Über das Klavierspielfeuer

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2020 hatte ich eigentlich nicht viel vor, außer eine berufliche Veränderung sanft voranzutreiben. Eines hatte ich aber ganz sicher nicht geplant: Jeden Tag auf einem Klavier zu spielen. Dass ich das trotzdem seit einigen Monaten mache, finde ich immer noch seltsam und wunderbar zugleich.

Als Österreich Mitte März 2020 in den ersten Lockdown ging, habe ich mein unangenehmes Gefühl der Ungewissheit durch eine lange Liste mit Plänen bekämpft. Ungefähr so: Ich werde einen Roman schreiben, im Wohnzimmer Yoga machen, die ungelesenen Bücher in Angriff nehmen, regelmäßig auf dem Keyboard spielen, einen ordentlichen Liegestütz machen lernen, alle digital verfügbaren Museen im Internet besuchen, Brot und Pizza backen und viel kochen. Was man halt so plant während einer weltweiten Pandemie. Kurz gesagt: Ich wollte eine neue Ines aus mir machen.

Davon habe ich dann natürlich fast nichts gemacht. Ich bin erstmal die Ines geblieben, die ich immer schon war. Zusätzlich hat mich für einige Wochen eine Art Schockstarre erwischt, wegen der Überforderung, der Ungewissheit und des ganzen Rests. Bis auf eine Sache: Ich habe mich immer wieder an das alte Keyboard in meinem Schlafzimmer gesetzt, das mir eine Freundin vor vielen Jahren geschenkt hat. Ich habe die fast 30 Jahre alten Klaviernoten herausgesucht, die ich aus irgendeinem Grund bei jedem Umzug mitübersiedelt hatte. Anfang Mai habe ich dann Damir angerufen, einen Bekannten aus Salzburg, der Klavierlehrer ist und mir auf Facebook gesagt hat, dass er auch online unterrichtet. (Kurze unbezahlte Freundschaftswerbung: Egal ob ihr in Salzburg seid oder wie ich woanders lebt – der Unterricht mit Damir Sertić funktioniert online sowie offline hervorragend. Habe ich für euch getestet. Große Empfehlung!). Seitdem sitze ich jeden Tag am Klavier, spiele ein Stück nach dem anderen, und schwebe immer noch staunend durch die Welt der Klassischen Musik wie Alice, die in ihr Wunderland gefallen ist.

Ein bisschen Schuld daran ist auch der Pianist Igor Levit, dem ich ab Mitte März dabei zugehört habe, wie er über die Musikstücke gesprochen hat, die er damals jeden Abend aus seinem Wohnzimmer gestreamt hat. Ich habe erlebt, wie er sie als „umarmend“, „vulkanisch“ oder „wütend“ bezeichnet hat, und bin dann in den Bach und den Beethoven reingekippt. Und ich habe zum ersten Mal gefühlt, wie die Noten in dem Stück “Palais de Mari“ von Morton Feldman zuerst in meinen Kopf, und dann durch meinen Körper getropft sind, bis sie in meinem Herz gelandet sind.

Dann habe ich entdeckt, dass ich solche Gefühle beim Klavierspielen selbst herstellen kann. Und es hat in mir zu brennen begonnen. Dieses Feuer ist seitdem nie wieder verloschen. Das ist immer noch ein Wunder für mich – dass ich etwas spiele, das sich ein anderer Mensch vor hunderten Jahren ausgedacht hat, und das für den kurzen Augenblick, in dem ich die Taste am Klavier drücke, wieder lebendig wird und mich zum Fühlen bringt. Dass dieser Moment nur ein einziges Mal existiert und dann wieder verschwunden ist. Und trotzdem so viel in mir auslösen kann, immer wieder.

Ich bin so erstaunt und vor allem dankbar dafür, dass ich das völlig unerwartet erleben kann, wieder und wieder. So, so dankbar.

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InesÜber das Klavierspielfeuer

In eigener Sache

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Kennt ihr das, wenn ihr sehr lange mit wem zusammen seid, und ihr wisst, dass ihr euch eigentlich schon länger auseinandergelebt habt – aber ihr müsst erst den Mut sammeln, euch wirklich zu trennen?

So ging es mir in den letzten Monaten mit der Filmdramaturgie. Über Weihnachten habe ich mich dann innerlich sortiert, und das Ergebnis ist: Ich werde mit der Filmdramaturgie, wie ich sie bisher gemacht habe, aufhören. Gründe dafür gibt es sehr viele, und einige beschreibe ich weiter unten.

Aber zuerst einmal zum Organisatorischen:

  • Alle laufenden Projekte betreue ich selbstverständlich weiter, bis sie in den sicheren Hafen eingelaufen sind.
  • Für neue Aufträge stehe ich aber ab sofort nicht mehr zur Verfügung und verweise auf meine vielen kompetenten KollegInnen, die großteils über das Drehbuchforum Wien kontaktiert werden können. Besonders lege ich euch Wolfgang Stahl und Bernadette Weigel ans Herz, aber auch alle anderen sind natürlich sehr gute DramaturgInnen. Beim Drehbuchforum berät man euch gerne, wer am besten zu eurem Projekt passt. Wenn ihr jemanden in Deutschland sucht, werdet ihr im Dramaturgie-Guide von VeDra fündig; ich empfehle euch dort meine sehr erfahrene Freundin Kyra Scheurer, aber auch hier gilt: Es gibt bei VeDra viele weitere sehr kompetente KollegInnen, die eine hervorragende Arbeit machen.
  • Als Konsequenz meiner Entscheidung werde ich außerdem zum ehestmöglichen Zeitpunkt aus der Projektkommission des Österreichischen Filminstituts austreten.

Die Gründe für meine Entscheidung sind vielfältig. Teilweise sind sie sehr persönlich, teilweise eher pragmatisch. Ich fasse hier einige Fragen zusammen, die ich mir gestellt habe.

