Buchkritik: Die Kunst der Filmregie

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Während ich mich mit einer Freundin auf Facebook gerade über Drehbuchliteratur unterhalten habe, ist mir eingefallen, dass ich im Februar 2013 für den Newsletter von VeDra eine längere Rezension über mein Lieblingsbuch zum Thema Drehbuchschreiben verfasst habe. Hier ist der Text:

 

Die Momente, die mich inhaltlich als Filmdramaturgin wirklich weiter gebracht haben, sind oft genau dann passiert, wenn ich über meinen eigenen dramaturgischen Tellerrand hinausgeblickt habe – am Schnittplatz, beim Textlernen mit einem Schauspieler, oder am Set neben der Regisseurin.

Und es ist ausgerechnet ein Werk mit dem Wort „Regie“ im Titel, das seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsbüchern über das Drehbuchschreiben zählt: DIE KUNST DER FILMREGIE basiert auf einer Vorlesungsreihe, die der Autor und Regisseur David Mamet 1987 an der Filmschule der Columbia University abgehalten hat. Das nur 110 Seiten kurze Buch ist polemisch, radikal und unorthodox, was die Lektüre wunderbar unanalytisch und niemals zu trocken werden lässt.

David Mamet: Die Kunst der Filmregie

In einem kurzen Einleitungskapitel erklärt David Mamet seine Grundsätze des filmischen Erzählens. Für ihn sind gute Filme mit Träumen zu vergleichen, in denen „neutrale“ Bilder nebeneinandergestellt werden und in ihrem Kontrast zueinander die Geschichte erst im Kopf des Zusehers auslösen. Der Schnitt erzählt die Geschichte.

Das Hauptkapitel besteht dann aus einem Frage-Antwort-Spiel, das Mamet mit seinen Studenten führt. Ausgehend von einer einfachen Situation – eine Handvoll Leute kommt zu einem Kurs zusammen – entwickelt er einen Film. Aus welchem Blickwinkel filmt man die erste Einstellung? „Das kommt darauf an worum es in der Szene geht“, antwortet ein Student. Und um draufzukommen, was das ist, fragt Mamet danach, was der Protagonist will und was die übergeordnete Idee (z.B. das emotionale Thema) der Szene ist.

Und schon sind wir wieder beim Drehbuchschreiben, denn genau das, was Mamet hier seine Studenten fragt, macht man im Idealfall bereits beim Schreiben. Durch das radikale Hinterfragen, ob man ein Bild/eine Szene/eine Kameraeinstellung nur deshalb verwendet, weil es für sich gesehen „interessant“ ist (also bis zu einem gewissen Grad auch aus persönlicher Eitelkeit heraus), oder ob es ausschließlich dem reinen Erzählen der Geschichte dient, kommt Mamet zu einem einfachen Schluss: Keep it simple, stupid. Oft ist der einfachste Weg die beste Lösung. Aber wie schwer es ist, sie zu finden, das illustriert der Dialog mit den Studenten.

David Mamet geht dann auch noch auf die Vorproduktion und die Arbeit mit den Schauspielern ein. Aber der Kern bleibt immer derselbe: Was bleibt übrig, wenn man alles Schmückende, alles Erklärende und das bewusst Bedeutungsschwangere in den Worten und Bildern wegnimmt? Es ist die pure Geschichte.

Wie man zu dieser Essenz kommt (egal ob beim Schreiben oder beim Inszenieren), das ist der Inhalt dieses Buches. Und letztlich ist es eine Reflexion darüber, was filmisches Erzählen überhaupt bedeutet. Die Dialogform, in der das Buch geschrieben ist, ist übrigens eine gute Wahl. Denn man fängt beim Lesen unweigerlich an mitzudenken und Mamets Fragen selbst zu beantworten. Der Lerneffekt stellt sich hier auch ohne „Worksheets“ und Aufgabenstellungen an den Leser ein, nämlich indem man einfach nur im ‚Seminarraum‘ sitzt und David Mamet zuhört.

David Mamet: Die Kunst Der Filmregie. Alexander Verlag Berlin, 2009 (5. Aufl.) isBn 978-3895810329. Preis 16,90 €

Zuerst erschienen in: VeDra Verband für Film- und Fernsehdramaturgie, Newsletter No.25, Februar 2013, S.11. (Den Newsletter könnt ihr hier als PDF downloaden.)

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