Storytime: Ein Tagebuch, ein 360 Grad Film und Drehbücher galore

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Geschichten spielen in meinem Leben eine große Rolle. Deswegen stolpere ich auch immer wieder über welche, und zwar oft so nebenbei. Dort sind immer wieder Perlen dabei, und die sammle ich jetzt auf und poste sie in unregelmäßigen Abständen hier im Blog. Wär ja sonst schade drum. Also, los gehts!

Der Autor Daniel Wisser hat auf seiner Website eine Tagebuchgeschichte in mehreren Kapiteln aufgeschrieben. Es geht um jemanden, der unversehens zwischen zwei Zeiten herumspringt. Quasi Zeitreise, aber das Wort darf man nicht sagen, meint die Geschichte. Aber lest doch selbst: http://www.danielwisser.net/2017/01/10/undo-index/

Ach ja, apropos Daniel: Am 3. März 2017 erscheint sein neues Buch „Löwen in der Einöde“ bei Jung und Jung. Am 10. März ist die Buchvorstellung im Literaturhaus Wien. Und hier erzählt er euch schon mal einen Ausschnitt aus der Geschichte:

 

Bei den Oscars ist in der Kategorie „Bester animierter Kurzfilm“ ein 360 Grad Film namens „Pearl“ nominiert, und man kann ihn in ganzer Länge auf Youtube anschauen. Organisiert euch dafür am besten ein Google Cardboard, oder seht es zumindest auf einem mobilen Gerät in der Youtube App an. Because Immersion. (Ganz zur Not gehts auch in einem Chrome Browser am Computer.)

Patrick Osborne: Pearl

Patrick Osborne: Pearl

(Klickt aufs Bild, um zum Video zu gelangen.)

Ich mag daran übrigens, dass die Geschichte zwar simpel, aber gut erzählt ist. Sonst ist bei sowas ja oft der technische Effekt wichtiger als die Story.

 

Ach ja, und betriebsblind wie ich bin, vergesse ich natürlich zwischendurch immer wieder, dass Menschen außerhalb der Filmbranche nicht wissen, wie ein Drehbuch geschrieben wird. Also im Sinn von: Wie lang ist es, wie ist es formatiert? Deswegen gibts hier noch zwei Drehbuchlinks für die verschneiten Februarabende:

Hier sind die Drehbücher der ersten Staffel „Sherlock“.

Und hier sind viele der oscarnominierten Filme aus der aktuellen Saison. Es ist übrigens gscheit, wenn man sich die PDFs runterlädt. Sie sind legal, aber die Studios nehmen sie oft nach einiger Zeit wieder aus dem Netz.

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Kreatives Schreiben: Weekend Writing #30

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Letzte Woche hatten wir einen riesigen Hasen, und heute gibt es wieder eine animalische Inspiration. Und zwar in Form eines Krokodils, fotografiert von John Drysdale. Ich bin schon gespannt, welche Geschichten eurer Meinung nach hinter dem Foto stecken!

Für alle, die zum ersten Mal bei der Weekend Writing Challenge dabei sind: Es geht darum, dass ich hier immer am Samstag ein Foto als Inspiration für eine kurze Geschichte poste. Ihr könnt eure Texte einfach hier in den Kommentaren posten, gerne auch anonym. Ich freue mich übrigens nicht nur, wenn ihr mitmacht, sondern auch wenn ihr es (im Netz) weitererzählt. Je mehr Menschen mitmachen, umso besser!

Weekend Writing Challenge #30; Foto: John Drysdale

Weekend Writing Challenge #30; Foto: John Drysdale

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was bzw. wer im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Wenn ich selbst mitmache, korrigiere ich einige Formulierungen, für die mir ad hoc beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele? Was haben sie bereits erlebt?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet (z.B. auf eurem blog) postet, hinterlasst doch den Link hier in den Kommentaren. oder kopiert den Text in den Kommentar, gerne auch unter einem Pseudonym. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Für alle WienerInnen: Ich gehe einmal im Monat zu einem Creative Writing Abend bei Barbara Stieff, wo wir uns im informellen Rahmen zum Schreiben treffen. Dabei steht das Ausprobieren und der spielerische Umgang mit Sprache im Mittelpunkt. Also kein Druck, es geht um den Spaß und den Prozess des Schreibens, wie bei dieser Übung. Wer mitmachen möchte, schreibt mir einfach eine Mail, ich leite es dann an Barbara weiter.

