Ines will’s wissen: Wie die Kurzfilme in Schweizer Fernsehen kommen

Leave a Comment

Prolog: Mir ist das Thema „Kurzfilm“ ein Anliegen. Und besonders die Ausstrahlung von Kurzfilmen im Fernsehen. Kurzfilme sind in meinen Augen eine der dramaturgischen Königsdisziplinen, und gleichzeitig die ersten Visitenkarten des Filmnachwuchses. Leider laufen sie oft nur auf einigen Filmfestivals und verschwinden dann. Einige landen bei der großartigen Kinoinitiativ Cinema Next. Man findet sie aber kaum im Fernsehen, selten auf VOD Plattformen (Ausnahme in Österreich: Ausgewählte Kurzfilme aus dem Sixpack Filmverleih auf Flimmit), und Kurzfilmscreenings und -DVDs von Filmhochschulen sind meistens nur der Filmbranche zugänglich. Warum ich euch das erzähle? Lest selbst.

Neulich Abend bleibe ich beim Zappen beim Zweiten Schweizer Fernsehen hängen: Dort läuft ein Kurzfilm. Ich schaue auf die Uhr. Nein, es ist nicht weit nach Mitternacht, sondern kurz vor 22 Uhr, der Hauptabendfilm ist gerade zu Ende. Jetzt bin ich irritiert. Kurzfilm, das ist doch dieses Dings, das man in den öffentlich-rechtlichen Sendern fast immer irgendwann weit nach 23 Uhr programmiert. Oder im Paket zwischen Mitternacht und 5 Uhr früh, genau einmal im Jahr, das heißt dann „Die lange Nacht der kurzen Filme“. Ich gehe online, klicke mich durch das Fernsehprogramm von SRF2, und sehe, dass dort dienstags bis freitags immer nach dem Hauptfilm ein (internationaler) Kurzfilm programmiert ist, außer es läuft ein Sportevent.

Jetzt bin ich vollkommen verwirrt. Wie kann das sein, dass ausgerechnet der kommerziellere der öffentlich-rechtlichen Schweizer Fernsehkanäle Kurzfilme ausstrahlt, und zwar direkt nach der Primetime? Und es kommt noch besser: Das Schweizer Fernsehen beteiligt sich auch an der Produktion von Kurzfilmen. Gut, das gibt es bei uns hier in Österreich auch, über den Innovationstopf des ORF-Film-Fernseh-Abkommens. Aber im Gegensatz zum SRF bietet der ORF den heimischen Kurzfilmen zusätzlich keinen Platz auf seiner Website, wie es beim Schweizer Fernsehen der Fall ist.

Wait – what?! Kurzfilm im SRF: Ines will’s wissen

Frei nach dem Motto „Ines will’s wissen“ aktiviere ich am nächsten Tag meinen Kontakt zum Schweizer Fernsehen und hake nach. Ich lande bei Eva Schweizer, die für die Programmplanung zuständig ist (und bedanke mich jetzt schon mal, dass sie mir meine vielen Fragen so ausführlich per Mail beantwortet hat). Also los, lasst uns das Rätsel ergründen, warum das Schweizer Fernsehen den Kurzfilmen so eine sichtbare Plattform gibt!

Zuerst zu den Voraussetzungen: Wie in Österreich gibt es auch in der Schweiz ein Abkommen zwischen der Schweizer Filmbranche und der SRG (Schweizer Rundfunkgesellschaft), das Koproduktionen zwischen den Filmproduktionsfirmen und regelt. Und genauso wie bei uns ist dieser „Handshake“ eine wichtige Säule der Schweizer Filmförderung. Die Einreichung läuft ähnlich ab wie bei anderen Filmförderungen: Die Schweizer Produktionsfirma muss Drehbuch, Auswertungskonzept, Biografien, eine detaillierte Kalkulation usw. einreichen und bekommt nach zwei Monaten Bescheid, ob man Fördergeld bekommt. Details zum sogenannten Pacté findet ihr hier.

