Viennale’11: SACK BARROW und SLOW ACTION

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Auf dem Programm stehen zwei Filme des britischen Filmemachers Ben Rivers (von dem ich später noch einen weiteren Filma uf dem Programm habe).

SACK BARROW ist die Beobachtung einer Fabrik in der etwas hergestellt wird das man nicht erkennen kann. Es wird galvanisiert, Metall in Chemie getaucht, es dampft, die Maschinen arbeiten, und die arbeitenden Menschen singen ab und zu aus dem Radio mit. Dazwischen sieht man immer wieder Centerfolds mit Bikinimädchen. Die altmodische Fabrik ist das Gegenteil von klinisch sauber und hat etwas von einer Hexenküche, sie trägt ein Geheimnis in sich. Und die Bilder mit denen Ben Rivers diesen Mikrokosmos abbildet sind satt, farbenprächtig und trotzdem mysteriös. Ein zwar esoterisches (also jetzt im Sinn von “nur Eingeweihten wirklich verständliches”) aber schönes Experiment.

Der zweite Film ist etwas länger und heißt SLOW ACTION. Ben Rivers bekam im Darwinjahr den Auftrag etwas zum Thema zu machen und entschloss sich auf vier Inseln zu fahren die er schon immer besuchen wollte. Über den Bildern liegt ein Text der uns glauben macht es würden exotische Völker mit merkwürdigen Riten dort leben. Die ersten drei Kapitel sind menschenfrei, und Lanzarote wird ohne Touristen zu einer Sci-Fi Wüstenlandschaft. In Tuvalu sieht man menschliche Hinterlassenschaften (Müll etc.), und am Merkwürdigsten ist die verlassene japanische Insel Gunkanjima. Was es mit dieser künstlichen Betoninsel auf sich hat kann man in Wikipedia nachlesen. Erst im letzten Kapitel sieht man Menschen, die skurrile Masken tragen udn sich auf der fiktiven Insel “Sumerset” seltsamen Ritualen hingeben.

Mich faszinieren ja seit jeher ausgedachte Parallelwelten, vor allem wenn sie eine fiktive Kulturanthropologie beinhalten. Und da hat mir vor allem das letzte Kapitel mit dem ausgedachten Urvolk gefallen. Und ich bin schon gespannt auf den anderen Film von Ben Rivers den ich bald sehen werde.

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InesViennale’11: SACK BARROW und SLOW ACTION

Viennale’11: SONNENSYSTEM

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So, der erste Tag an dem drei Filme hintereinander dran sind. Es beginnt mit SONNENSYSTEM von Thomas Heise, einer Dokumentation über ein Dorf im argentinischen Hochland. Dort wird alles noch so gemacht wie vor etwa 100 Jahren: Leder bearbeitet, Tiere geschlachtet, Rinder mit Brandzeichen versehen, rituelle Umzüge über die Felder gemacht. Einmal wird ferngesehen, aber das geht nur weil dafür der Generator angeworfen wird.

Der Film beobachtet zuerst die Landschaft, dann das Dorf und seine Menschen. Es gibt lange Einstellungen, niemals einen Off-Kommentar, und es gibt keine Interviews. Die Einstellungen sind lang, die Tonspur meistens ruhig. ich merke dass ich manchmal ein bisschen ungeduldig werden, aber das liegt auch daran dass aus irgendeinem Grund ständig jemand im Publikum mit einem Plastiksackerl raschelt (doch dazu später in einem eigenen Posting mehr). Trotzdem nimmt mich der Film immer wieder gefangen, und zwar auch wegen der klugen Kameraführung. Mehrmals dreht sich die Kamera um 180 Grad, und man denkt zuerst “Na gut, Landschaft”, aber dann kommt ein Pferd oder ein Mensch ins Bild, und plötzlich wird aus der Landschaft ein durchkomponiertes Geschehen. Sehr spannend.

Sonnensystem/Solar System Trailer HD from Thomas Heise on Vimeo.

Ganz am Ende als man es schon nicht mehr erwartet macht der Film eine neue Ebene auf, und die fand ich atemberaubend. ACHTUNG SPOILER: Man sieht die Dorfbewohner bepackt über Stock und Stein und durch Wasser gehen und in einem Bus wegfahren. Dann kommt eine lange Einstellung mit dem einzigen Musikeinsatz im ganzen Film (eine moderne Version des Dies Irae), in dem man an nicht enden wollenden Slumhütten vorbeifährt. Ein Kontrast der stärker nicht sein könnte und ein Bild das ohne Erklärung zeigt wie vergänglich das ist was ich die ganzen 95 Minuten davor gesehen habe.

