobachtet auch die ganz kleinen Momente, die man sonst schnell übersieht. Wahrscheinlich hat er mich genau deswegen so berührt.

Übrigens hat mich MAN TÄNKER SITT öfters an MÄRZ von Händl Klaus erinnert, wenn mir auch MÄRZ im Vergleich dazu weitaus beliebiger und weniger präzise vorkommt und mich viel mehr außen vor gelassen hat.

P.S.: Die Musik zu MAN TÄNKER SITT ist wunderschön. Sie stammt von Erik Enocksson, und man kann sie zum Beispiel hier kaufen.

Share this Post

InesViennale’09: Man tänker sitt/ Burrowing

Viennale’09: dffb Kurzfilmprogramm 2

Leave a Comment

Mit Kurzfilmprogrammen habe ich persönlich bei Filmfestivals ja noch selten Glück gehabt. Weshalb das so ist, weiß ich nicht. Oft wirkt die Zusammenstellung auf mich beliebig, und/oder die Qualität der Filme ist sehr unterschiedlich.

Die dffb Berlin feiert 40jähriges Jubiläum und stellt sich auf der Viennale mit mehreren Kurzfilmprogrammen von Studenten udn Absolventen vor. Da dachte ich: Schaust Du Dir mal an, was die dort so machen. Aber leider muss ich offen sagen – ich war enttäuscht. Bis auf einen Film haben sich mir die Arbeiten schlichtweg nicht erschlossen oder ich fand sie rein handwerklich nicht gut genug (was z.B. bei den narrativen Filmen Regie oder Dramaturgie betrifft).

Hervorzuheben ist aber SPATZEN (R: Jan Speckenbach), ein Film der eigentlich als Kameraübung gedacht war und dann mehr als nur eine Etüde geworden ist. Die Kamera schwebt vor, neben und hinter dem Protagonisten her, man bricht plötzlich unvermittelt in Gesang oder Tanz aus, ist immer in Bewegung und dabei doch irgendwie ziellos, nur um am Ende dort zu landen, wo man am Anfang weggegangen ist – und zu entdecken, dass auch dort nichts so ist wie es scheint. Der Film ist originell, aber dabei belässt er es nicht, weil sich ganz beiläufig eine weitere Ebene auftut über die Absurdität der Alltagsbewältigung. Das hat mir sehr gefallen.

Gut besetzt und kompakt erzählt fand ich auch noch LENNY (R: Cyril Amon Schaublin), eine Geschichte über das Videotagebuch eines Teenagermädchens und eines Jungen, der die Clips ansieht. Auch hier hat sich eine zweite Ebene aufgetan, über das Alleinsein und den Zwiespalt zwischen virtueller und (nicht stattfindender) persönlicher Kommunikation. Mir persönlich war nur das Thema viel zu abgenutzt, was aber schlichtweg daran liegen mag, dass ich mich so viel mit dem Internet auseinandersetze, dass diese Erkenntnis der Kommunikationsunmöglichkeit für mich wirklich keine neue mehr ist.

Share this Post

InesViennale’09: dffb Kurzfilmprogramm 2