Und welche Kurzfilme werden gefördert? Vor allem Bachelor- und Diplomfilme. Ihr seht schon, es geht dabei ganz stark darum, den heimischen Filmnachwuchsfilm zu unterstützen. Spannend finde ich aber, dass zusätzlich auch internationale Kurzfilme eingekauft werden. Das sind großteils die, über die ich beim Fernsehen abends auf SRF2 gestolpert bin. Aber Kurzfilme im SRF gab es schon 1993, also zu Zeiten, wo es den Sender SRF2 noch nicht einmal unter diesem Namen gab.

Zeigt her eure Filme! Wo man die Kurzfilme im SRF zu sehen bekommt

Und schon wieder eine Überraschung: Es gibt für Kurzfilme gleich mehrere Slots auf verschiedenen Kanälen. Schon 1995 diente der „Delikatessen“-Sendeplatz für Arthousefilme Donnerstag spät nachts dazu, einmal pro Jahr Kurzfilmprogramme zu zeigen, manchmal im Umfeld von nationalen Kurzfilmfestivals. Seit 2013 gibt es außerdem einen eigenen, früheren Slot direkt nach der Primetime, und zwar zum Internationalen Tag des Kurzfilms, wo ca. 20 internationale und Schweizer Kurzfilme gezeigt werden. Dazu kommen wie anfangs erwähnt Ausstrahlungen von Kurzfilmen nach dem Primetimefilm, und noch ein Slot für Schweizer Erstausstrahlungen. Und dazu noch ein Webauftritt.

Apropos internationale Kurzfilme: Die werden eingekauft, und man sucht dabei nach Filmen auf Deutsch, oder nach solchen mit wenig Dialog. Fremdsprachige Filme werden einfach untertitelt. Bei Genres und Längen will man eine große Bandbreite haben, und man lizenziert auch gleich für zwei bis fünf Jahre, damit man die Filme über die Jahre wiederholen kann. 2015 wurden 27 internationale und 4 Schweizer Filme eingekauft. Ausgestrahlt wurden natürlich viel mehr, und zwar 90 internationale und 20 nationale Kurzfilme, dazu kamen 60(!) Kurzfilme, die in den letzten Jahren im Rahmen von Pacté vom SRF koproduziert wurden. Das ist eine ganze Menge, finde ich.

Und warum habt ihr’s erfunden?

Was ich am besten finde: Auf meine Frage, was die Intention war, auf SRF nach dem Hauptabendfilm Kurzfilme zu zeigen, bekam ich eine erfrischend ehrliche Antwort: Man suchte damals „Einsatzfilme“. Das sind Programme, die man in den variablen Lücken z.B. nach dem Hauptfilm zeigt, bevor die nächste Sendung mit einer fixen Beginnzeit anfängt. Ganz früher sendete man in einem solchen Fall einfach Cat Content (Oh hi, liebe Kätzchen vom Hessischen Rundfunk!), aber beim SRF kam man auf die Idee, in diesen „Programmlücken“ Kurzfilme zu senden – quasi aus der Not eine Tugend machen, was in diesem Fall ein sehr lässiges Resultat zur Folge hatte.

Für die Kurzfilme, die der SRF selbst koproduziert, gibt es übrigens noch einen weiteren Sendeplatz, und zwar dreimal pro Jahr in der Sendung ch:filmszene auf SRF1, mit Wiederholungen nach dem Hauptabend auf SRF2. Ach ja, und dann wäre da noch die Unterseite „Trigger – Kurzfilm der Woche“ auf der SRF Website, wo man wechselnde Kurzfilme online ansehen kann.

Sagen wir es gemeinsam: Der SRF rockt, was den Kurzfilm betrifft. Ja, klar, es wäre super, wenn es noch mehr Sendeplätze für Kurzfilme vor 22 Uhr gäbe. Und niemand weiß, wie lange Kurzfilme im SRF noch so programmiert werden. Aber hey – aus meiner österreichischen Sicht ist das Jammern auf hohem Niveau.

Nochmals ein herzliches Dankeschön von mir aus Wien nach Zürich an Eva Schweizer von der Programmplanung des SRF!