Für alle, die die Challenge im Internet teilen wollen: Unser Hashtag lautet #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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InesKreatives Schreiben: Weekend Writing #30

Hinter den Fotos

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Bei meiner wöchentlichen Weekend Writing Challenge geht es darum, den Menschen auf den Fotos ausgedachte Geschichten anzudichten. Als ich selbst noch mitgemacht habe, erkannte ich bald ein Muster: Meine Figuren hatten immer ein Geheimnis. Manchmal eine Sehnsucht, oft etwas sehr Konkretes, das sie verstecken mussten. Etwas, das außerhalb der erwarteten gesellschaftlichen Norm liegt. Das hat mich immer schon interessiert: Worum geht es hinter der Fassade, was ist die Geschichte hinter dem Offensichtlichen? Oder besser: Was könnte sie sein? Denn die Realität ist ja meistens weitaus banaler als man es sich wünscht. Manchmal aber auch nicht.

Margret: Chronik einer Affäre.

Margret: Chronik einer Affäre.

Heute bin ich auf einen Artikel gestoßen, in dem es um eine reale Geschichte geht, die so merkwürdig klingt, dass ich sie manchmal für ausgedacht halte. Sie geht so: 1969 beginnt der deutsche Geschäftsmann Günther K. eine Affäre mit der ebenfalls verheirateten Margret S.. Er dokumentiert jedes Treffen mit buchhalterischer Akribie, macht zahlreiche Fotos, schreibt Berichte, in denen er jede Stellung beim Sex aufzeichnet, jedoch mit einer leidenschaftslosen Sprache. Günther K. sammelt die leeren Verpackungen der Verhütungspillen von Margret S., eine Haarlocke und sonstige Devotionalien, und sie posiert in den Kleider, die er ihr gekauft hat.

Margret: Chronik einer Affäre.

Margret: Chronik einer Affäre.

Der Aktenkoffer mit den Dokumenten wird bei einer Wohnungsauflösung gefunden, aus seinem Inhalt entstehen eine Ausstellung und ein (leider vergriffenes) Fotobuch.

Margret: Chronik einer Affäre.

Margret: Chronik einer Affäre.

Was mich nicht loslässt, ist die Psychologie hinter den Aufzeichnungen. Diese Gewirr aus psychischen Spielen, aus Obsession und Abhängigkeit, aus dem Gefallen am Begehrtwerden einerseits, und der unheimlichen Lust an der Kontrolle andererseits. Und natürlich meine Position als Voyeurin. Ein Dreieck, das mich sehr fasziniert, wie überhaupt das Thema Found Footage ein interessantes ist, z.B. die Geschichte der Fotos von Vivian Maier.

Es gibt viele (Kurz-)Filme aus Found Footage Material, die entweder neue Erzählungen generieren, oder sich mit der Geschichte hinter dem Material auseinandersetzen. Ich habe gerade nur Bildfetzen im Kopf, die von Filmfestivals übrig geblieben sind. Stichworte: Amateurfilmszene, ersteigerte oder am Flohmarkt gefundene Koffer mit Filmen oder Fotos usw. Spontan fällt mir z.B. der Film „Die Souvenirs des Herrn X“ des österreichischen Filmemachers Arash T. Riahi ein.