Lebe ich nur mehr für die Arbeit?

Vor allem letztes Jahr ist bei mir die Balance zwischen Arbeit und Leben gekippt. Dinge, die mich mit neuer Energie aufladen, konnte ich nur mehr selten machen, und wenn, dann fühlte es sich wie gestohlene Zeit an, und ich hatte Schuldgefühle. Denn eigentlich sollte ich nicht ins Museum gehen, sondern noch schnell das eine Drehbuch lesen. Oder ich habe den Morgenlauf ausgelassen, der mir hilft, den Kopf vor der Arbeit frei zu bekommen, damit ich noch einen Workshop vorbereiten kann. Oder ich habe das Treffen mit den Freunden am Abend abgesagt, damit ich eine Deadline am nächsten Tag halten kann. Als Selbständige sind solche Situationen nicht ungewöhnlich, bloß wurden sie bei mir zum Dauerzustand. Und das machte mich in einem ungesunden Ausmaß unglücklich.

Wohin entwickle ich mich weiter?

Ganz ehrlich: Ich habe das Gefühl, dass ich die Filmdramaturgie für mich durchgespielt habe. Ich habe alles erreicht, was ich mir damals vorgenommen hatte, als ich damit vor 15 Jahren begonnen habe. Und das ist großartig. Ich durfte an vielen tollen Projekten mitarbeiten. Ich habe TV- und Webserien betreut, Kinoprojekte im Arthouse-, Etertainment- und Dokubereich dramaturgisch begleitet, ich habe sehr kommerzielle Filme genauso wie sperrige, anspruchsvolle Stoffe dramaturgisch betreut, und noch vieles mehr. Und auch wenn jedes Projekt seine eigenen spannenden Herausforderungen hat, schmeckte meine Arbeit in den letzten Monaten zu oft nach Routine. Das will ich ändern.

Was bringt mich zum Leuchten?

Ihr kennt das sicher, wenn euch eine Sache so begeistert, dass ihr spürt, wie eure Augen leuchten. Wenn euer Herz schneller schlägt, und der Körper kribbelt. Dass ich das im Beruf in letzter Zeit nicht mehr oft hatte, ist nicht nur der Routine geschuldet, über die ich gerade geschrieben habe. Es liegt für mich persönlich noch an etwas anderem, das ich erst jetzt so wirklich begriffen habe: Es liegt für mich am permanenten Kampf zwischen E und U, also zwischen „ernster“ und „unterhaltsamer“ Kunst. Der begleitet mich bereits mein Leben lang. Schon als Regieassistentin am Theater, das war in den 1990er Jahren, habe ich bemerkt, dass man im Schauspiel zumindest von der intellektuellen Regie- und Dramaturgiefraktion nicht ernstgenommen wurde, wenn man in der Kantine mal nebenbei sagte, dass man sich für Musicals begeistert. Als ich in einer Galerie arbeitete, wurde mir bewusst, dass man weniger galt, wenn man mit einfachen Worten Kunst beschreibt und damit vielleicht auch noch ohne kompliztierte Begriffe Bezüge zur Popkultur herstellt. Und beim Film wurde dann auch oft von der E-Seite auf die U-Seite despektierlich hinabgeblickt. Nicht immer, denn es gibt die Leute, die anders denken, aber für mich passierte es trotzdem zu oft.

Es ist nämlich so, dass ich gerne bei manchen Musicals mitsinge, dass mir der Mund vor Begeisterung offen steht, wenn die „Be My Guest“-Sequenz in der Neuverfilmung von „Die Schöne und das Biest“ kommt, dass ich bei manchen Disney-Filmen weinen muss, und ich das Titanic-Zitat im Video zu Britney Spears‘ „Oops I did it again“ immer noch genial finde. Gleichzeitig finde ich es hochspannend, moderne Kunst anzusehen, in ein Konzert mit zeitgenössischer Musik zu gehen, mit jemandem über die Bedeutung von „La Jetée“ zu diskutieren, oder einen Vortrag über die Medientheorien in der emotionalen Rezeption von Bewegtbildern zu hören. Denn – NEWSFLASH! – für mich funktioniert das immer schon problemlos miteinander. Aber ich habe jetzt erst bemerkt, wie stark ich vor allem im Beruf die Seite an mir, die das Unterhaltsame liebt, zu verstecken gelernt habe. Weil es für mich oft wichtigere Dinge gab, als meine Energie dafür aufzuwenden, mich für meine große Liebe zur Populärkultur rechtfertigen zu müssen. Dann redete ich lieber erst gar nicht darüber.

Es ist aber keine Lösung, sich etwas, das einem wichtig ist, dauernd zu verkneifen. Deswegen probiere ich jetzt mal, was passiert, wenn ich mich aus meinem bisherigen Umfeld beim Film herausnehme, und mich auf die Suche nach den Orten mache, wo dieser Teil von mir ungehindert leuchten kann. Ich werde berichten.

Was ist meine Haltung?

Für mich gibt es viele Komponenten, die ich als Dramaturgin bei einem Drehbuch abklopfe. Die meisten davon sind inhaltliche. Aber dann gibt es auch noch andere Aspekte, und die sind zum Beispiel folgende: Publikum, Handwerk, Geld. Und bei diesen drei Worten bin ich bei einigen Teilen der Filmbranche immer wieder auf Ablehnung, Unverständnis und teilweise auch auf blanke Wut gestoßen.

Immer wieder habe ich versucht, meine Sicht darauf zu erklären. Dass ich persönlich wollen würde, dass mein Werk beim Gegenüber im Sinn einer erfolgreichen Kommunikation „ankommt“, und ich mir deshalb irgendwann Gedanken mache, mit wem ich durch meinen Film spreche (Publikum). Dass ich finde, dass ein guter Stoff erst dann richtig aufblühen kann, wenn man den intuitiven Einfällen mit gutem Handwerk zu mehr Leuchtkraft verhilft (Handwerk). Und dass meine Arbeit Geld kostet, weil ich viel inhaltliche Kompetenz und jahrelange Erfahrung mitbringe (Geld). Besonders bei den ersten beiden Punkten, Publikum und Handwerk, bin ich immer wieder auf Ablehnung gestoßen. Beim dritten Punkt, Geld, hatte sich irgendwann herumgesprochen, dass man mich nur anfragen soll, wenn man mich bezahlen kann; damit war zumindest das gelöst.