Ich wäre insgesamt mit weniger als 100 Minuten Spielzeit auch gut zurande gekommen, aber diese Wendung am Schluss war es wert, denn die ist wirklich erstaunlich. Einer der Kameramänner war übrigens René Frölke, dessen Film DIE FÜHRUNG ich vor einigen Tagen gesehen habe.

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InesViennale’11: SONNENSYSTEM

Viennale’11: MARTHA MARCY MAY MARLENE

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Heute nur ein Film, man muss ja auch mal arbeiten, dafür morgen dann drei. Auf dem Programm stand MARTHA MARCY MAY MARLENE. Meine Bürokollegin hatte den Film schon auf einem Festival gesehen und ihn gut gefunden. Und tatsächlich – die jüngste der Olsen Geschwister Elizabeth spielt die Hauptrolle und hat mit diesem Film zwar sicherlich nicht so viel Geld gemacht wie ihre Zwillingsschwestern, aber dafür beweist sie ordentlich Talent.

Die Geschichte ist schlicht (Mädchen flüchtet sich aus Kommune mit gehirnwaschendem Anführer zu ihrer älteren Schwester), die Umsetzung arthouse-typisch. Die Schnitte zwischen den beiden Zeitebenen (Zeit in der Kommune vs. Zeit nach der Flucht bei der Schwester) führen das Publikum gerne an der Nase herum. Manchmal nervt das weil der Film herzeigt wie clever er sein will, aber ab und zu funktioniert das erschreckend gut.

Besonders aufgefallen ist mir die Fokussiertheit von John Hawkes (das war der Schuhverkäufer in ME AND YOU AND EVERYONE WE KNOW). Er spielt den Kommunenhäuptling mit einer solchen verführerischen Präzision, dass man sich nicht wundert wenn ihm die Mädchen scharenweise folgen. Die Leichtigkeit mit der er die Gehirnwäsche durchführt und die Brutalität seiner Rituale um die Mädchen dann an sich zu binden, und das alles in ganz wenigen und kurzen Szenen – großartig.

Trotzdem hat mich der Film nicht so restlos überzeugt. Ich fand darin wenig das nicht in anderen Arthousefilmen dieses Kalibers schon gesehen hätte (WENDY AND LUCY schafft da manches noch konzentrierter). Das mag aber auch daran liegen dass bei mir der Filmfestivaleffekt schön langsam zuschlägt – je mehr Filme ich in der kurzen Zeit sehe umso strenger werde ich. Mal sehen was ich morgen schreibe, nachdem ich drei Filme hintereinander gesehen habe.

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InesViennale’11: MARTHA MARCY MAY MARLENE

Viennale’11: OSTENDE

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Ich gebe zu, ein Grund wieso ich mir den Film ansehen wollte war dass ich zwar die belgische Stadt Ostende kenne, aber nicht wusste dass es an der argentinischen Küste auch einen Ort namens Ostende gibt, und so heißt auch der Film der dort spielt: OSTENDE.

Von dem wenigen das ich am Anfang des Films von dem argentinischen Ostende sehen kann schließe ich dass es dort ebenso hässlich verbaut ist wie im belgischen Pendant, und auch das Wetter scheint in der Nachsaison vergleichbar unwirtlich zu sein. Der Großteil des Films spielt dann in einem Hotel. Eine junge Frau kommt dort hin, und während sie darauf wartet dass in wenigen Tagen ihr Freund nachkommen wird, beobachtet sie einen älteren Mann mit zwei jungen Frauen und gerät mit einem redseligen Kellner ins Gespräch, der ihr eine nicht unspannende Räuberpistole als mögliches Drehbuch für einen Film pitcht. Vielleicht ist es ja dieses Gespräch das sie dazu inspiriert sich für die Backstory des älteren Mannes zu interessieren, nachdem sie einen Streit zwischen ihm und einer seiner jüngeren Begleiterinnen beobachtet. Was läuft da zwischen den beiden? Plant jemand ein Verbrechen?

An einigen wenigen Stellen zeigt der Film sein Potential, da scheint etwas von David Lynch und Alfred Hitchcock durch, aber über weite Strecken blieb es für mich dann einfach die Geschichte einer jungen Frau die Menschen beobachtet und sich dabei so ihres denkt. Und das ist schade, ich bin nämlich überzeugt davon dass man aus dem schlichten Plot etwas sehr Vielschichtiges und Geheimnisvolles hätte machen können.