Share this Post

InesInes will’s wissen: Wie die Kurzfilme in Schweizer Fernsehen kommen

Kurzfilm-Challenge: Red Bull 12 to 12

Leave a Comment

Der Energydrinkhersteller mit dem Stier im Logo hat einen Kurzfilmwettbewerb ausgeschrieben. RED BULL 12 to 12 ist eine Kurzfilm-Challenge, bei der man, analog zu den Instant-Film-Wettbewerben nur wenige Stunden Zeit hat, um einen kompletten Film zu realisieren. Aber weil bei Red Bull anscheinend alles immer ein bisschen spektakulärer sein muss, hat man hier nicht 48 oder 36 Stunden Zeit, sondern bloß 12 (korr.) 24 Stunden.

Wenn ich das richtig sehe, läuft die Bewerbung in zwei Stufen: Voraussetzung ist, dass man FilmstudentIn in Deutschland oder Österreich ist. Man füllt das Formular aus (Achtung, die Deadline ist der 31.10.2013!), und die Jury wählt 15 FilmemacherInnen/Teams aus, die dann im November in Berlin zur Challenge antreten. Dort wird dann ein/e GewinnerIn gekürt. So sieht das GewinnerInnenteam vom letzten Jahr aus:

Red Bull 12 to 12 GewinnerInnenteam von 2012, © Thomas Dietze.

 

Gute Sache, finde ich, denn man kann 5000,- € für den nächsten Film gewinnen (naja, das ist nicht das große Geld, aber „besser als in die hohle Hand gespuckt“, wie meine Mutter sagen würde) und praktsicherweise einen 12monatigen Zugang zur Adobe Creative Cloud.

Aber Moment, da fällt mir was auf: Interessant, die Jury besteht ausschließlich aus Männern (laut Homepage Matthias Schweighöfer, Christof Wahl, Gregor Bloéb, Oliver Berben und Steffen Wink – alles verdiente Menschen in ihrem Fach, keine Frage). Und obwohl das GewinnerInnenteam von 2012 laut Foto zwei Frau im Team hat, sehe ich im Marketingvideo fast ausschließlich Männer bei der Arbeit.

Bevor jetzt der übliche Shitstorm über mich hereinbricht: Ich bin überzeugt, dass das unabsichtlich passiert ist. Aber gerade das zeigt wieder mal sehr schön, wie es mit der Sichtbarkeit von Frauen in Filmberufen aussieht. Es gibt sie, aber ich finde sie viel zu selten in der ersten Reihe.

Und weil ich hier in meinem Blog Hausrecht habe, fordere ich hiermit einfach mal alle FilmstudentINNEN in Deutschland und Österreich auf, sich zu bewerben; eure männlichen Kollegen werden es nämlich ohnehin tun. Liebe Filmstudentinnen: Allein, im Team – egal. Seid laut, drängt euch vor und zeigt was ihr könnt. Und scheisst drauf, dass ihr euch dann vielleicht im ersten Moment egoistisch fühlt (ich weiß, wovon ich spreche, aber das liegt bloß an der Erziehung). In unserem Business hilft laut sein und vorne stehen nämlich ungemein weiter.

Share this Post

InesKurzfilm-Challenge: Red Bull 12 to 12

Warum sich gratis arbeiten nicht auszahlt

4 Comments

Ich habe gerade einen Artikel mit der schönen Überschrift „Wer fürs Schreiben bezahlt werden will, sollte es nicht umsonst tun“ entdeckt und beim Lesen innerlich heftig genickt.

Anlass war offenbar das Geschäftsmodell der deutschen Version der Huffington Post, bei dem die JournalistInnen nicht bezahlt werden, weil sie im Gegenzug Klicks, Anerkennung, Bekanntheit etc. durch die Veröffentlichung auf der Website bekommen. Jannis Kucharz meint in seinem Artikel dazu:

Wenn ich vom Schreiben leben möchte und das als mein primäres Geschäftsmodell begreife, das wertvollste was ich zu bieten habe, dann sollte ich das nicht umsonst hergeben.

Ja, ja und nochmals ja.