Aber ich habe mich jetzt entschieden, dass ich auch bei den anderen Punkten keine Kompromisse mehr machen möchte. Dabei kann ich natürlich nachvollziehen, dass jemand da ganz anders denkt und arbeitet als ich, und eine völlig andere Haltung hat, und das ist total in Ordnung. Es ist nur für meine persönliche Entwicklung jetzt an der Zeit, dass ich mich mit mehr Menschen umgebe, die in diesen Punkten eine ähnliche Haltung haben wie ich. Dann kann die Energie statt in Grundsatzdiskussionen nämlich direkt in die Kreativität fließen.

Wie wird kommuniziert?

Ich habe in den letzten Jahren viele Situationen erlebt, in denen ich die Kommunikation z.B. bei Drehbuchbesprechungen als vergiftet empfunden habe. Teilweise ist das unabsichtlich passiert – jeder hat mal einen schlechten Tag, und dann rutscht einem eine unglückliche Formulierung heraus. Ist mir auch schon passiert. Und dass Kommunikation einen doppelten Boden hat und falsch interpretiert werden kann – naja, man braucht nicht Kommunikationswissenschaft zu studieren um das zu wissen.

Worüber ich aber in letzter Zeit sehr viel nachgedacht habe, ist das System, in dem wir in der Filmbranche kommunizieren. Es ist geprägt von finanziellen und inhaltlichen Abhängigkeiten und Macht, wie viele andere Systeme auch. Außerdem ist die Branche hier in Österreich sehr klein. Und wie man weiß, mögen wir ÖsterreicherInnen es zu jammern, es ist quasi unser Volkssport. Woran es aber im Detail liegt, dass für mein Empfinden oft so unsachlich und nicht wertschätzend und auf Augenhöhe kommuniziert wird, weiß ich nicht, und die Gründe sind sicherlich vielfältig. Ich weiß aber, dass ich nicht mehr Teil davon sein möchte.

Als ich über das Thema der abwertenden Kommunikation, die sich oft bei den untersten der Nahrungskette, den AutorInnen, entlädt, nachgedacht habe, bin ich wieder auf Kontrakt 18 gestoßen. Zu jedem Punkt des Kontrakts sind mir sofort mehrere Situationen eingefallen, die ich selbst erlebt habe, oder die mir erzählt wurden, in denen AutorInnen aus der Kommunikation ausgeschlossen oder einfach „abgeschaslt“ wurden. Deshalb finde ich die Initiative sehr wichtig.

Aber zurück zu meinen Gedanken: Ich habe jetzt Lust auf Menschen, die auf neue Ideen nicht mit „Des geht sicher ned“ oder „Ja aber“ antworten, sondern die sagen „Interessant! Was ist dein nächster Schritt?“ oder „Gut, und was ist dein Plan?“.

Dazu eine Fußnote: Ich selbst habe gemerkt, wie sehr das Ablehnende in mir drinnen ist. Und zwar, als ich vor einigen Jahren einmal an einem Improvisationstheaterworkshop teilgenommen habe. Die Aufgabe war, zu zweit auf die Bühne zu gehen und alles, was der andere sagt, mit den Worten „Ja, und…“ aufzunehmen und so den Ball dialogisch weiterzuspielen. Wisst ihr, wie schwer das ist? Ich weiß nicht, wie oft mir anfangs „Ja, aber…“ statt „Ja, und…“ rausgerutscht ist. Jedenfalls habe ich da sehr viel über mich und meine Kommunikationsmuster gelernt.

Werde ich nie mehr Filmdramaturgie machen?

Das weiß ich nicht. Es gibt schon noch Bereiche, die mich interessieren. Dazu gehören zum Beispiel große Animationsfilme oder internationales Family Entertainment. Aber das wird in Österreich kaum gemacht. In der bisherigen Form werde ich als Filmdramaturgin hier deshalb nicht mehr arbeiten.

Und was passiert jetzt?

Mich zieht es in den letzten Jahren immer mehr zum Schreiben. Aber nicht unbedingt zum Drehbuch, sondern eher zur Prosa. Da tun sich gerade einige Türen auf, durch die ich aber nur gehen kann, wenn ich in meinem Leben Platz dafür schaffe. Auch das war ein wichtiger Motor für meine Entscheidung, die Filmdramaturgie vorerst ruhen zu lassen.

Was jetzt genau passieren wird, weiß ich noch nicht. Aber es fühlt sich an wie damals, als ich als Kind die erste Seite eines neuen Abenteuerromans aufgeschlagen habe. Und das gehört immer noch zu den besten Gefühlen der Welt.

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InesIn eigener Sache

Eine Runde Euphorie, bittedanke.

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Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber seit Monaten bin ich genervt, wenn ich in meinen wirklich heiß geliebten sozialen Netzwerken unterwegs bin. Das hat mit den Algorithmen zu tun, die bestimmen, was ich auf meinen Newsfeeds in Facebook und Co zu sehen bekomme. Aber es hat seit gefühlt einem halben Jahr (na, wahrscheinlich sogar länger) mit dem Tonfall zu tun, in dem viele Posts verfasst sind.