Kennt ihr ähnliche Geschichten über gefundene Fotos, Dokumente, Bilder? Fallen euch Kunstprojekte ein? Filme? Ich suche nicht unbedingt Arbeiten, in denen die Bilder auf Found Footage getrimmt sind, also gefaktes Material, wie man es z.B. bei Mockumentaries wie „Blair Witch Project“ oder „Paranormal Activity“ eingesetzt hat, sondern wirkliche gefundene Bilder, Filme und Dokumente. Ich finde das Thema spannend. Wenn euch weitere Projekte einfallen, hinterlasst mir doch Links in den Kommentaren, Dankeschön!

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InesHinter den Fotos

36 Fragen um sich kennen zu lernen oder: Wie man sich in seine Figuren verliebt

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Zur Zeit macht ein soziales Experiment die Runde. Es geht um die Frage, ob man sich in jeden Menschen verlieben kann, wenn man gemeinsam Zeit verbringt – also ein Date hat -, sich dabei gegenseitig 36 Fragen beantwortet, und sich im Anschluss 4 Minuten in die Augen sieht.

Theorie und Praxis sagen: Ja, das funktioniert. Hier ist der ausführliche Originalartikel aus der New York Times auf Englisch (lesenswert!), und hier die ganze Studie als PDF (ebenfalls auf Englisch). Warum das im Detail funktioniert, habe ich nicht recherchiert, aber es liegt für mich auf der Hand, dass man sich bei diesen Fragen öffnen muss. Man macht sich verletzbar. Das schafft Vertrauen und Zuneigung. Und es erinnert mich an eine kürzlich veröffentlichte Studie, in der Menschen, die sich gegen die Heirat von schwulen Paaren aussprachen, mit schwulen Menschen, die dafür waren, sprachen. Gemessen wurde, wie lang es dauerte, bis das Gespräch die Einstellung des Menschen, der gegen die Heirat war, reduzierte. Nach 20 Minuten war es so weit. Und die neue Haltung dieser Menschen strahlte auch auf die in ihrer Umgebung aus. So viel zum Thema miteinander reden und zuhören.

36 ways to find a lover, © Ines Häufler 2015

36 ways to find a lover, © Ines Häufler 2015

 

Als ich mir den Artikel durchgelesen hatte, habe ich mir die Frage gestellt, wann ich das letzte Mal mit meinen Figuren so ein Date hatte. Es gibt da nämlich eine Übung, die ich AutorInnen mit auf den Weg gebe, wenn ich feststelle, dass die größte Baustelle in die Figuren sind – beziehungsweise die Tatsache, dass man sie und ihre Motivationen viel zu wenig kennt, und deshalb in Klischees und Eindimensionalität abrutscht.

Die Übung geht so: Lass die Figur einen Ort aussuchen, der ihr wichtig ist. Gehe mit ihr dort hin. Trinke mit ihr ihr Lieblingsgetränk, stelle ihr Fragen und höre gut zu. Wie echte Menschen tendieren übrigens auch fiktionale Figuren dazu zu lügen. Vor allem am Anfang eines Gesprächs ist kaum jemand ehrlich – man will sich ja beim ersten Date keine Blöße geben. Hört deswegen genau hin, seid verständnisvoll, und fragt ab und zu nach: „Ah, interessant, wie du das siehst. Warum genau denkst du so darüber?“ Warum ist ja das Zauberwort schlechthin für interessante Figuren, und das gilt auch für diese Übung. Spätestens nach der 5. Warum?-Frage stößt man auf die Wahrheit, auch wenn es um Emotionen und Motivationen geht.

So ein Gespräch kann sich um ein spezielles Thema drehen, ganz am Anfang einer Stoffentwicklung ist es aber vielleicht wirklich interessant, sich mit allen 36 Fragen des Experiments zu spielen.