Beim nachfolgenden Publikumsgespräch erfahre ich dass die Autorenfilmerin Laura Citarella ein Budget von ca.5000 Dollar hatte und den Film von der ersten Idee bis zum ersten Festivalscreening in Buenos Aires innerhalb von einem knappen dreiviertel Jahr realisiert hat. Gefilmt auf einer Canon 7D, unter Einsatz von Gratisarbeit einer Gruppe von FreundInnen mit denen sie auch eine Firma hat und ihr Papa spielte gratis den älteren Mann im Film. Hut ab! Aber auf diverse Fragen aus dem Publikum wie denn dieses und jenes gemeint war sagt sie oft “Oh, this was just a joke between me and my friends” und “I have no idea about the backstory of these characters”. Das ist irgendwie entzückend, andererseits ist es nicht meine Herangehensweise. Kann sein dass ich das zu streng sehe, aber es braucht dieselbe Lebenszeit (und in dem Fall auch Selbstausbeutung) etwas Halbgares zu machen als zumindest die Chance zu nutzen mit dieser Zeit etwas Ausgereiftes, Großes zu schaffen.

Im übrigen habe ich das eine halbe Stunde bevor ich ins Kino ging mit einem befreundeten Kameramann diskutiert: Wenn ein formales Konzept oder eine toll klingende Idee nur um des Konzept willens eingesetzt wird übertüncht das oft den Kern der Films (oder verdeckt dass es keinen starken Kern gibt) und außerdem kommt mir die Sache dann oft beliebig vor. Aber darauf muss ich einmal näher eingehen, so verkürzt führt das jetzt nur zu Missverständnissen. Möglicherweise war aber genau dieses Gespräch der Grund wieso ich dann mit sehr gemischten Gefühlen dasaß und irgendwie fand dass da vielleicht etwas zu leichtfüßig eine Chance auf einen wirklich “großen” kleinen Film vertan wurde. Und dass eine gute Idee noch lange keine gute Geschichte ist.

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InesViennale’11: OSTENDE

Viennale’11: MELANCHOLIA

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Ist vielleicht eh ganz gut wenn mich der Weltuntergang in verschlafenem Zustand ereilt, dachte ich. Seit Tagen steuere ich auf Autopilot zwischen Kino, Arbeit, Essen und Schlafen hin und her, da kommt es auf eine Vorstellung von MELANCHOLIA um 11 Uhr vormittags auch nicht mehr an.

Der Film beginnt dann auch gleich ganz bombastisch mit Klängen von Wagner und in Zeitlupe gefilmten albtraumhaften tableaux vivants. Und er nimmt das unausweichliche Ende vorweg, aber das kennt man ja auch spätestens seitdem die ersten Kritiken und der Trailer heraus sind: Am Ende ist nichts gut.

Dann beginnt eine Geschichte über eine Hochzeit, zwei Schwestern und eine Gefahr aus dem Weltall, aber worauf das ganze für mich letztlich hinausläuft ist die Aussage dass sich die Menschen viel wichtiger nehmen als sie eigentlich sind. Carl Sagan hat das einmal in Kombination mit diesem Foto so formuliert: “All of human history has happened on that tiny pixel (shown here inside a blue circle), which is our only home”. Wir sind tatsächlich nicht mehr als ein winziger Pixel in einem fast unendlichen Raum, und die Chancen dass wir die einzigen sind liegen gut. Womit wir übrigens wieder beim Thema der Relationen wären.

Lars von Trier zwingt mich in einem Sog von alptraumhaften Emotionen und Bildern zu dieser Conclusio, und bis auf einige überpathetische Einstellungen lasse ich mich gerne dorthintreiben. Denn letztlich schwebt da bei aller Härte auch ein gewisses einfühlsames Mitgefühl mit unserer Spezies mit, und bei allem Apokalyptischen haben die Bilder auch immer wieder eine tiefe Schönheit. Nach dem Film bin ich atemlos und bleibe noch lange in der Atmosphäre gefangen.