Ich sitze also in der Früh so rum, bin noch nicht ganz wach und froh darüber, dass ich es immerhin schon geschafft habe, mein Kaffeehäferl in Reichweite zu bringen. Dann schau ich mal so, was sich im Netz tut. Das mache ich schon lange so. Quasi Gewohnheit. Seit einiger Zeit passiert dann folgendes: TRUMP IST SCHEISSE! DER INNENMINISTER IST SCHEISSE! DER BAU DES HOCHHAUSES/DER PIPELINE/DES KRAFTWERKS IST SCHEISSE! DIE POLITIK IST SCHEISSE! RADFAHRER SIND SCHEISSE! AUTOFAHRER SIND SCHEISSE! DER EINE FILM IST SCHEISSE! MEIN NACHBAR IST SCHEISSE! DIE GANZE WELT IST SCHEEEEEEISSSSSSEEEEEE!

Und ich reflexhaft so: STIMMT! ALLES SCHEISSE! ALLES VERFICKTE KACKSCHEISSE! DIE GANZE WELT IST SCHEEEEEEISSSSSSEEEEEE!

Aber innerlich bin ich mehr so:

WANN IST MEIN INTERNET EIGENTLICH ZU EINER EMPÖRUNGSMASCHINE MIT KLEMMENDER CAPSLOCKTASTE VERKOMMEN?

Nein, das liegt nicht an meiner „Filterbubble“, davon bin ich ziemlich überzeugt. Denn die Energie, die aus den anderen Bubbles kommt ist ja dieselbe, nur richtet sie sich nicht gegen Trump und den Innenminister, sondern gegen MexikanerInnen, MuslimInnen und Hochhaus-/Pipeline-/KraftwerksgegnerInnen. Naja, so ungefähr – ihr versteht schon, was ich meine. Mir gehts hier um was Grundsätzlicheres, über das ich gerade nachdenke.

Also: Empörung ist eigentlich eine sehr leiwande Energie. Weil sie aktiv ist, genau wie Wut. Sie bringt einen Motor zum Laufen. Sie macht, dass man den Arsch hoch kriegt oder zumindest drüber nachdenkt. Finde ich gut. Sie funktioniert aber nur, weil sie gegen etwas ist. Man empört sich über etwas, das einen stört. Man ist gegen eine Person oder Sache. Man leistet gegen etwas Widerstand. Und das ist mein Punkt: Auf jeden Fall ist es negativ in dem Sinn, dass es mit dem Ankämpfen gegen etwas zu tun hat.

Jetzt habe ich neulich wieder mal einen meiner Lieblingsfilme gesehen, und diese Szene ab Sekunde 35 bringt mich (neben vielen anderen Szenen in diesem Film) immer noch innerlich zum Brennen:

Und plötzlich ist mir klar geworden, wie selten ich das inzwischen habe – dieses positive, enthusiasmierte Brennen für etwas. Dieses starke Gefühl von Euphorie. Diese lebendige Lebensbejahung. Das erstaunliche an diesem Film ist ja, dass er in einem tristen Milieu spielt, und dass da ganz schrecklich deprimierende Sachen vorkommen: Umweltkatastrophen. Ein Staat, der seine Bürger im Stich lässt. Armut. Aggression. Gewalt. Und natürlich Tod. Trotzdem hat mich kaum ein Film oder Buch der letzten Jahre so lebendig und begeistert fürs Leben und die Menschen hinterlassen wie Beasts of the Southern Wild.

Als ich den Film neulich zufällig im Fernsehen erwischt habe, bin ich natürlich wieder hängengeblieben, und eines hat mich nicht mehr losgelassen: Dieser Eindruck, dass der ganzen Empörung, so wichtig sie auch sein mag, kaum eine Euphorie gegenübersteht, die mich mit diesem Gefühl von Lebendigkeit auffüllt. Mich macht Empörung auf Dauer leer und ängstlich. Die Euphorie füllt mich hingegen auf und macht mich stärker. Finde ich interessant. (Hm, geht das eigentlich nur mir so?)

Ok, und was jetzt? Let’s start with baby steps. Ich habe für mich beschlossen, einfach mal mehr auf die Euphorie zu achten. Ich merke nämlich, dass ich irgendwie aus der Übung bin, sie zu sehen. Deswegen fange ich erstmal damit an, sie hier zu sammeln, und zum Einstieg gibts jetzt gleich ein paar Filmmomente.

Das hier ist eine tolle Szene aus Where The Wild Things Are (aber Achtung: In der ganzen Euphorie sollte man nicht wen anderen in den Abgrund schupfen, das wäre eher ungünstig).

Dann kommt hier eine Szene aus dem wunderbaren Film Mein Nachbar Tortoro. Es gibt sie nicht auf Youtube, aber ich beschreibe sie euch einfach: Das kleine neugierige Mädchen Mei entdeckt im Wald beim Spielen den Waldgeist Tortoro. Der ist sehr groß und kann ganz fürchterlich brüllen. Das grandiose an dieser Szene ist aber, dass Mei einfach keine Angst hat, sondern dabei vor lauter Freude auf dem Bauch von Tortoro herumhüpft, als gäbe es nichts schöneres von so einem Monster angebrüllt zu werden. Euphorie hat anscheinend irgendwas mit Mut zu tun. (Am Anfang dieses Trailers sieht man einen Ausschnitt aus dieser Szene.)

Oh, übrigens finde ich es ja schon auch interessant, dass in allen drei Filmen Kinder die Hauptrollen spielen… Ich schließe daraus, dass es nicht schaden kann, ab und zu ein bisschen mehr Kind zu sein, was die Begeisterungsfähigkeit betrifft. Und apropos „begeistern“: Das hat ja bedeutungsmäßig auch viel mit Euphorie im Sinn von „Hochstimmung“ zu tun. Etymologisch heißt es „mit Geist, Inhalt erfüllen, beseelen, beleben“. Passt.