Ich habe hier einige herausgepickt, die ich besonders gut für die Übung finde. War gar nicht so einfach – am besten schaut ihr euch die ganze Liste durch, und testet alle Fragen mit der Figur, an der ihr gerade arbeitet. Hier ist trotzdem mein Best Of:

  • Wie würde dein perfekter Tag aussehen?
  • Wenn du etwas daran ändern könntest, wie du aufgezogen wurdest, was wäre das?
  • Erzähle deinem Gegenüber innerhalb von 4 Minuten deine Lebensgeschichte – so detailreich wie möglich!
  • Wenn du morgen aufwachst und eine Eigenschaft oder Fähigkeit dazu gewonnen hast, welche hättest du dann gerne?
  • Gibt es etwas, von dem du schon lange träumst, es zu tun? Warum hast du es noch nicht getan?
  • Was ist deine größte Leistung in deinem Leben?
  • Was ist deine wertvollste Erinnerung?
  • Was ist deine schrecklichste Erinnerung?
  • Wenn du wüsstest, dass du in einem Jahr plötzlich sterben wirst, würdest du irgendetwas daran ändern, wie du jetzt lebst? Warum?
  • Was bedeutet dir Freundschaft?
  • Wie ist die Beziehung zu deiner Mutter?
  • Teile einen peinlichen Moment deines Lebens.
  • Wann hast du zuletzt vor einer anderen Person geweint? Und wann alleine?
  • Was ist zu ernst, so dass man darüber keine Witze machen sollte?
  • Dein Haus und darin alles, was du besitzt, brennt. Menschen und Tiere sind in Sicherheit und du hast die Möglichkeit noch 1 Ding zu retten. Was wäre das und wieso?

Was habt ihr für Methoden, um die Figuren in euren Geschichten besser kennen zu lernen? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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Ines36 Fragen um sich kennen zu lernen oder: Wie man sich in seine Figuren verliebt

Frank Spotnitz: Der Point Of View beim Drehbuchschreiben

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Frank Spotnitz am 4.12.2014 in Wien

Frank Spotnitz am 4.12.2014 in Wien

Der Mann. Die Frau. Der Mann. Die Frau. Der Hai. Die Frau. Der Hai. Die Frau. Das Meer. Das ist aus der Anfangssequenz von „Der weisse Hai“, und ein sehr gutes Beispiel für den Spannungsaufbau durch den Wechsel des Point Of View in einer Szene. Und genau darüber hat der amerikanische Showrunner und Drehbuchautor Frank Spotnitz (The X-Files, Hunted) am 4. Dezember auf Einladung des Drehbuchforum Wien in einer Lecture gesprochen.

Ich habe hier drei Aspekte herausgepickt, die für eure Schreibpraxis interessant sein könnten.

1. Stellt eine emotionale Bindung her

Gleich zu Beginn sollte man sich folgende Frage stellen: Welche Situation gibt es, die aus dem Leben gegriffen ist, und mit der ich Empathie beim Zuseher hervorrufen kann? Das spielt auf eine Grundfrage in der Beziehung zwischen der Geschichte und dem Leser oder Zuseher an, die ich sehr wichtig finde: „Why should I care?“ – „Was geht mich das an?“.

Dabei geht es nicht darum, dass die Figur durchgehend sympathisch sein muss. Im Beispiel „Der weisse Hai“ beginnt die Szene mit einer Party am Strand. Der junge Mann ist betrunken und rennt einer jungen Frau hinterher. Selbst wenn man Betrunkensein blöd findet, erkennt man die Situation „wir haben auf einer Party Spaß und machen was Verrücktes“ wieder. Jeder dürfte sowas schon mal erlebt (oder zumindest erträumt) haben. Durch die Perspektive sind wir beim Mann und bei der Frau und haben Zeit, eine emotionale Bindung aufzubauen.

Empathie: Check. Nebenwirkung: Die Ausgelassenheit der beiden überträgt sich auf uns, wir sind nicht in Alarmbereitschaft. Umso stärker wirkt der spätere Angriff des Hais aus uns.

2. Was wissen wir, wovon der Held oder die Heldin nichts mitbekommen hat?

Hier geht es um „dramatic irony“. Das ist ein sehr mächtiges Werkzeug zum Spannungsaufbau, und besagt, dass wir als Zuseher etwas wissen, das der Held oder die Heldin nicht weiß. So wie wir im Beispiel oben durch den kurzen Perspektivenwechsel auf den Hai die Bedrohung bereits kennen, während das Opfer noch ahnungslos im Wasser herumschwimmt.