Hier ein Beispiel: Ich habe mich neulich mit einer Bekannten unterhalten, die eine erfolgreiche Cutterin ist. Wir sprachen darüber, wie man damit umgeht, wenn wer aus unserer kleinen Filmbrache, wo quasi jeder jeden kennt, auf einen zukommt und sagt „Ich habe hier ein Drehbuch/einen Rohschnitt, kannst du bitte mal kurz draufschauen und mir Feedback geben?“. Gemeint ist dabei immer „Kannst du bitte GRATIS draufschauen“.

Die Cutterin konnte zuerst gar nicht verstehen, wieso ich das nicht ohne Bezahlung mache. Der große Unterschied zwischen ihr und mir ist aber, dass sie ihr Geld mit dem Editieren von Filmen verdient, und nicht primär mit Schnittberatung. Ich hingegen verdiene mein Geld fast ausschließlich mit dramaturgischer Beratung. Diese Dienstleistung, die mindestens 80% meines Einkommens ausmacht, soll ich plötzlich gratis anbieten? Ich weiß ja nicht, wie andere Menschen unternehmerisch planen und handeln, aber das liegt meines Erachtens auf der Hand, dass sich so kein Lebensunterhalt finanzieren lässt. Mit „Werbegeschenk“ lässt sich das in meinen Augen auch nicht argumentieren, denn es geht ja um die Dienstleistung selbst. Und nebenbei stellt sich auch die Frage, wieso der/die eine meine professionelle Dienstleistung gratis bekommen soll, und jemand anderer nicht.

Wobei ich z.B. bei Low Budget Kurzfilmen von Filmhochschulen durchaus mit dem Preis runtergehe. Ich kenne auch Leute in der Postproduktion, die das machen. Aber professionelle Arbeit verschenken? Dafür fehlt mir immer noch die Argumentation.

Der Joker hat das übrigens auch schon immer gewusst: „If you are good at something, never do it for free.“ ;-)

(Danke an Jonas, der dieses Video in den Kommentaren drüben beim Artikel im Netzfeuilleton gepostet hat.)

Share this Post

InesWarum sich gratis arbeiten nicht auszahlt

Über das Konzipieren (und Pitchen) von Serien

1 Comment

Ich werde immer wieder gefragt, wie man ein Konzept für eine Serie schreibt. Dabei geht es zwar auch um den Inhalt, aber viel mehr um die Form. Jetzt habe ich gerade gesehen, dass der Shop des Script Magazines ein „TV Pilot Kit“ kostenlos zum Download anbietet. Es besteht aus vier kurzen Word-Dokumenten, die einige Fragen vorgeben, anhand derer man das am Anfang übliche Chaos etwas lichten kann, und zwar was das Konzept, die Outline des Piloten und die Beziehungen zwischen den Figuren betrifft.

Ansonsten wär zur Serienentwicklung viel zu sagen, aber das überlasse ich lieber den Feuilletons, die machen das ohnehin gerade ziemlich leidenschaftlich.
Mein persönliches Fazit der Feuilletondiskussion, wo immer steht dass in Amerika serienmäßig alles viel toller ist als bei uns: Es ist ja super, wenn wir alle die amerikanischen, großartig erzählten Serien gerne mögen, aber die Arbeitsbedingungen für AutorInnen, die Traditionen, die Sehgewohnheiten, die den ZuseherInnen über lange Zeit anerzogen wurden, und vor allem das Finanzierungssystem sind hier fundamental anders. Das sind für mich Fakten, die man gut oder schlecht finden kann, aber sie existieren nun mal. Wenn ich mich prinzipiell darauf einlasse, trotzdem Stoffentwicklung fürs Fernsehen zu machen, gibt es immer noch einigen kreativen Spielraum innerhalb des Systems. Wenn man unter den oben genannten momentanen Bedingungen prinzipiell aber nicht arbeiten kann oder möchte, wird es schwierig. (Ihr merkt, ich sehe das recht pragmatisch.)