Wenn ihr jetzt auch mehr Euphorie in eurem Leben haben wollt, dann macht es einfach. Nicht, um die Empörung auszuschalten (die brauchen wir auch sehr dringend), sondern einfach, um das Leben um die Begeisterungsfacette zu bereichern. Das leiwande am Internet ist ja, dass man seine Euphorie so leicht teilen kann: Auf Blogs, Facebook, Twitter. Erzählt den Leuten auf Snapchat und in den Instagram Stories von dem, was euch begeistert. Erwähnt das, was euch in gute Laune und Euphorie versetzt, im echten Leben bei Gesprächen mit der Familie und Freunden. Fragt andere, was sie zum Leuchten bringt. Das kann auf keinen Fall schaden. Dann lernen wir uns auch gleich besser kennen.

Also: Was bringt euch zum Brennen, was versetzt euch in Euphorie und reisst euch zu Begeisterungsstürmen hin? Und warum? Wenn ihr wollt, könnt ihr mir gerne hier in den Kommentaren davon erzählen.

Steven Universe is happy. Be like Steven.

Steven Universe is enthusiastic. Be like Steven.

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InesEine Runde Euphorie, bittedanke.

Nachrichten aus Venedig.

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Dieser Schnappschuss auf meinem Handy, den ich schon viermal gebackupt habe, um ihn nicht zu verlieren. Weil er alles ausdrückt, was an dem Tag bei den Filmfestspielen in Venedig passiert ist. Zuerst die Angst, den riesigen Kinosaal nicht zu füllen. Die Erinnerungen an die fünf Jahre, die es gedauert hat, bis er an dem Abend Weltpremiere haben kann. Die Frage, ob irgendwer den Film so verstehen wird, wie wir uns das gedacht haben. Die Freude, als sich der Film während der Vorführung mit den Menschen im ausverkauften Saal verbindet und sie zum lachen bringt. Die Verwunderung darüber und das anschließende Dauergrinsen, weil es sogar zweimal Szenenapplaus gibt. Und die unglaubliche Erleichterung danach, als der Applaus beim Abspann kaum aufhören will. Danke, Jessica und Peter, dass ihr mich schon zum vierten Mal auf eure Filmabenteuer mitnehmt. Und danke Leben, dass ich diesen Beruf haben kann. Der mich machmal zweifeln lässt, und der mir dann immer wieder so unglaublich viel Freude bereitet. ❤️

Jessica Woodworth und Peter Brosens (im Hintergrund, Mitte), die Regisseure von "King of the Belgians" nach der Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Venedig.

Jessica Woodworth und Peter Brosens (im Hintergrund, Mitte), die Regisseure von „King of the Belgians“ nach der Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Venedig.

Hier mehr zum Film KING OF THE BELGIANS:

Filmwebsite mit Trailer: http://kingof.be
Facebookseite: https://www.facebook.com/kingofthebe/
Peter Brosens und Jessica Woodworth: http://www.bofilms.be
Kritik in Variety: http://variety.com/2016/film/reviews/king-of-the-belgians-review-1201853854/
Kritik in Screenanarchy: http://screenanarchy.com/2016/09/venice-2016-review-king-of-the-belgians-could-be-the-crowning-glory-of-orizzonti.html
Interview (5 min.): http://www.fred.fm/uk/directors-peter-brosens-and-jessica-woodworth-talk-about-king-of-the-belgians-at-venezia73/
Fotostrecke vom Premierenabend: http://www.demorgen.be/fotografie/peter-van-den-begin-is-de-koning-te-rijk-in-venetie-f09dc4ca/

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InesNachrichten aus Venedig.

Über Komfortzonen und die Frage, was ein Hobby ist

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In den letzten Jahren (und vor allem in den letzten Monaten) habe ich ziemlich viele Dinge zum ersten Mal in meinem Leben gemacht. Das ist mir dabei aufgefallen:

1. Freelance = freie Zeiteinteilung. Wirklich.

Seit 15 Jahren arbeite ich ausschließlich freiberuflich. Wenn ich eine Deadline erreiche, mache ich nachher worauf ich gerade Lust habe. Ich gehe zum Beispiel ins Museum. Oder ich probiere was ganz Neues aus, auch wenn es Mittwoch nachmittags ist und angestellte Menschen in der Zeit noch im Büro sitzen. Das darf ich nämlich (es war mir nur nicht immer klar).

2. Die Komfortzone ist das beste, was es gibt

Fast alles von dem Neuen, das ich in den letzten Monaten gemacht habe, lag außerhalb meiner Komfortzone. Laufengehen zum Beispiel. Oder Aktzeichnen. Und auch ein paar wichtigere berufliche Dinge. Und soll ich euch was sagen? Dieser Spruch „life begins at the end of your comfort zone“ – ich finde, der ist Bullshit.

Echt jetzt – selten war ich so gestresst wie in der Zeit, als ich mich ständig mit etwas Neuem konfrontiert habe. Kennt ihr das Gefühl, denn die tiefen Glocken vom Krampus in der einsamen verschneiten Gasse näher kommen und man Angst hat, dass er einen gleich verhaut? So war das manchmal für mich. Gut, es gab Nuancen. Berufliche neue Dinge wiegen schließlich mehr als die Frage, ob ich beim Aktzeichnen die Zehen richtig gezeichnet habe (Fun Fact: Füße und Zehen sind ganz schön schwer zu zeichnen).

Ich zelebriere inzwischen meine Komfortzone. Sie ist mein sicherer Hafen, und sie rockt; das Leben in ihr ist fantastisch. Ohne sie könnte ich nämlich gar nichts außerhalb zustande bringen. So, jetzt wisst ihr bescheid.

3. Nicht alles muss sofort zum Projekt werden

Neulich sitze ich so mit einer Freundin zusammen, die auch gern neue Sachen ausprobiert. Und da erzählt sie mir von der Erkenntnis, dass nicht alles, was einem gefällt, gleich zum eigenen Projekt werden muss. Und schon gar keines, das man eventuell monetarisieren kann. Und ich trinke einen Schluck Bier und denke mir: Erwischt. Ich mache das nämlich ständig.