Unter anderem weil es im zweiten Teil des Films eine Sequenz gibt in der Kirsten Dunst das Krankheitsbild der Depression enorm eindringlich darstellt. Und es macht mich wütend dass in so vielen Kritiken steht die Figur Justine würde einer unerklärlichen Melancholie anheimfallen. Nein. Sie hat eine schwere Depression, und nicht nur dass Kirsten Dunst das sehr wahrhaftig spielt, sondern auch die Reaktionen der Menschen die ihr am nächsten stehen stimmen genau: “Reiß dich zusammen”, “Mach keine Szene” hört sich Justine an, während sie nicht einmal mehr in der Lage ist ihren Fuß zu heben oder die Augen zu öffnen. “Unerklärlicher Anflug von Melancholie”, my ass.

Fazit: Auch wenn ich bei bestimmten Bildern nicht mehr mitkonnte weil sie mir zu überladen waren hat mich die Wucht dieses Films volle Breitseite erwischt und immer noch nicht losgelassen. Und das gefällt mir sehr.

P.S.: Ich verleihe hiermit noch zwei Preise, und zwar den einen an Charlotte Rampling für die präziseste Darstellung einer in ihrer eigenen Kälte gefangenen Mutter und den zweiten an Udo Kier für die beste sich wiederholende Handbewegung ever.

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InesViennale’11: MELANCHOLIA

Viennale’11: PROGRAMM 2: E LIKE ENTER

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Draußen sitzen die herbstlichen Nebelschwaden tief zwischen den Häusern und ich habe Mühe mich am Abend schläfrig aus der geheizten Wohnung ins Kino zu bewegen. Mit einer kleinen Sehnsucht sehe ich der “Pocket Coffee” Werbung nach die an der U-Bahn-Türe klebt. Aber Kneifen gilt nicht, schon gar nicht am Anfang der Viennale. Zum Glück werden die Kisten am Eingang zum Kinosaal gerade mit den kleinen Drageekeksisackerln aufgefüllt die der Viennalesponsor sponsert, überhaupt werden diese Drageekeksi schön langsam zu meiner Hauptnahrungsquelle. Solchermaßen gestärkt setze ich mich ins Kino und weiß gar nicht so genau was mich erwartet. Und es wird unverhofft etwas sehr Schönes daraus.

E LIKE ENTER ist ein klug kuratierter Abend aus vier Filmen die sich mit dem Zugang zu moderner Kunst beschäftigen, und zwar einerseits wörtlich, andererseits metaphorisch. Den Beginn macht der Zusammenschnitt einer Dokumentation der Performance Imponderabilia von Marina Abramovic und ihrem damaligen Partner Ulay in einer italienischen Galerie im Jahr 1977. Die beiden hatten damals den Eingang architektonisch auf einen knappen Durchlass verengt, stellten sich nackt mit dem Gesicht zueinander als Türrahmen auf, und jeder der die Galerie betreten wollte musste sich zwischen den beiden durchquetschen. Was auf dem Film zu sehen ist sind Menschen, die sich fast immer der Frau zuwenden (man kommt nämlich nur seitlich vorbei und muss sich zu einem der beiden drehen), die manchmal kurz verweilen, denen es peinlich ist, die es lustig finden, und kaum einer schaut ihm oder ihr je in die Augen. Ein Zugang zur Kunst der durch das Reiben an nackten Körpern zustande kommt, ein schlichtes und wirkungsvolles Konzept. Ulay ist nach dem Film auch da und erzählt sehr spannende Sachen über Performancekunst, aber ich will es hier ja kurz und bündig halten, deswegen nur so viel für die, die das intensiver interessiert: Heute, Montag (24.10.) findet um 15h im Künstlerhaus ein Gespräch zwischen Ulay, Carola Dertnig und Stefanie Seibold statt.

Der nächste Film ist eine Reportage über die Op-Art-Ausstellung THE RESPONSIVE EYE (der Link inkludiert den Film), die 1965 im MoMa in New York stattfand. Gedreht wurde das von Brian de Palma, zu Wort kommen der Kurator William Seitz, weiters der enthusiasmierte Filmtheoretiker Rudolf Arnheim sowie diverse VernissagenbesucherInnen, unter ihnen David Hockney (der diese Art von Kunst übrigens nicht ausstehen kann). Eine spannende Momentaufnahme, besonders wenn man sie jetzt retrospektiv betrachtet.

Jetzt kommt ein sehr kurzer Film von Kurt Kren namens DAS FEST. Wackelige Zeitrafferaufnahmen und unscharfe Bilder mit einem Stimmengewirr auf der Tonebene beschreiben ein Fest im Museum für Angewandte Kunst. Satte Farben, Chaos und Lärm. “Die Trunkenheit des Publikums ist in Krens persönliche Filmsprache übersetzt.” sagt das Viennale-Programm dazu. Mir bleibt das eher fremd, aber macht nichts.