Was ich aus der Praxis sagen kann (aber das kann in anderen TV Redaktionen anders sein als bei mir im aktuellen Fall):

Nachdem tolle Serien aus den USA bei uns in der Primetime oft nicht so gut laufen, bin ich sehr vorsichtig mit Pitches wie „Unsere Serie ist wie MODERN FAMILY meets SHAMELESS.“ Diese amerikanischen Serienvorbilder haben oft einen Tonfall und Qualitäten, die uns StoffentwicklerInnen und AutorInnen vielleicht gut gefallen, die man in den Redaktionen dem breiten Publikum zur Primetime aber meistens nicht zutraut. Das verunsichert nur, deswegen würde ich es einfach weglassen. In Drehbuchmeetings frage ich dann lieber die RedakteurInnen persönlich ganz gezielt, ob sie sich vom Tonfall her eher etwas wie X oder Y vorstellen, um sicherzugehen, dass man am gleichen Strang zieht. Wenn das nicht der Fall ist, kann man die verschiedenen Vorstellungen gleich diskutieren. Sonst entwickelt man den Stoff aneinander vorbei und alle sind frustriert. Und das möchte man ja klarerweise nicht. (Notiz: Das hat nichts mit Anbiedern zu tun, sondern mit Frustreduktion. Die AutorInnen und ich verteidigen natürlich bestimmte Inhalte und können dann die RedakteurInnen auch oft überzeugen, aber wir sind hier beim  Fernsehen, und das ist ein pragmatisches Gewerbe, wo es um Aufträge und Geld geht. Das sollte man immer im Auge behalten. Trotzdem kann man sehr viel Spaß haben, und ich mache meistens gute und kreative Erfahrungen.)

Auch wenn das Raster, das das oben verlinkte TV Pilot Kit vorgibt, sehr grob ist, finde ich es doch hilfreich, weil es einen zwingt, Fragen zu beantworten, ohne die man kein fundiertes Konzept schreiben kann. Ich erlebe es immer wieder, dass erst bei der dritten oder vierten Umarbeitung des Konzepts die elementaren Fragen gestellt werden, die einige Umwege verhindert hätten, wenn sie gleich am Anfang ins Spiel gekommen wären. Was sind die großen Hauptkonflikte der Figuren? Was ist der (emotionale) Kern der Serie, der sich über mehrere Staffeln halten kann? Welchem Schema folgt man in jeder Folge wieder (also bezüglich Aufbau, A-, B- und C-Plot; wer ist Hauptfigur (eine oder Ensemble); klassische wiederkehrende Schlusszene; wieviel wird horizontal erzählt, wieviel abgeschlossen etc.)? Wie soll der Look sein?

(No-)Newsflash: Rein horizontal erzählte Serien haben nach wie vor keine Chance am deutschsprachigen Markt. Auch wenn es kein Krankenhaus- oder Krimigenre ist, folgt man dem Schema „70% abgeschlossener „Fall“, 30% horizontal weitererzählte Storylines“. Die Horizontale sind die privaten Geschichten, der „Fall“ ist auch beim Drama- oder Comedygenre existent. Der Satz, den ich immer wieder höre, ist „Man sol auch noch mitkommen, wenn man zwei Wochen nicht eingeschaltet hat“. Für alle, die das blöd finden: Such is tv life, honey.

Kleiner Pro-Tipp am Ende: Liebe AutorInnen, bitte schreibt bei den Besprechungen mit der Redaktion ein Protokoll mit allen Entscheidungen, die bezüglich der Figuren, Inhalt, Aufbau, Tonfall – also einfach allem – in der Besprechung getroffen werden. Dieses Protokoll lasst ihr dann von ProduzentIn und DramaturgIn (bzw. wer sonst noch produktionsseitig anwesend war) absegnen, und die ProduzentIn schickt das dann mit der Bitte um Bestätigung kurz nach der Besprechung an die Redaktion. Wenn dann nämlich das übliche passiert, sprich: Es hieß „auf keinen Fall Cliffhanger!!“, und bei der nächsten Besprechung wird man gefragt, wo denn nun die Cliffhanger wären, dann hat man die vereinbarten Veränderungen schwarz auf weiß und kann anders argumentieren.

(Ach, es gäbe noch viel zum Thema Serienentwicklung zu sagen, z.B. wie man jetzt ein Konzept im Detail aufbauen kann, aber heute ist Sonntag und ich muss jetzt ein Nickerchen machen, weil heute Nacht sind nämlich die Oscars. Und die werden bei mir traditioneller weise live angeschaut. Aber das wisst ihr ja wahrscheinlich.)