Aber Moment, eigentlich finde ich das richtig gut. Viele Kreative aus meinem Umfeld denken überhaupt nicht unternehmerisch, die meisten sind aber in einer präkeren finanziellen Situation. Das Ausrechnen von adäquaten Stundensätzen, das Nachdenken über Geschäftspläne, und ein selbstverständlicher Umgang mit den Themen Geld und wie man im kreativen Sektor an welches kommt finde ich überlebensnotwendig. Bloß ist es verpönt – man wolle sich nicht prostituieren, ausverkaufen und einem Kapitalismus und Markt unterwerfen, der die Kreativität abtöte. Was ich daran alles falsch finde, ist einen eigenen Blogartikel wert. Aber zurück zum Thema.

Die Glühbirne, die über meinem Kopf während des Gesprächs angegangen ist, leuchtet immer noch. Wenn man alles als Projekt sieht, gibt es irgendwann nichts mehr, das man nur aus Spaß an der Freud‘ macht. Ich behandle wirklich fast alles, das ich ausprobiere, wie ein potentielles Business. Das führt manchmal zu neuen Standbeinen (yay!), aber oft auch zu gefühlten Verpflichtungen, und dann wird es schnell stressig (meh!).

Conclusio: Manche Sachen sind am besten, wenn sie ein Hobby bleiben. Deal with it, Ines.

4. Fokus!

Die letzten Monate waren so, als würde ich in einem riesigen Sandkasten sitzen und ständig von einem neuen Spielzeug abgelenkt werden, mit der ich eine noch leiwandere Sandburg bauen kann. Und die Arbeit zum Geldverdienen lief auch noch parallel mit. Eine zeitlang ist das sehr lässig, aber irgendwann wird es ganz schön anstrengend.

„Fokus, Ines, Fokus!“ habe ich mir jetzt gesagt. Und den lege ich einerseits auf meine Arbeit mit der ich Geld verdiene, und dann noch auf etwas anderes, über das ich schreibe, wenn absehbar ist, was daraus wird. Sandburgen baue ich nur mehr zum Spaß, und vorerst mal ohne Businessplan.

Und jetzt interessiert mich, wie das bei euch ist. Habt ihr Hobbies? Oder ist bei euch auch alles gleich ein Projekt? Und wo sind die Grenzen eurer Komfortzonen?

P.S.: Falls jemand mehr über die großen und kleinen Sachen wissen will, die ich in den letzten Monaten und Jahren zum ersten Mal gemacht habe, ist hier eine Auswahl:

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InesÜber Komfortzonen und die Frage, was ein Hobby ist

Neue Gewohnheiten, Snapchat und Bücherpost

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Das Schreiben entwickelt sich zu einem immer wichtigeren Teil meines (Arbeits-)Lebens. Und weil ich will, dass das so bleibt und sogar eine noch größere Rolle spielt, mache ich es mir gerade zur Gewohnheit, es jeden Tag zu tun. Dabei jongliere ich neben der Drehbuchberatung und anderen Jobs sehr mit meiner Zeit und probiere unterschiedliche Abläufe aus, damit das wirklich zur Routine werden kann.

Hallo Snapchat! Das ist mein Snapcode. @ineshae

Hallo Snapchat! Das ist mein Snapcode. @ineshae

Momentan arbeite ich an einer fiktionalen Kurzgeschichte und habe beschlossen, den Schreibprozess ein bisschen auf Snapchat zu dokumentieren. Ich glaube, es geht mir eigentlich darum, mir selbst die Angst vor der ersten Phase des Schreibens zu nehmen. Leeres Papier ist für mich ein Monster. Aber ich muss das Papier in diesem Fall bis Mitte April füllen, da ist der Abgabetermin. Und weil man ja immer wieder liest, dass neue Gewohnheiten am besten dann zu selbigen werden, wenn man anderen Rechtfertigung schuldet, mache ich das öffentlich mittels Snapchat Stories, wo ich auch meinen übrigen Arbeitsalltag ein bisschen dokumentiere. Wer mir dort folgen will, findet mich hier als @ineshae.

Wie ein Wink mit dem Zaunpfahl war heute eine ganze Ladung Bücherpost in meinem Briefkasten. Nämlich die aktuelle Verlagsvorschau des Müry Salzmann Verlags, samt Werbung für mein Buch TALKING PASTA (yay!). Außerdem ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk vom Droemer Knaur Verlag (warum wir Geschenke austauschen, darf ich euch hoffentlich bald im Detail verraten). Ich durfte mir ein Buch wünschen, und habe mich für ETTA UND OTTO UND RUSSELL UND JAMES von Emma Hooper entschieden. Weil mir die Leseprobe gefallen hat, und das Video der Autorin auch. Und dann ist mir noch die Einladung zur Buchpräsentation von Daniel Wisser (hier beim Bachmannpreis 2011) am 18.2.2016 im Brut am Karlsplatz hereingeflattert. Daniel und ich kennen uns schon länger, und ich bin ein großer Fan seiner Textperformances, wo er skurrile Kürzestgeschichten rezitiert, die sich im Laufe der Auftritte immer wieder ein wenig verändern. Bisher gab es sie nur in seinem Kopf, jetzt endlich auch als Buch. Hurra!

Bücherpost!

Bücherpost!

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InesNeue Gewohnheiten, Snapchat und Bücherpost

Der Vorsatz.

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Neujahrsvorsätze mache ich keine. Wenn ich etwas ändern will, beginne ich einfach damit; das habe ich in den letzten Jahren einige Male probiert, und es funktioniert. Aber manchmal suche ich mir zu Jahresbeginn ein Motto, das ich dann auch als Passwort für den Sperrbildschirm meines Computers einrichte, als Erinnerung. (Wobei – ein Motto ist ja auch ein Vor-Satz, sozusagen. Na, egal!)