Als Beispiel brachte Frank Spotnitz einen Ausschnitt aus dem Showdown von „Das Schweigen der Lämmer“, wo wir zuerst Clarices Perspektive einnehmen (teilweise sogar mit einer stark subjektiven Kamera). In der Finsternis sind wir dann genauso orientierungslos wie sie. Dann wird das Nachtsichtgerät eingeschaltet – und wir realisieren: Wir sind im Kopf des Killers und haben seinen Point of View. Wir beobachten dadurch die Hauptfigur, mit der wir sympathisieren, und sind gleichzeitig ihr Angreifer, den Clarice selbst noch nicht wahrgenommen hat. Ein wirklich guter Einsatz des Perspektivwechsels, der bereits ins Drehbuch hineingeschrieben wurde.

3. Intro – Konflikt – Outro

Das hat jetzt nicht so viel mit dem Perspektivwechsel zu tun, aber mir gefiel das als konkretes Werkzeug gut. Frank Spotnitz hat gesagt, dass er bei der Arbeit im Writer’s Room zu jeder Szene drei Fragen stellt:

  1. Wie steigen wir in die Szene ein?
  2. Was ist der Konflikt?
  3. Wie kommen wir aus der Szene heraus?

Das gilt sowohl für einzelne Szenen, als auch für die gesamte Geschichte, und es schiebt das Nachdenken über die Perspektive an.

Und dann kam in einem Nebensatz noch etwas besonders Schönes. Er fordert die Autoren jeden Morgen auf, die Geschichte (den Plot) zu erzählen. Und zwar nicht technisch, als eine Abfolge von äußeren Handlungen, sondern als würde man sie am Lagerfeuer erzählen. Also packend, emotional, fesselnd. Damit kommt man erstens in Stimmung fürs Weiterschreiben, und außerdem entdeckt man dadurch die Stellen, an denen es noch hakt. Und die, die funktionieren.

Es gab dann in der Publikumsdiskussion noch eine sehr spannende Auseinandersetzung zur Frage, wie man das alles im Drehbuch verankert, ohne der Regie die Arbeit wegzunehmen oder andererseits eine äußerliche und nur rein technische (also emotionsbefreite) Beschreibung abzuliefern. Aber das ist für mich ein so wichtiges Thema, dass ich darüber einen eigenen Blogeintrag schreiben werde.

Denkt ihr bewusst über die Perspektive als narratives Stilmittel nach? Und wie setzt ihr das konkret im Drehbuch um? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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InesFrank Spotnitz: Der Point Of View beim Drehbuchschreiben

Smart Content Day 2014

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Tut mir leid, dass der Throwback Thursday heute entfallen ist, aber ich war den ganzen Tag beim Smart Content Day und habe mir viel spannenden Input zum Thema Content Marketing abgeholt.

Für mich ist es immer noch interessant, wie viele Dinge ich durch die jahrelange Drehbucharbeit verinnerlicht habe, die aber offenbar in der Marketingwelt beim Thema „Storytelling“ noch neu zu sein scheinen. Andererseits lerne ich hier viele Marketingbegriffe, die wiederum mir neu sind. Ich werde darüber mal ausführlicher schreiben. Inzwischen habe ich eine Auswahl aus den vielen Tweets und Blogeinträgen mit dem Hashtag #smartcontentday auf Storify gepostet.

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InesSmart Content Day 2014

Das Gefühl am Ende

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Ich bin gerade über diesen Tweet von Katherine Fugate gestolpert.

Stimmt.

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InesDas Gefühl am Ende

Kreatives Schreiben: #weekendwriting

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Nachdem die Übung für das Kreative Schreiben bei meinem letzten Storytelling Workshop für Digitalista so gut angekommen ist, habe ich beschlossen, sie hier im Blog weiterzuführen.