Share this Post

InesÜber das Konzipieren (und Pitchen) von Serien

Der #aufschrei und das Geschichtenerzählen

9 Comments

(Achtung, das wird jetzt lang, holt euch besser mal eine Tasse Kaffee oder Tee. Aber ich habe da ein Anliegen…)

Wahrscheinlich ist es euch nicht entgangen, dass in den letzten Tagen hierzulande eine Debatte über Sexismus geführt wurde. Auslöser dafür war ein Twitterdialog über erlebten Alltagssexismus zwischen Anne Wizorek und Nicole von Horst, dem tausende Tweets mit Kurzberichten über ähnliche Erlebnisse folgten, die man unter dem Hashtag #aufschrei auf Twitter finden kann.

Es folgten zahlreiche Reaktionen, zustimmende und abwehrende; von Frauen und Männern, die sagten „wer sich nicht wehren kann, ist selber schuld“, bis zu Frauen und Männern, die selbst betroffen waren oder eben auch nicht, und die realisierten, dass hier Dinge geschehen, die ihnen vielleicht nicht passieren, aber von denen sie nicht wussten, wie massiv sie vorhanden sind, und die darüber bestürzt waren.

Es möge sich bitte jeder selbst eine Meinung bilden. Anke Gröner hat in diesem Posting viele Artikel zusammengefasst; wer sich einlesen will, ist dort gut versorgt.

Aber warum schreibe ich hier im Scriptalicious-Blog darüber? Weil es mir um einen weiteren Aspekt geht. Also, eigentlich um zwei Aspekte. Der eine ist der, wie man mit sexistischen Handlungen im Berufsalltag umgeht. Der andere ist der, wie wir als AutorInnen, DramaturgInnen, RedakteurInnen möglicherweise sexistische Szenen in Drehbüchern zulassen, ohne dass wir es merken bzw. wie wir damit umgehen.

more

Share this Post

InesDer #aufschrei und das Geschichtenerzählen

Film lernen – aber wie?

Leave a Comment

Die Filmhochschule München bekommt um viel Geld ein neues Gebäude. Und gleichzeitig fehlt die Finanzierung für die Ausbildung selbst. Und weil es Sommer ist und es deswegen offenbar extra heiß hergehen muss, stellt man gleich die Sinnhaftigkeit der Filmausbildung an sich in Frage.

Aber zum Glück hat sich Peter Hartig im Outtakes-Blog die Mühe gemacht, ein paar Gedanken dazu zusammenzufassen. Der allerwichtigste davon ist meines Erachtens dieser:

Es ist nicht die Aufgabe einer Hochschule, die aktuellen Bedürfnisse eines Marktes zu bedienen, sondern ihren Studenten grundlegendes Wissen und Handwerk zu vermitteln, mit dem sie das später selber tun können, wenn sie wollen. Wenn Geschichtsstudenten die Getreidepreise im Augsburg der Frührenaissance diskutieren, statt zu lernen, wie man knackige Bildunterschiften für „Geo Epoche“ formuliert oder angehende Mediziner ihren 23. Frosch lebendig sezieren (tun sie doch noch, oder?) statt endlich den Krebs zu besiegen, sagt ja auch keiner was. Und wenn Nachwuchsfilmemacher sich bis zum Abschluss lieber an wichtigen Dramen um einbeinige Alleinerziehende in Plattenbautensiedlungen kurz vor der Uckermark versuchen und eher Luis Buñuel als Michael Bay hinterhereifern wollen, ist das auch in Ordnung. Der Markt regelt die Träume noch früh genug.

Genau, der Markt regelt die Träume noch früh genug. Aber ich fände eine Mischung ideal – man sollte den Studierenden schon während der Ausbildung die Realität des Marktes vor Augen führen. Das fehlt tatsächlich an den künstlerischen Filmhochschulen, genauso wie die künstlerische Ausdrucksform an den kommerziell orientierten Hochschulen zu kurz kommt.