Heuer habe ich etwas gewählt, das sich seit Monaten abzeichnet. Und das ging so: Es muss wohl vor über einem Jahr gewesen sein, im Dezember 2014, als der Sender Ö1 einen ganzen Tag der Schriftstellerin Friederike Mayröcker widmete. Sie wurde damals 90. In einem Interview sprach sie über ihren Arbeitsablauf. Von in der Früh bis mittags würde sie schreiben. Und danach würde sie lesen, beobachten, analysieren, notieren (das Originalinterview finde ich nicht mehr, aber hier beschreibt sie es auch ein wenig). Diese Vorstellung eines Tages mit einem halben Tag Arbeit und einem halben Tag von „anderem“ hat sich als großer Wunsch in mein Gedächtnis eingebrannt – aber wieso eigentlich? Ich kann mir doch meine Zeit als Selbständige ohnehin frei einteilen. Aber ich bin draufgekommen, dass mein Selbstbild von mir als erfolgreicher Freelancerin ziemlich verschoben ist. Obwohl ich mir die Zeit großteils wirklich frei einteilen kann und manchmal durchaus an einem Mittwoch Nachmittag frei habe (und an einigen Sonntagen dafür dann eben nicht), zählen in meinem Kopf offenbar nur Schreibtischstunden als Arbeit, bei denen ich beruflich bedingt auf die Computertasten drücke, damit Texte im Word erscheinen. Alles andere ist Prokrastination, und die gehört natürlich bestraft! Sie ist ineffizient, unproduktiv, verantwortungslos und vor allem auch total unerwachsen. Ja, genau so sehe ich mich seit Jahrzehnten.

Obwohl: In den letzten Jahren bin ich etwas milder mit mir geworden. Mein schlechtes Gewissen meldet sich nicht mehr ganz so stark, wenn ich an einem Wochentag von mittags bis abends in Museen bin. Aber es ist trotzdem immer da. Eigentlich schrecklich – ich liebe Museen, und ausgerechnet dann, wenn nicht so viele Leute dort sind und ich Zeit dafür habe, kann ich es nicht genießen und hetze durch die Säle, als müsste ich mich auf einem unerlaubten Freigang vor den Gefängniswärterinnen verstecken.

Inzwischen habe ich zumindest verstanden, dass meine Definition von richtiger Arbeit verkorkst, ungesund, und für meinen kreativen Beruf und meine persönliche Arbeitsweise völlig unpassend ist. Und da kommt das Motto für 2016 ins Spiel: Inspiration. Beim Nachdenken über meine Arbeitsweise bin ich nämlich draufgekommen, dass sie zu einem gar nicht so unwesentlichen Teil daraus besteht, anderen Menschen etwas mitzugeben. Die guten Besprechungen erkenne ich unter anderem daran, dass ich ausgelaugt bin, aber eben auf die gute Art. Weil ich mit meinem Gegenüber so lange Ping Pong gespielt habe, bis wir gemeinsam auf den Grund der Sache gekommen sind. Im Idealfall geht die andere Person mit neuen Perspektiven nach Hause, die den Blick auf eine Geschichte, ein Drehbuch, eine Sache verändern und bereichern.

Nach dem Schreiben einer detaillierten Drehbuchanalyse oder nach einem langen Meeting fühle ich mich oft richtig ausgeleert. Das ist völlig in Ordnung, denn mein Job als Story Consultant ist es, Sparring-Partnerin, Zuhörerin und Geschichten-Hebamme zu sein.  Bloß habe ich es bisher nie ernst genommen, dass ich mich auch wieder mit Energie und Kreativität anfüllen muss. Es ist eben keine Prokrastination, wenn ich unter tags lange Artikel im Internet lese, Podcasts über alle möglichen Dinge anhöre, in Museen gehe, einfach mal ein Buch lese, das nichts mit einem aktuellen Projekt zu tun hat oder eine zeitlang in die Luft schaue. Ich habe bisher nur das Ausatmen gelten lassen, und das Einatmen niedergemacht.

Der Plan für dieses Jahr ist es, der Exspiration eine Inspiration gegenüber zu stellen, die ich genau so ernst nehme wie die Momente, in denen ich beruflich Worte auf dem Bildschirm erscheinen lasse. Ich werde hier ab und zu darüber schreiben, ob mir das gelingt und was ich dabei entdecke. Inzwischen freue ich mich auf die Bücher, Vorträge, Museumsbesuche, Filme, das In-die-Luft-Starren und was mir sonst alles noch einfällt – ab jetzt ohne schlechtem Gewissen.

Achja, ich experimentiere jetzt auch mit Snapchat, wo ich manchmal kurze Einblicke in meine Inspirationen gebe. Folgt mir, mein Username ist @ineshae!

Hallo Snapchat! Das ist mein Snapcode. @ineshae

Hallo Snapchat! Das ist mein Snapcode. @ineshae

 

Euch gefällt, was ich hier auf meinem Blog poste? Das freut mich! Ihr könnt gerne mal hier im Blog einen Kommentar hinterlassen, oder mir ein paar freundliche Worte per E-Mail schicken. Außerdem freue ich mich auch sehr über ein Buch von meinem Wunschzettel. Das kann ich dann alles lesen, wenn einmal einer dieser Momente um die Ecke kommt, in denen Motivation oder Inspiration kurz Pause machen. Danke euch fürs Lesen und Mitreden und Dasein! <3

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InesDer Vorsatz.

Let’s talk about you and me, baby!

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Entschuldigung für den plakativen Titel, aber wir müssen reden. Und zwar über eine Idee, die mich nicht mehr loslässt. Also, es ist so: Mir fällt immer wieder auf, dass es mir Freude macht, wenn mir andere Menschen vom Geschichtenerzählen und von ihren Leidenschaften erzählen. Ich bin ein neugieriger Mensch, und ich will wissen, was Menschen so antreibt. Und die Idee ist, das noch heuer in einen Audio-Podcast zu packen. Ach so, und man sagt mir eine schöne Mikrofonstimme nach, das kann ja auch nicht schaden.