Zum Abschluss läuft der Dokumentarfilm DIE FÜHRUNG von René Frölke. Darin geht es um den Tag an dem der damalige deutsche Bundespräsident Horst Köhler 2008 die renommierte Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe besucht. Die Werkstätten und Räume sind aus Sicherheitsgründen leer, bis auf einen Studenten der dem Bundespräsidenten und seiner Entourage eine Performance vorführen darf. Der Rektor Peter Sloderdijk, der Professor Peter Weibel und der Herr Bundespräsident bemühen sich um intelligente Konversation, versuchen sich teilweise in ihrer Argumentation zu übertrumpfen, sie sprechen von Realwirtschaft und von Kunst und interpretieren die Performance des einsamen Studenten auf eine Weise, dass dieser keine Antwort mehr parat hat. Eine entlarvende Groteske zwischen Männern (denn außer einer Sekretärin bleibt die Führung frauenlos) in sprichwörtlichen Führungspositionen, fokussiert durch eine konzentrierte Tonebene und sehr nahe schwarz-weiß-Bilder. DIE FÜHRUNG läuft nochmals am 28. und 29.10. im Rahmen eines anderen Kurzfilmprogramms, und ich empfehle es. Hier der Trailer:

Fußnote: Der erste Film zeigt dass die Brillenmode 1977 ganz abscheulich war und der zweite dass man 1965 sehr veritabel aufgeputzt zur Vernissage ins MoMa ging. Auch interessant.

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InesViennale’11: PROGRAMM 2: E LIKE ENTER

Viennale’11: ALPIS

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Mein vierter Film bei der heurigen Viennale und schon wieder ein guter. Ich werde langsam skeptisch. Allerdings ist meine Filmauswahl zugegebenermaßen wenig progressiv und tendiert in Richtung Festivalblockbuster, da hätten mich totale Nieten auch irgendwie überrascht.

ALPIS ist ein griechischer Film, und er ist merkwürdig und ein wenig spröde, und vor allem ist dieser Film intelligent. Er spielt mit dem Zuseher indem er einen vor Rätsel stellt. Die Antworten auf die Fragen kommen peu à peu mit gutem dramaturgischem Timing.

Und während ich noch nachdenke wie in dem Film meine Antwort auf die eine Frage mit den anderen die er aufwirft eigentlich zusammenhängt und ob das jetzt wohl so oder so ist, variiert die Erzählung die große Frage welche Rolle wir in unserem eigenen Leben einnehmen dermaßen gekonnt weiter, dass ich in einem Strudel von Spiel und Ernst hineingezogen werde und am Ende verstört und irritiert aus dem Kino ins Licht der Welt trete. Aber nichts ist mir lieber als mich von so einem Film am Sonntagmorgen verstören und irritieren zu lassen.

Dass mich das festivalaffine griechische Gegenwartskino irritieren kann weiß ich schon von ATTENBERG, wobei ich zugeben muss dass mir der Festivalhype da nicht so ganz eingeleuchtet hatte – ich konnte damit viel weniger anfangen als mit ALPIS.

Einen interessanten Einblick in die momentane Situation der griechischen Film”förderung” (die im Grunde nicht mehr vorhanden zu sein scheint) gibt übrigens dieses Celluloid-Interview mit dem ALPIS-Regisseur Yorgos Lanthimos:

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InesViennale’11: ALPIS

Viennale ’11: EINE SERIE VON GEDANKEN

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2007 habe ich eher zufällig den Film SCHINDLERS HÄUSER von Heinz Emigholz auf der Viennale gesehen. Und ich war sehr fasziniert wie sehr mich die konzeptlastige Herangeshensweise des Films in ihren Bann gezogen hat. Außer hintereinandergeschnittenen Einstellungen von Häusern im drei- bis vier-Sekundentakt sieht man da nämlich nichts. Kein Voiceover, nur Atmo-O-Töne. Das aber dafür eineinhalb Stunden lang. Und irgendwie habe ich da mehr über Architektur erfahren als in Dokumentationen in denen alles mit Sprache erklärt wird. Seitdem schaue ich mir Filme von Heinz Emigholz an wenn es sich ergibt.