Ich werde immer am Samstag ein Foto aus meinem Fundus als Inspiration für eine kurze Geschichte posten. Meine eigene Story stelle ich am Sonntag hier ins Blog. (Update: Hier ist sie.)

Creative Writing Prompt

Hier kommt die Anleitung:

  1. Stell dir einen Timer (Küchenuhr, Handywecker…) auf 5 Minuten. Bereit?
  2. Schau dir das Foto 5 Minuten lang genau an. Die Menschen, die Körperhaltung, die Gegenstände. Was ist im Zentrum, was im Hinter- oder Vordergrund? Entdecke die Details, studiere die Gesichtsausdrücke. Was könnte die Geschichte zum Foto sein?
    Pling! Die 5 Minuten sind um.
  3. Stelle jetzt den Timer auf 15 Minuten. Los gehts mit dem Schreiben!
  4. Schreibe eine kurze Geschichte. Da die Zeit begrenzt ist, eignen sich Momentaufnahmen, Vignetten, Augenblicke, Kurzgeschichten, Gedankenströme besser als lange, epische, romanhafte Ansätze. Und denk nicht zu lange nach! Es geht hier weniger um den Kopf als um die Intuition.
  5. Pling! Fertig.

Achtung: Es geht hier nicht um Perfektion, sondern um den Spaß am Schreiben. Deshalb halte ich mich nach den 15 Minuten auch nur sehr kurz mit dem Umschreiben auf. Ich korrigiere Formulierungen, für die mir ad hoc  beim Durchlesen doch etwas besseres einfällt, aber im Großen und Ganzen lasse ich die Geschichten so, wie sie beim ersten Wurf entstehen und stelle sie eher „roh“ ins Blog.

Euch fällt nichts ein? Hier einige Fragen, die deiner Fantasie auf die Sprünge helfen können:

  • In welcher Beziehung stehen die Personen zueinander?
  • Wer hat das Foto gemacht, in welcher Beziehung steht die Person zu denen auf dem Foto?
  • Erzählt jemand etwas über die Personen auf dem Bild, oder ist eine Person vom Foto der Erzähler?
  • Wer ist die Hauptfigur, wie heißt er/sie, welchen Background hat er/sie?
  • Welche Erwartungen haben die Personen, was hoffen sie, was befürchten sie? Was sind ihre Lebensträume und Ziele?
  • Was ist der Konflikt, das Dilemma, das die Person gerade hat?
  • Was ist vor der Aufnahme passiert, und was passiert, nachdem der Auslöser gedrückt wurde?
  • Was oder wer steht außerhalb des Bildausschnitts?
  • Wie ist die Stimmung der Personen? Ändert sie sich in der kurzen Geschichte?
  • Wie riecht es, ist es warm oder kalt? Friert die Person, ist ihr heiß?

Wenn ihr eure Geschichte im Internet postet, hinterlasst doch den Link hier in die Kommentare. Ich freue mich natürlich auch, wenn ihr diesen Artikel auf Facebook und Twitter teilt – es wäre schön, wenn so viele wie möglich mitmachen und diese Form des Weekend Writing ein Fixpunkt im kreativen Internet wird. Aber das überlasse ich der Zukunft. Jetzt geht es los – viel Spaß beim Schreiben!

Achso, ein Hashtag wäre auch noch gut. Hier ist er: #weekendwriting. Er wird bereits von AutorInnen im Netz benutzt, da passt unsere Übung gut dazu.

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InesKreatives Schreiben: #weekendwriting

Kreatives Schreiben: Der Fall Anna W.

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Gestern habe ich mit den Teilnehmerinnen meines Workshops „Hollywood Tools für Storytelling und Marketing“ am Anfang zur Auflockerung eine kreative Schreibübung gemacht. Aus einer Menge alter Fotos, die ich am Flohmarkt gekauft habe, habe ich jede eines auswählen und eine Geschichte dazu schreiben lassen. Hier ist das Foto, das ich ausgewählt habe, und die Geschichte dazu:

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