Podcast Chalkboard, © Ines Häufler, 2015

Podcast Chalkboard, © Ines Häufler, 2015

Hier ist der Status Quo:

Die Form: Weil es mich stresst, jede Woche gezwungener Maßen etwas liefern zu müssen, würde ich den Podcast wie eine TV-Serie in Staffeln anlegen. Also ca. 4 (oder 5) Episoden pro thematischer Staffel. Zwischen den Staffeln kann Zeit vergehen, bis die nächste startet.

Der Inhalt: Die erste Idee war, dass ich erzähle, was ich über Storytelling, Geschichtenerzählen und Drehbucharbeit weiß. Aber ich habe gemerkt, dass mir das nicht genügt. Das ist sicherlich für euch spannend (und auch für mich), aber ich will auch meinen eigenen Horizont erweitern. Also ist der Plan, dass ich innerhalb von Themen, die mich interessieren, das Thema „Storytelling“ auslote. Beginnen werde ich natürlich mit Film/Drehbuch. Aber in weiteren Staffeln könnten es auch darum gehen: Romane. Illustration. Museen. Malerei. Kochen (ja, auch Gerichte erzählen Geschichten, und Lebensmittel sowieso). Mode. Bestimmte Orte. Ihr seht, ich fasse den Begriff „Storytelling“ in diesem Fall ausnahmeweise sehr weit.

Die Inspiration: Wenn es um Menschen geht, die ihre Geschichten erzählen, ist das Blog Was machen die da? von Isabel Bogdan und Maximilian Buddenbohm ein Vorbild. Außerdem mag ich in dem Zusammenhang die TV-Dokuserie Reiseckers Reisen sehr gerne. Und neulich bin ich auf das Digital Storytelling Projekt von Erwin Schmitzberger gestoßen. Aber in keinem dieser Projekte geht es thematisch dezidiert um Storytelling (eher in der Form).

So, bevor ich loslege müsst ihr mir bitte helfen. Ich will über eure Lieblingspodcasts Bescheid wissen. Ich will erfahren, was ihr blöd findet und was euch gefällt. Wie ist die ideale Länge? Wo hört ihr Podcasts? Welche Themen interessieren euch? Verratet mir eure Vorlieben, erzählt mir, welche Bedeutung Podcasts für euch haben.

Die Idee steckt noch komplett in den Kinderschuhen, und ich weiß nicht, wohin sie mich führen wird. Und genau deshalb brauche ich euren Input und habe dafür eine Umfrage mit 10 Fragen gestaltet. Ihr könnt sie gleich hier unten ausfüllen. Oder ihr verwendet diesen Link, der euch zur Podcast-Umfrage auf einer externen Seite führt.

Danke, dass ihr euch dafür Zeit nehmt!

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#weekendwriting 18: (K)eine Geschichte

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Notiz: Ich stecke gerade in den Vorbereitungen meines neuen Cartoonbuchs TALKING PASTA, das im Frühjahr erscheinen wird. Das bündelt in diesen Tagen fast meine gesamte kreative Energie, und der Rest wird von meiner Arbeit als Filmdramaturgin aufgebraucht.

Ich habe schon letzte Woche bemerkt, dass sich die Weekend Writing Challenge zur Zeit eher als Pflicht denn als Vergnügen anfühlt. Deswegen werde ich in den nächsten Wochen mit meinen eigenen Geschichten zur Fotoinspiration aussetzen bzw. sie nicht zwingend am Sonntag, sondern dann, wenn ich Ruhe zum Schreiben habe, nachliefern.

Die samstägliche Inspiration für euch wird es natürlich weiterhin geben, und ich freue mich wie immer sehr über eure Geschichten! Viel Spaß beim Schreiben!

P.S.: Seid ihr auch auf Instagram? Ihr könnt mir gerne dort folgen, wo ich auch ab und zu die Fortschritte des Talking Pasta Projekts dokumentieren werde.

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Ines#weekendwriting 18: (K)eine Geschichte

Frohe Feiertage und einen funky Start für 2015!

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Morgen ist Weihnachten, und ich mache wie jedes Jahr die filmdramaturgischen Pforten dicht, bis die Heiligen Drei Könige vorbeigezogen sind. Aber keine Sorge, die Weekend Writing Challenge geht auch zwischen den Jahren weiter.

Es gäbe viele Details im Rückblick auf 2014, das sehr spannend und wunderbar war. Aber die muss ich erst sortieren. Deshalb bedanke ich mich auf diesem Weg einfach bei allen, mit denen ich dieses Jahr zusammenarbeiten durfte, die ihre Geschichten mit mir geteilt haben, und mir den Weg zu für mich neuen Dingen geebnet haben. Denn Premieren jeglicher Art gab es 2014 ganz schön viele, und teilweise lagen sie sehr weit außerhalb meiner Komfortzone. Und genau deshalb war dieses Jahr so besonders für mich.

So, aber jetzt ab zum Weihnachtsbaum. Feiert eure Feste! Esst den Braten! Trinkt den Wein! Singt die Lieder! Und stellt den Feuerlöscher bereit, man weiß ja nie was für ein Drama um die Ecke lauert.

Ho, ho, ho! Frohe Festtage! © Ines Häufler, 2014

Ho, ho, ho! Frohe Festtage! © Ines Häufler, 2014

Und wer meinen Adventcountdown zu Weihnachten nochmal nacherleben möchte, muss nicht zu meinem Instagramaccount wechseln, sondern kann das hier und jetzt tun:

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins.

A video posted by @ineshaeufler on

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei.

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Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei.

A video posted by @ineshaeufler on

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier. #countdown

A video posted by @ineshaeufler on

Danke, dass ihr hier mitlest, mitschreibt und mitkommentiert! Und weil für die Besten nur das Beste gut genug ist, kommt hier das ultimative Weihnachtsvideo. Ich sage nur: „Früher war mehr Lametta!“

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InesFrohe Feiertage und einen funky Start für 2015!