Ich finde dass man dann als FilmstudentIn aber bitteschön im Bewusstsein beider Seiten der Medaille wenigstens noch in der Ausbildung machen dürfen soll was man wirklich will. Wer später im echten Leben damit Geld verdienen will, wird das nämlich ohnehin nicht mehr (oder nur in ganz kleinem Ausmaß) können.

Schade eigentlich, dass wir jetzt in der Ausbildung auch schon die „entweder Kust oder Kommerz“ Diskussion haben (wobei sie hier in Österreich generell geführt wird, seit die Universitäten in einen Rechtfertigungszwang gegenüber den aus der Wirtschaft finanzierten Fachhochschulen gedrängt wurden, zumindest empfinde ich das so. Aber dieses Fass mache ich jetzt hier lieber nicht weiter auf…). Mir hängt diese Diskussion jedenfalls ehrlich gesagt schon ziemlich zum Hals raus.

Share this Post

InesFilm lernen – aber wie?

Wochenendvideos

Leave a Comment

Ich bin von heute bis Montag in Sachen Stoffentwicklungsunterricht unterwegs, und zwar zum letzten Mal in diesem Sommersemester an der Kommunikationswissenschaft in Salzburg und an der FH Medientechnik in St. Pölten.

Damit es hier nicht langweilig wird poste ich ein paar Wochenendvideos.

Zuerst ein einstündiges Video, in dem die Autoren bzw. Showrunner einiger der aktuell besten amerikanischen TV-Serien über ihre Arbeit sprechen (ein Transkript des gesamten Gesprächs findet ihr hier):

Der nahenden Emmy-Verleihung sei gedankt – dennn dadurch gibt es jetzt (und sicher in den nächsten Tagen) noch mehr Interviews zum Thema TV-Serie. Hier reden zum Beispiel die Hauptdarsteller einiger Serien über ihren Beruf. So schnell kriegt man Jon Hamm (MAD MEN), Damian Lewis (HOMELAND) und Co. alle auf einmal für eine ganze Stunde in dieser Konstellation vielleicht nicht mehr zu sehen.

Wer sich für die Showrunners der Comedy-Serien interessiert findet hier deren einstündiges Interview, u.a. mit Liz Meriwether (NEW GIRL) und Paul Lieberstein (THE OFFICE).

Ich hätte noch einige andere Videolinks parat, aber die hebe ich mir für ein anderes Wochenende auf. Schließlich soll am Samstag und Sonntag nach Wochen der Kälte endlich die Sonne scheinen, da wollt ihr sicher lieber draußen sein statt hier drinnen vor dem Bildschirm, oder?

Share this Post

InesWochenendvideos

Neue Ausschreibung des bm:ukk

Leave a Comment

Im bm:ukk ist man offen für neue Ansätze und will sich auch um die Projekte kümmern, die bei der klassischen Filmförderung durch den Rost fallen, wie z.B. Webserien. Deswegen gibt es jetzt eine Ausschreibung für neue Filmformate. Details findet ihr hier. Einreichschluss ist der 20.05.2011.

Share this Post

InesNeue Ausschreibung des bm:ukk

Ich brauche wirklich eine Geschichte? Sicher?

Leave a Comment

Etwas Amüsantes für zwischendurch: Ein Gespräch zwischen einem arrivierten Autor und einer Autorin die am Anfang steht.

Es stammt von Lee Goldbergs Blog und kein Mensch wird ihm glauben dass ihm dieses Gespräch wirklich passiert ist, wie er behauptet.

Ich sage euch: Glaubt ihm. Denn ihr würdet nie drauf kommen, welche Gespräche oder E-Mailkonversationen ich manchmal führe. (Ich paraphrasiere mal kurz: „Ich habe seit fünf Jahren nicht ferngesehen und habe auch nicht vor es zu ändern, aber hier ist mein total genialer Pitch für eine Reihe von 2×50 Minuten – oder 4×35 Minuten, was wäre denn da besser? Und ich habe auch kein Budget für eine dramaturgische Beratung, aber Sie können ja in Vorleistung gehen und wir machen das mit dem Honorar auf Erfolgsbasis.“)

Share this Post

InesIch brauche wirklich eine Geschichte? Sicher?