EINE SERIE VON GEDANKEN hat nur zum Teil mit Architektur zu tun. Der Film besteht aus vier in sich abgeschlossenen Kapiteln: Eine Interpretation eines Gemäldes von El Greco in Toledo, ein Kapitel über den brasilianischen Fußballer Leonardo, die Betrachtung einer Fotografie eines US-Flugzeugträgers aus dem Jahr 1944 und eine Studie des neu gebauten Museums Folkwang in Essen.

Die Zusammenhänge haben sich aber dieses Mal bei mir nicht so wirklich hergestellt. Teilweise fand ich die Texte interessant, aber weshalb das Voice Over zum Teil von Menschen mit starken englischen oder französischen Akzenten gesprochen wurde war mir nicht klar (und ich fand es offen gestanden anstrengend). Bild-Ton-Scheren mag ich normalerweise, deshalb war ich fast verwundert wieso mich der Film so sehr außen vor ließ. Irgendwie konnte ich diesmal nicht mit. Na, vielleicht nächstes Jahr wieder.

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InesViennale ’11: EINE SERIE VON GEDANKEN

Viennale ’11: THE FUTURE

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Und weiter geht es mit einem Festivalblockbuster. Aber Blockbuster hin oder her – auf THE FUTURE freue ich mich schon seit Monaten. Ich mag Miranda July. Sehr. ME AND YOU AND EVERYONE WE KNOW war eine große Überraschung für mich als ich ihn 2005 zufällig bei der Viennale entdeckt hatte und er zählt nach wie vor zu meinen Lieblingsfilmen.

THE FUTURE hat einen anderen Tonfall als ME AND YOU. Er ist zwar auch kurios und “whimsical”, aber tief drinnen wird es existenziell und düster. Und das ist ein besonderes Kunststück wie ich finde, denn die Hauptfiguren sind zwei Hipster (oder “Bobos”, wie sie in Wien heißen würden) wie sie im Buche stehen. Sie sind beide entzückend “quirky”, wie halt die Figuren in diesen ganzen Independentkomödien à la JUNO etc. daherkommen. (Hamish Linklater und Miranda July haben sogar fast dieselbe Frisur, wie süß ist das denn bitte?)

THE FUTURE von MIRANDA JULY

Und dann passiert eine Kleinigkeit die das unbeschwerte Leben der beiden aus den Fugen geraten lässt, nicht mal so sehr äußerlich sondern mehr innerlich. Und das kreative Hipsterleben bekommt Risse, auf eine für mich sehr nachvollziehbare Weise. Und am Ende ist der Film wunderbar. Und quirky. Und whimsical. Und existenziell. Und berührend. Und überhaupt so schön und gut und wahr. Hach.

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InesViennale ’11: THE FUTURE

Viennale’11: DRIVE

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Mein erster Viennalefilm ist heuer gleich ein (Festival-)Blockbuster. Das Internet überschlägt sich wegen DRIVE, aber ich bleibe skeptisch. Nicht dass es mir mit dem Film so geht wie damals mit BLACK SWAN, bei dem sich nicht nur das Internet, sondern auch sämtliche FilmkritikfreundInnen überschlagen haben als sie aus den Pressevorführungen rauskamen. Ich war dann die einzige der der Film nicht gefallen hat. Schön blöd.

Und dann sitze ich im Kinosaal, der Film beginnt, und schon die ersten Minuten ziehen mich so hinein dass ich nicht mehr zurück kann.

DRIVE von Nicolas Winding Refn mit Ryan Gosling

Der Film erzählt enorm ökonomisch, er ist “cut to the bone” und nimmt sich trotzdem Zeit für die Figuren, obwohl man im Grunde wenig über sie erfährt (wie das alles zusammenpasst muss ich mal in Ruhe genauer analysieren). Und dieser Film atmet. Und zwar so geschmeidig, dass es kein einziges Mal holpert. Vieles wird über Auslassungen erzählt und die Figuren sind wortkarg. Wären da nicht die amerikanischen Schauspieler würde ich sofort denken “europäisches Arthousekino”, und das stimmt ja auch irgendwie, denn der Regisseur Nicolas Winding Refn ist Däne und hat sich zuerst in seiner Heimat einen Namen gemacht bevor er in Amerika diesen großen Wurf hingelegt hat.

Achso, der Schnitt, die Kamera, die Musik – bei DRIVE stimmt alles. Und obwohl die Geschichte für meinen Geschmack stellenweise extrem blutig ist muss sie einfach genau so erzählt werden.

Bei uns läuft der Film erst Ende Jänner 2012 an. Ich schaue ihn mir dann sicher nochmal an.

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InesViennale’11: DRIVE